International
13.10.2017 10:36

Offensive gegen Kurden im Nordirak

  • In Kirkuk kommt es zu militärischen Spannungen zwischen Iraks Armee und kurdischen Peschmerga-Kämpfern. Die ölreiche Provinz wird sowohl von der irakischen Zentralregierung als auch von den Kurden beansprucht (Archiv).
    In Kirkuk kommt es zu militärischen Spannungen zwischen Iraks Armee und kurdischen Peschmerga-Kämpfern. Die ölreiche Provinz wird sowohl von der irakischen Zentralregierung als auch von den Kurden beansprucht (Archiv). | Keystone/EPA/AHMED JALIL
IRAK ⋅ Im Streit um das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak wächst die Sorge vor einem bewaffneten Konflikt. Das Generalkommando der kurdischen Peschmerga-Kämpfer warf Iraks Regierungskräften am Freitag vor, einen "Krieg gegen Kurdistan" vorzubereiten.

Ein Peschmerga-Kommandant sagte der Nachrichtenagentur dpa, irakische Kräfte hätten versucht, die Front in der Region zu durchbrechen, um die Provinz Kirkuk zurückzuerobern. Als Peschmerga werden die Streitkräfte der Autonomen Region Kurdistan bezeichnet.

Ein hoher irakischer Offizier teilte mit, Armee und verbündete Milizen seien in Gebiete bei Kirkuk vorgerückt, die die Kurden in der Nacht auf Freitag verlassen hätten. Am Freitagmorgen sei bereits ein Militärposten der Peschmerga westlich der Stadt Kirkuk eingenommen worden.

Das kurdische Peschmerga-Kommando warnte daraufhin vor einer "grossen Katastrophe". Die Peschmerga wollten kein Blutvergiessen, seien aber bereit, "das Volk Kurdistans" zu verteidigen, hiess es in einer Erklärung. "Wir werden niemandem erlauben, uns anzugreifen."

Zehntausende kurdische Peschmerga und Sicherheitskräfte seien bereits in und rund um Kirkuk stationiert, sagte am Freitag der Vizepräsident der Region, Kosrat Rassul, dem kurdischen Fernsehsender Rudaw. Tausende Peschmerga seien seit Donnerstag dazugekommen, "um der Bedrohung entgegenzutreten".

Bagdad dementiert

Iraks Militärführung wies derweil Meldungen über den Beginn einer gegen die Kurden gerichteten Militäroperation zurück. Die Einheiten bei Kirkuk seien weiterhin dabei, von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreites Gebiet zu säubern und zu durchkämmen, hiess es in einer Erklärung.

Auch der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi bekräftige in Mitteilungen über Twitter, die Regierungskräfte könnten und würden keine irakischen Bürger angreifen, seien es Araber oder Kurden. Er wolle keinen arabisch-kurdischen Konflikt.

Irakische Regierungskräfte hatten Anfang des Monates südwestlich von Kirkuk die vom IS kontrollierte Stadt Hawidscha und deren Umland befreit. Damit kontrollieren die Extremisten nur noch Gebiete im Westen des Landes.

Umstrittenes Referendum

In der ölreichen Provinz Kirkuk ist der Konflikt zwischen Kurden und Zentralregierung besonders scharf, weil diese von beiden Seiten beansprucht wird. Die Peschmerga hatten 2014 die Kontrolle über die Provinz übernommen, nachdem die Armee vor dem IS-Ansturm geflohen war. Die Kurden exportieren von Kirkuk aus Öl über eine Pipeline in die Türkei.

In einem umstrittenen Referendum hatten sich die Kurden in der Kurdenregion und in Kirkuk im September mit überwältigender Mehrheit für die Abspaltung vom Irak ausgesprochen. Die Zentralregierung in Bagdad lehnte die Volksabstimmung jedoch als verfassungswidrig ab und pocht auf die Einheit des Landes.

Auch die Nachbarn Türkei und Iran erklärten das Referendum für null und nichtig. Wie die Zentralregierung haben sie den Luftraum der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak geschlossen. Kirkuk gehört nicht zum kurdischen Autonomiegebiet, wird aber überwiegend von Angehörigen der Volksgruppe bewohnt. (sda/afp/dpa/reu)

Meist gelesene Artikel

Der Fahrer des Militär-Jeeps war abgelenkt und hatte Glück: Er blieb unverletzt, als sich sein Puch überschlug.
MILITÄRUNFALL

Militär-Puch landet nach Salto in Wiese

Prall gefüllte Euter sind an Milchviehausstellungen nichts aussergewöhnliches. Doch für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Ausstellungskühe ist dies ein Problem. (Archivbild)
TIERSCHUTZ

Kontrolle gegen übervolle Kuh-Euter

Wegen des verunfallten Lastwagens kam der Verkehr auf der A1 in der Waadt in Richtung Genf zum Erliegen.
VERKEHRSUNFALL

Lastwagen-Anhänger auf A1 umgekippt

Symbolbild Schwarzarbeit
OBWALDEN

In zwei Obwaldner Gastronomiebetrieben Schwarzarbeiter erwischt

Ein Velofahrer ist ohne Licht unterwegs.
ZUG

32 Velofahrer ohne Licht in Hünenberg gebüsst

So könnte der Durchgangsbahnhof dereinst aussehen.
LUZERN

Durchgangsbahnhof: Bund soll Wort halten

Marco Chiudinelli konnte sich nach 18 Jahren auf der ATP-Tour in seiner Heimat von den Fans sowie seinen engsten Freunden und Wegbegleitern verabschieden
SWISS INDOORS

Emotionaler Abschied für Marco Chiudinelli

FCZ-Trainer Uli Forte will Stade Lausanne-Ouchy einen neuerlichen Coup im Cup verunmöglichen
SCHWEIZER CUP

Der FC Zürich ist resistent gegen Kleine

Am Sonntagabend kam es im Sedel zu einem Verkehrsunfall.
STADT LUZERN

Verkehrsunfall im Sedel: Strasse war zwei Stunden lang blockiert

Eine Mehrheit der Bevölkerung lehnt eine Zulassungsbeschränkung für neue Arztpraxen ab. (Symbolbild)
GESUNDHEIT

Keine Zulassungsbeschränkung für Arztpraxen

Zur klassischen Ansicht wechseln