International
Lade Login-Box.
19.08.2019 10:02

100 Jahre Unabhängigkeit Afghanistans

  • Der afghanische Präsident Ghani (Mitte) erklärte, das Ziel der Regierung sei es, Verstecke der Terrormiliz Islamischer Staat (IS)  im Land zu vernichten. Die IS-Miliz hatte sich zu dem schweren Anschlag am Wochenende in Kabul bekannt.
    Der afghanische Präsident Ghani (Mitte) erklärte, das Ziel der Regierung sei es, Verstecke der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Land zu vernichten. Die IS-Miliz hatte sich zu dem schweren Anschlag am Wochenende in Kabul bekannt. | KEYSTONE/EPA AFGHANISTAN PRESIDENTIAL PALA
AFGHANISTAN ⋅ Die pompös geplanten Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeit Afghanistans sind von Gewalt überschattet worden. In der östlichen Provinz Nangarhar wurden mindestens 52 Menschen auf dem Weg zu oder bei Unabhängigkeitsfeiern durch zehn Sprengsätze verletzt.

Das teilte das Pressebüro des Provinzgouverneurs am Montag mit.In der östlichen Provinzhauptstadt Mehtarlam sind Behördenangaben zufolge zudem sechs Menschen verletzt worden, nachdem eine Mörsergranate in jenem Gebiet eingeschlagen war, in dem Feierlichkeiten stattfanden.

Ursprünglich waren umfangreiche Feiern im ganzen Land geplant. Einem Präsidentendekret zufolge war ein Budget von 4,8 Millionen US-Dollar dafür vorgesehen. Ein Teil der Festlichkeiten war am Sonntag aber nach dem verheerenden Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in einer Hochzeitshalle in Kabul mit mehr als 60 Toten abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Präsident Aschraf Ghani sagte in einer Rede im neu renovierten Königspalast in Kabul, der "Feind" habe die Feierlichkeiten verschoben, indem er das Blut von Zivilisten vergossen habe. Über die Unabhängigkeit wolle er nun nicht sprechen.

Als ein Höhepunkt der Feiern war nach dreijähriger Renovierung die Wiedereröffnung des Königspalastes in Kabul geplant, einem Soldaten beim Königspalast zufolge waren mehrere Tausend Menschen dazu geladen. Es kursierten sogar Gerüchte, Beyonce oder Shakira sollten dort ein Konzert geben.

Der zerschossene Königspalast, in den 1920er-Jahren vom deutschen Architekten Walter Harten entworfen, galt lange als Mahnmal der gewalttätigen Geschichte des Landes. Die Wiedereröffnung soll nun später stattfinden.

Drei Kriege

Die Briten hatten drei Kriege geführt, um Afghanistan unter ihre Kontrolle zu bringen und so die Expansion des Zarenreiches nach Süden zu stoppen. Den Krieg 1839-42 verloren die Briten. Nach dem zweiten Krieg 1878-80 wurde Afghanistan von Grossbritannien abhängig: London besorgte die Aussenpolitik und hielt fremde Mächte fern, im Inneren blieb Afghanistan sich selbst überlassen.

König Amanullah erklärte bei seiner Thronbesteigung die völlige Unabhängigkeit Afghanistans von Grossbritannien, was zu einem kurzen dritten Krieg (Mai-August 1919) führte. Die vom Ersten Weltkrieg geschwächte britisch-indische Armee konnte keinen entscheidenden Sieg erringen. Afghanistan wurde frei.

Offizieller Feiertag

Der Unabhängigkeitstag war vergangene Woche kurzfristig zu einem offiziellen Feiertag erklärt worden. In Kabul waren nur wenige Autos auf den Strassen, die vereinzelt mit Fahnen geschmückt waren. Jugendliche fuhren mit Fahnen auf ihren Rädern durch das Zentrum.

Zwei junge Männer hatten eine grosse afghanische Fahne zu einem landestypischen Turban gebunden. Der 18-jährige Abdullah Nangarhari wollte trotz der in Kabul nach dem Anschlag gedrückten Stimmung feiern. "Wir wollen dem Feind zeigen, dass wir, was immer sie tun, immer noch unsere Unabhängigkeit feiern werden."

Grössere Zeremonien gab es in mehreren Provinzhauptstädten. Im östlichen Gardes etwa wurde eine Parade abgehalten mit Militärs und Sportlern. Im westlichen Herat wurden unter strengen Sicherheitsvorkehrungen traditionelle Tänze vorgeführt.

Pompeo gratuliert

US-Aussenminister Mike Pompeo gratulierte den Afghanen. Diese könnten stolz sein, wenn sie nun ein Jahrhundert der Widerstandsfähigkeit und kulturellen Vielfalt feierten. Leider, hiess es weiter, sei die Geschichte Afghanistans auch von Konflikten geprägt gewesen. Die USA würden "unsere Verpflichtung, gemeinsam auf eine friedliche Zukunft hinzuarbeiten, verdoppeln".

Seit rund einem Jahr sprechen die USA mit hochrangigen Vertretern der Taliban über eine politische Lösung des langjährigen Konflikts. Dabei geht es vor allem um Truppenabzüge und Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Hafen für Terroristen wird.

Beide Seiten hatten sich jüngst optimistisch gezeigt, bald zu einer Einigung zu kommen. Diese würde den Weg zu innerafghanischen Gesprächen über Frieden öffnen, hiess es vonseiten der Taliban. (sda/dpa)

Meist gelesene Artikel

BAUEN UR

Auto macht sich selbstständig

GREPPEN

39-Jähriger greift Polizei mit Messer an

In einer weltweit erstmals notfallmässig durchgeführten Operation an einem Kind ersetzten Ärzte des Zürcher Unispitals rund 40 Zentimeter der Aorta durch eine Prothese.
OPERATION

Unispital Zürich führt einzigartige OP durch

STADT ZUG

Streit zwischen Jogger und Autofahrerin: Polizei sucht Zeugen

Der ägyptische Investor Samih Sawiris in seinem Luxushotel "The Chedi" in Andermatt: 2020 soll es jeden Monat schwarze Zahlen schreiben. (Archivbild)
TOURISMUS

Samih Sawiris Hotel rentiert immer besser

Für US-Regierungskreise verdichten sich die Anzeichen, dass der Angriff auf saudiarabische Öl-Anlagen von iranischem Boden aus erfolgte.
SAUDI-ARABIEN

Marschflugkörper aus Iran auf Ölanlagen

ZUG

Oberägeri: Rega-Einsatz nach Jagdunfall

URI

Ex-Gardist übernachtet in Erstfeld

Bei einer Kontrolle in St. Maurice hat die Kantonspolizei Wallis einen polnischen Reisecar aus dem Verkehr gezogen. Der Fahrer verfügte über keinen gültigen Führerschein und verstiess gegen das Kabotageverbot.
VERKEHRSDELIKT

Buschauffeur ohne Permis im Wallis unterwegs

Mehr als 300 Touristen sitzen wegen schlechten Wetters seit fünf Tagen in einem kleinen Dorf in der Nähe des Mount Everests fest. Die meisten Flüge des nahe gelegenen Flughafens in Lukla sind gestrichen worden. (Archivbild)
NEPAL

300 Touristen sitzen beim Mount Everest fest

Zur klassischen Ansicht wechseln