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22.02.2021 16:22

"Nachtgestalten": hintersinnige Grahic Novel

  • Zwei Männer auf einer nächtlichen Wanderung von Kneipe zu Kneipe: die Bilder reduziert auf das Wesentliche, der Text von unterschwelliger Traurigkeit.
    Zwei Männer auf einer nächtlichen Wanderung von Kneipe zu Kneipe: die Bilder reduziert auf das Wesentliche, der Text von unterschwelliger Traurigkeit. | Handout: Luchterhand Verlag
LITERATUR ⋅ Bier verbindet und lockert die Zunge. Die Graphic Novel "Nachtgestalten" von Jaroslav Rudi? und Nicolas Mahler begleitet zwei Männer durch die Nacht, auf der Suche nach einer offenen Kneipe. Ein abgründig-hintersinniges Vergnügen.

Zwei Männer, ein Dünner und ein Dicker, gehen unter einem hellen klaren Mond durch die dunkle Stadt. Der eine redet, der andere hört zu, und wo immer sich ein helles Fensterlicht abzeichnet, treten sie ein, auf ein Bier oder zwei.

"Nachtgestalten" ist eine wunderbar schlichte Graphic Novel. Die beiden Freunde reden über das Leben und über Hana, die sie beide nicht bekommen haben. Doch es gebe Hoffnung, wirft der Dünne auf einmal ein. Er wolle ein Wisent werden, wie ein solches einsam durch die Wälder streifen, denn Wisente wüssten, wie das Leben läuft. Hinter der Komik lauert der Abgrund. Der Dünne mag ja gar keine Natur.

Zwei Autoren finden einander

Zwei ebenso umtriebige wie subtile Autoren finden hier zusammen. Auf der einen Seite Nicolas Mahler, der in der NZZ am Sonntag jeweils einen listigen "Schluss-Strich" unter die Woche zieht und mehrfach mit kongenialen Comic-Adaptionen von Romanen wie "Ulysses" brilliert hat.

Auf der anderen der zweisprachige Jaroslav Rudi?, der in seinem letzten Roman "Winterbergs letzte Reise" (2019) eine tiefe Faszination für die Geschichte seiner böhmischen Heimat offenbart hat. Davon ist auch der Dünne betroffen, der traurig gesteht: "Die Geschichte macht mich fertig." Er kann die Grausamkeiten des Holocaust nicht vergessen, dem seine Grosseltern zum Opfer fielen.

Rudi? und Mahler erzählen von den beiden Nachtgestalten mit feiner Zurückhaltung. Mahlers Bilder variieren eine gleichförmige Szenerie mit feinsten Mitteln und unscheinbaren Details. Und Rudi? setzt ein Zwiegespräch dazu, das trotz seines Witzes unterschwellig von einer tiefen Traurigkeit zeugt.*

*Dieser Text von Beat Mazenauer, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert. (sda)

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