Luzern
17.07.2017 11:13

Luzern schränkt freie Schulwahl für Gymnasien aus Kostengründen ein

  • Mit der Zuteilung der Lernenden auf Schulstandorte können die Zahl der Klassen reduziert und Kosten gespart werden.
    Mit der Zuteilung der Lernenden auf Schulstandorte können die Zahl der Klassen reduziert und Kosten gespart werden. | Bild: Corinne Glanzmann, Sursee, 19. Juni 2015
SPARMASSNAHMEN ⋅ Jetzt ist es definitiv: Der Kanton Luzern schränkt ab nächstem Sommer die freie Gymnasium- und Mittelschulwahl ein. Damit soll künftig pro Jahr mindestens eine halbe Million Franken gespart werden.

 

«Freie Kanti-Wahl in Frage gestellt», titelte unsere Zeitung am 21. Dezember 2016. Was damals vom Kanton Luzern als «noch nicht spruchreife» Massnahme bezeichnet wurde, ist jetzt Gewissheit: Ab dem Schuljahr 2018/2019 haben neu die Dienststellen das letzte Wort, in welches Gymnasium oder in welche Mittelschule die Schüler gehen. Die entsprechende Verordnung hat der Regierungsrat auf Antrag des Bildungs- und Kulturdepartements am 27. Juni geändert und tritt am 1. August in Kraft.

Hintergrund der Massnahme ist – wie so oft – der Spardruck. Gemäss der «Organisationsentwicklung 2017», jenem Sparpaket, mit dem der Staatshaushalt ab 2018 pro Jahr um rund 40 Millionen Franken entlastet werden soll, dürften mit der Einschränkung der Schulwahl 2018 und 2019 insgesamt 0,5 Millionen Franken gespart werden, 2020 und 2021 je 0,8 Millionen Franken.

Zwei bis drei Klassen werden geschlossen

Gut gefüllte Klassen gegen leere Kassen ist also die Devise des Kantons. Oder anders ausgedrückt: «Mit der Zuteilung von Lernenden zu einem Schulstandort mit entsprechendem Schulangebot können die Dienststellen Klassen reduzieren und so Kosten einsparen», so die Regierung in einer gestrigen Mitteilung. Hans-Peter Heini, Departementssekretär des kantonalen Bildungs- und Kulturdepartements, spricht auf Anfrage von zwei bis drei Klassen, die gegenüber der ursprünglichen Planung eingespart werden können. Die Massnahme dürfte rund zwei bis drei Prozent der Schüler betreffen. Wie viele konkret, ist noch unklar. Klar ist laut Heini, dass vor allem Schüler aus jenen Gemeinden betroffen sein werden, die zwischen zwei Kantonsschulen liegen. Die Sek-Abgänger werden auch künftig vor dem Übertritt ins Kurzzeit-Gymnasium den gewünschten Schulstandort angeben können. Ist eine Klasse bereits gefüllt, gilt die Wahl des Schwerpunktfachs als Kriterium für die Zuteilung des Schulstandorts. Heisst zum Beispiel: Wer Spanisch als Schwerpunktfach in der Kanti Seetal angegeben hat, dort aber kein Platz mehr ist, wird vom Kanton nach Luzern geschickt: entweder in die Kanti Alpenquai oder Reussbühl (siehe Tabelle über dem Text).

Damit ist Luzern restriktiver als St. Gallen. Dort haben die Schüler die Wahl, ob sie beim Schwerpunktfach bleiben und die Schule wechseln wollen, oder ob sie ein anderes Schwerpunktfach an der gewünschten Schule haben wollen. Dazu Hans-Peter Heini: «Die Schülerinnen und Schüler im Kanton Luzern geben vor dem Übertritt ins Kurzzeitgymnasium für das Schwerpunktfach zwei Prioritäten an. Diese Wahl wird sicherlich berücksichtigt werden. Eine Wahlmöglichkeit, wie es der Kanton St. Gallen hat, halten wir darum für unnötig.» Auch deshalb, weil es in Luzern mehr Langzeitgymnasiasten als Kurzzeitgymnasiasten gebe und die Massnahme nicht in demselben Umfang ungesetzt werde.

Generell hält Heini fest, dass die Massnahme vertretbar sei: «Dass einzelne Lernende nun weiter reisen müssen, und dass ein gewisser administrativer Aufwand in der Verwaltung anfällt, müssen wir – mit Blick auf den Spardruck – in Kauf nehmen.»

 

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch

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