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14.01.2020 03:36

Luftfahrtbehörde schickt Experten nach Iran

  • Internationale Experten sollen in der Islamischen Republik Iran die jüngste Flugzeugtragödie mit einer abgeschossenen Boeing untersuchen. (Archivbild)
    Internationale Experten sollen in der Islamischen Republik Iran die jüngste Flugzeugtragödie mit einer abgeschossenen Boeing untersuchen. (Archivbild) | KEYSTONE/EPA/AT GT
IRAN ⋅ Die Internationale Zivilluftfahrtbehörde (ICAO) unterstützt die Untersuchungen zum folgenschweren Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs im Iran. Dies gab die im kanadischen Montréal sitzende Organisation am Montagabend (Ortszeit) bekannt.

Die Behörde habe eine Einladung der iranischen Regierung angenommen und Sachverständige benannt, die als Berater und Beobachter fungieren sollen, hiess es in der knappen Mitteilung weiter.

Kanadische Ermittler werden im Iran zudem wohl Zugang zum Wrack und den Flugschreibern des abgeschossenen Passagierflugzeugs erhalten. Dies sehe die iranische Einladung an Kanada zur Teilnahme an der Untersuchung vor, sagte die Chefin der kanadischen Verkehrssicherheitsbehörde TSB, Kathy Fox, am Montag (Ortszeit) in Ottawa. Es gebe Anzeichen dafür, dass der Iran ihrer Behörde eine "aktivere Rolle" zugestehen wolle, als normalerweise vorgesehen ist, führte sie weiter aus. Zwei kanadische Ermittler wurden in Kürze in Teheran erwartet. Zwei weitere sollen in den nächsten Tagen oder Wochen dorthin reisen.

Derweil wurden im Iran mehrere Personen staatlichen Angaben zufolge wegen ihrer Rolle bei dem Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs festgenommen. Details nannte Justizsprecher Gholamhossein Esmaili nicht.

Präsident Hassan Ruhani sagte in einer TV-Ansprache, alle Verantwortlichen würden bestraft. "Das war ein unverzeihlicher Fehler." Es sei ein "guter erster Schritt", dass die Streitkräfte ihren Fehler zugegeben hätten. Es handle sich um ein "tragisches Ereignis", das genau untersucht werde. Seine Regierung sei den Iranern und anderen Nationen, die bei dem Absturz Todesopfer zu beklagen hatten, zur Rechenschaft verpflichtet.

Irrtümlicher Abschuss

Bei dem Abschuss der Linienmaschine inmitten des eskalierenden Konflikts zwischen den USA und dem Iran waren am vergangenen Mittwoch nahe Teheran alle 176 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Das iranische Militär räumte erst am Samstag den irrtümlichen Abschuss der Boeing 737 der Fluggesellschaft Ukraine International Airlines ein. Zuvor hatten die iranischen Behörden einen technischen Defekt als angebliche Absturzursache angeführt. Der verheerende Zwischenfall trieb in Teheran tausende Menschen zu regierungskritischen Protesten auf die Strassen.

Die iranische Luftfahrtbehörde beruft sich bei ihrer Untersuchung auf Annex 13 des Chicagoer Abkommens der ICAO, dem der Iran 1950 beigetreten ist. Das Land, in dem der Absturz passierte, leitet die Untersuchung. Mehrere ausländische Expertenteams, auch eines von Boeing, wurden nach Teheran eingeladen, um zusammen mit iranischen und ukrainischen Experten die Flugschreiber der Maschine zu untersuchen. Am Freitag begannen die Ermittlungen.

In der Regel werden bei solchen Untersuchungen Teams aus Ländern beteiligt, in denen das betroffene Flugzeug gebaut und registriert wurde sowie aus Ländern, aus denen viele der Opfer kommen. Die ICAO nimmt normalerweise nicht an derartigen Untersuchungen teil, kann aber als Beobachter hinzugezogen werden.

Entschädigungen für Familien

Am Donnerstag soll in London zudem ein erstes Koordinationstreffen der Aussenminister von Staaten stattfinden, aus denen bei dem Absturz Menschen ums Leben kamen. Teilnehmen werden die Chefdiplomaten aus Afghanistan, Grossbritannien, Kanada, Schweden und der Ukraine, wie der kanadische Aussenminister Francois-Philippe Champagne mitteilte.

Ziel des Treffens sei es, den Druck auf den Iran aufrechtzuerhalten, damit das Land den ausländischen Ermittlern vollen Zugang zu Beweismaterial gewähre und die Untersuchung transparent führe, schrieb Champagne im Internetdienst Twitter. Auch werden die Aussenminister nach seinen Angaben über die angestrebten Entschädigungen für die Familien der Opfer beraten. (sda/dpa/afp/reu)

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