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20.08.2019 02:34

US-Militär testet Marschflugkörper

  • Das US-Militär hat am Sonntag zum ersten Mal seit dem Ende des INF-Abrüstungsvertrags einen konventionellen landgestützten Marschflugkörper getestet.  Der Test wäre laut INF-Vertrag verboten gewesen. (Foto: Scott Howe/U.S. Defense Department via AP Keystone)
    Das US-Militär hat am Sonntag zum ersten Mal seit dem Ende des INF-Abrüstungsvertrags einen konventionellen landgestützten Marschflugkörper getestet. Der Test wäre laut INF-Vertrag verboten gewesen. (Foto: Scott Howe/U.S. Defense Department via AP Keystone) | KEYSTONE/AP U.S. Defense Department/SCOTT HOWE
USA ⋅ Erstmals nach dem Ende des INF-Abrüstungsvertrags zwischen Russland und den USA hat das amerikanische Militär nach eigenen Angaben einen konventionellen landgestützten Marschflugkörper getestet.

Er sei am Sonntag von der Insel San Nicolas in Kalifornien abgefeuert worden und habe sein Ziel nach mehr als 500 Kilometern Flug präzise erreicht, teilte das Pentagon am Montag mit. Die gewonnenen Daten und Erkenntnisse würden nun in die Entwicklung zukünftiger Mittelstreckenkapazitäten fliessen, hiess es weiter.

Der Test wäre nach dem INF-Vertrag verboten gewesen. Die Vereinbarung untersagte den ehemaligen Vertragspartnern USA und Russland die Produktion, Tests und Besitz von bodengestützten ballistischen Raketen und Marschflugkörpern mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern.

Der US-Sender ABC News berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, bei dem Marschflugkörper habe es sich um eine Tomahawk-Variante gehandelt.

INF-Vertrag gekündigt

Die USA hatten den INF-Vertrag Anfang Februar mit Rückendeckung der Nato-Partner zum 2. August gekündigt, weil sie davon ausgehen, dass Russland ihn seit Jahren mit einem Mittelstreckensystem namens SSC-8 (Russisch: 9M729) verletzt.

Dieses soll in der Lage sein, Marschflugkörper abzufeuern, die sich mit Atomsprengköpfen bestücken lassen und mehr als 2000 Kilometer weit fliegen können. Moskau weist dies zurück, beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld für die Eskalation.

Das Pentagon hatte den Test bereits im März angekündigt, sollte Russland nicht zur Vertragstreue zurückkehren. Die "Washington Post" schrieb zu dieser Zeit, für November sei zudem der Test einer Mittelstreckenrakete mit einer Reichweite von etwa 1800 bis 2500 Meilen (rund 2900 bis 4000 Kilometer) geplant.

"Wettrüsten in vollem Gange"

Die Umweltorganisation Greenpeace erklärte, mit dem Test sei das atomare Wettrüsten in vollem Gange. "Europa muss jetzt zusammen stehen und unmissverständlich klar machen, dass keine Atomwaffen hier stationiert werden dürfen", erklärte Sprecher Christoph von Lieven.

Das Ende des INF-Vertrags hat weltweit Sorgen vor einem neuen Wettrüsten geschürt. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, die USA würden nun mit der Entwicklung eines Mittelstreckenraketensystems voranschreiten würden. Das Pentagon hatte bereits 2017 die Grundlage dafür gelegt.

Das System soll nach derzeitiger Planung ausschliesslich mit konventionellen - das heisst nicht-atomaren - Sprengköpfen eingesetzt werden. Ob es dabei bleibt, ist allerdings unklar.

Militärexperten weisen darauf hin, dass sich solche Planungen schnell ändern liessen. Russland hat angekündigt, man werde mit dem Start von Arbeiten an neuen, landgestützten Hyperschall-Mittelstreckenraketen auf das Aus für den INF-Vertrag reagieren. (sda/dpa)

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