Schweiz
25.01.2018 09:46

Botschaften der Elite an Donald Trump

  • In den Reden und Gesprächen der WEF-Elite nahm US-Präsident Donald Trump schon sehr viel Platz war, bevor er überhaupt in der Schweiz ankam
    In den Reden und Gesprächen der WEF-Elite nahm US-Präsident Donald Trump schon sehr viel Platz war, bevor er überhaupt in der Schweiz ankam | KEYSTONE/AP/MANUEL BALCE CENETA
WEF 2018 ⋅ Der heutige Grosseinfall des US-Präsidenten und seiner Entourage sprengt in seiner Dimension alles bisher in Davos Gesehene. Die klare Botschaft der WEF-Teilnehmer an Trump: er solle sich nicht von der Weltbühne verabschieden. Die USA würden gebraucht.

Der Davoser Taxifahrer regte sich auf: „Alle reden nur über Donald Trump - man könnte meinen, er sei der neue Messiah.“ Tatsächlich werden die Details von Trumps Reiseplan von den Teilnehmern des WEF so heiss gehandelt, als wären sie Gold. Und es vergehen kaum Podien, Reden und Workshops ohne, dass Trump nicht einen grossen Platz einnimmt.

„Was ist ihre Botschaft an Donald Trump?“ Diese Frage ist der Renner der Moderatoren der Veranstaltungen, aber auch des Publikums. Die norwegischen Premierministerin und WEF-Ko-Leiterin, Erna Solberg, antwortete: "Meine Botschaft an ihn ist; wir brauchen eine USA, die in der internationalen Arena mitmacht, um die globalen Entwicklungsziele zu erreichen."

Hoffnung auf weitere US-Zahlungen

Auch der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Peter Maurer, hatte einen Appell an Trump bereit. Die Entwicklungsbranche war eine der ersten, wo Trump die Mittel abzog. „Die humanitäre Arbeit stabilisiert die Gesellschaft“, sagte Maurer. Es gebe viele Beweise, dass humanitäre Arbeit an der Front in Konflikt- und Krisenzonen zu den wichtigsten Stabilisatoren zählten. Das sei auch im Interesse der USA.

Laut Maurer sind die USA beim IKRK weiterhin als wichtigster Geldgeber an Bord. „Ich hoffe, das bleibt weiter so“, fügte er hinzu.

Der Schweizer Wirtschaftsminister zeigte sich sehr gelassen betreffend des hohen amerikanischen Gastes: "Wenn der Amerikaner mit reduzierten Steuern grosse US-Firmen in der Schweiz umwirbt, um sie zu repatriieren, dann ist das sein gutes Recht", sagte Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Er befürchtet auch nicht, dass Trumps neues Steuerregime zu grossen Abwanderungen führt - zumindest nicht aus der Schweiz. Denn die Schweiz könne im Unterschied zu den USA für sich in Anspruch nehmen, ein endlos stabiles System zu haben - ohne mögliche Regierungswechsel alle vier Jahre, sagte Schneider-Ammann.

Name Trump nicht erwähnt

Die Präsenz von Trump war auch in den WEF-Ansprachen der Regierungschefs von Deutschland, Frankreich und Italien gross - ohne dass sein Name genannt wurde. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel warnte in ihrer Rede am (gestrigen) Mittwoch vor Isolationismus. "Wir glauben, dass Abschottung uns nicht weiter führt", sagte sie. "

Dass die USA am Vortrag Strafzölle für Produkte aus Asien und Italien erliess, erwähnte Merkel nicht. Sie vermied auch direkte Kritik an den USA, etwa bei der Steuerpolitik. "Wir sollten nicht klagen, wenn andere Unternehmenssteuerreformen machen ", sagte sie.

Rote Linie bei Abschottungspolitik

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron wiederum ging in einem ironischen Kommentar auf die erwartete Anreise von US-Präsident Donald Trump in Davos ein. Mit Verweis auf den zuletzt starken Schneefall in der Region sagte er, so könne es schwer fallen, an die globale Erwärmung zu glauben. "Glücklicherweise haben Sie dieses Jahr niemanden eingeladen, der an der Klimaerwärmung zweifelt."

Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni verwies auf eine rote Linie bei der Abschottungspolitik. "Ich denke, es ist ein legitimer Wunsch von politischen Führungskräften, dass sie ihre Bürger, ihre Unternehmen, ihre Wirtschaft schützen wollen - aber es gibt eine Grenze", sagte Gentiloni. Freihandel und multilaterale Entscheidungen müssten dabei beibehalten werden.

Gleichzeitig rief Gentiloni aber dazu auf, Trump nicht ständig zu kritisieren. Es sei nicht die Aufgabe Europas zu kommentieren, was der US-Präsident tue und sage. Europa müsse vielmehr eigene Führungskraft beweisen.

Kontroverse Rede erwünscht

Eher mit freudiger Erwartung sehen die Wirtschaftsführer der Rede des US-Präsidenten entgegen. Der internationale Konzernchef des Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers, Bob Moritz, würde eine kontroverse Rede von Donald Trump begrüssen. In den grossen Reden in Davos geht es nicht darum, alle zufrieden zu stellen, so Moritz. „Das Beste, was wir hier machen können, ist einen besseren Dialog für bessere Resultate zu führen“, betonte er.

Der Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, Heinz Karrer, sagte: „Protektionismus ist nichts Neues, viele Staaten führen derzeit protektionistische Massnahmen ein und senken gleichzeitig die Steuern wie die USA."

Die Seite der Arbeitnehmervertreter macht sich ganz andere Gedanken zum Auftritt von Trump. Die Generalsekretärin des internationalen Gewerkschaftsbundes (ITUC), WEF Ko-Leiterin Sharan Burrow sagte: "Wir hoffen, dass Trump nicht nur eine Ablenkung ist und den Fokus von wichtigen Zielen wegnimmt.“. (sda)

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