Schwyz
05.02.2018 20:11

Kein Personal mehr am Bahnhof

  • Die SBB-Schalterhalle in Küssnacht wird geschlossen.
    Die SBB-Schalterhalle in Küssnacht wird geschlossen. | Edith Meyer, Bote der Urschweiz
KÜSSNACHT ⋅ Der Bahnhof Küssnacht hat nicht mehr lange eine Schalterhalle. Ab dem 1. Juli gibt es nur noch Tickets vom Automaten. Die SBB-Station Küssnacht wird zum Geisterbahnhof. Die Gewerkschaft hat Sicherheitsbedenken.

Edith Meyer

Über den Entschluss, den bedienten Schalter zu schliessen, informierten die SBB-Stellen am 15. Januar – allerdings nur intern. Die breite Öffentlichkeit wurde nicht orientiert. Anders der Bezirksrat: «Wir wurden informiert, dass der Schalter zugeht. Genauere Informationen erhalten wir an einem extra einberufenen Termin», sagt Bezirksammann Michael Fuchs. Nun warte der Bezirksrat darauf, mehr über die Gründe zu erfahren. 

Bedienter Schalter ist 
nicht mehr rentabel

Fällt der Bahnhof Küssnacht einem Sparprogramm zum Opfer? «Die SBB reagieren damit auf die abnehmende Nachfrage nach bedientem Verkauf in Küssnacht. Aufgrund dieses Rückgangs entstehen der SBB überproportional hohe Betriebskosten, welche in einem jährlichen Verlust im sechsstelligen Bereich resultieren», sagt SBB-Mediensprecherin Franziska Frey. Dies widerspreche dem Auftrag des Bundesrates, das operative Geschäft nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen zu betreiben. 

Dass der Schalter bald verwaist ist, hat weitere Gründe: «Im 2017 wurden pro Stunde durchschnittlich weniger als acht Billette am Schalter verkauft, bereits im 2016 wurden in Küssnacht am Rigi 86 Prozent aller Billette über den Automaten, online und mobile bezogen», betont Franziska Frey. Es habe ein konstanter Rückgang des bedienten Absatzes stattgefunden. 
In Küssnacht geht mit der Schliessung der Verkaufsstelle ein Arbeitsplatz verloren. «Der betroffene Mitarbeiter wird an einem der bedienten Bahnhöfe in der Region eingesetzt», sagt Franziska Frey dazu.

Jürg Hurni vom Schweizerischen Eisenbahner-Verband, der Gewerkschaft der Bahnangestellten, bedauert die Schliessung der SBB-Vertriebsstelle trotzdem. Sie sei ein weiterer Schritt zur «Enthumanisierung» des ÖV, kritisiert Jürg Hurni. «Das subjektive Sicherheitsgefühl sinkt, wenn an den Bahnhöfen kein Personal mehr vor Ort ist», sagt Jürg Hurni. Die Kundinnen und Kunden hätten ein Bedürfnis nach Hilfe und Beratung, und vor allem nach Sicherheit. Eine weitere Tatsache ist, dass auch in den Zügen immer weniger Personal unterwegs ist. 

Wie die Schalterhalle künftig genutzt wird, ist noch unklar. «Unser Ziel ist es, das Angebot laufend weiterzuentwickeln und den Kundenbedürfnissen anzupassen», so Franziska Frey. Die SBB würden die frei werdenden Räumlichkeiten entsprechend nutzen und in den kommenden Wochen und Monaten prüfen, welches Angebot den Kundenbedürfnissen am besten Rechnung trage. 

Bezirk und SBB investierten 
10 Mio. Franken in den Bahnhof

Von 2010 bis 2012 wurden der Bahnhof und das Mittelperron neu gestaltet und ein Busbahnhof errichtet. Erstellt wurde auch eine Fussgängerunterführung unter den Gleisen hindurch und ein neuer Zugang von der Haltikerstrasse her. Die SBB investierten damals 3,5 Mio. Franken und der Bezirk Küssnacht 6,5 Mio. Franken.

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