Panorama
Lade Login-Box.
10.06.2021 20:00

Lauf der Chamoli-Katastrophe entschlüsselt

  • Ein schwer beschädigtes Wasserkraftwerk nach der verheerenden Naturkatastrophe am 7. Februar 2021. Die Schlammlawine zerstörte nicht nur Infrastruktur, sondern kostete auch hunderten Menschen das Leben. (Handout Science)
    Ein schwer beschädigtes Wasserkraftwerk nach der verheerenden Naturkatastrophe am 7. Februar 2021. Die Schlammlawine zerstörte nicht nur Infrastruktur, sondern kostete auch hunderten Menschen das Leben. (Handout Science) | Irfan Rashid, Department of Geoinformatics, University of Kashmir
NATURKATASTROPHEN ⋅ Kurz vor Morgendämmerung donnerte am 7. Februar 2021 eine riesige Fels- und Eislawine die steile Nordwand des Ronti Peak im westlichen Himalaya hinunter und setzte eine verheerende Kaskade in Gang. Forschende haben das todbringende Ereignis nachgezeichnet.

Die Lawine, die sich am 6063 Meter hohen Ronti Peak im westlichen Himalaya im Chamoli Distrikt des indischen Bundesstaats Uttarakhand gelöst hatte, enthielt fast 27 Millionen Kubikmeter Gestein und Eis eines Hängegletschers. Als die Lawine das Tal hinunterbretterte, schmolz durch Reibungswärme fast das gesamte gefrorene Wasser. Dadurch verwandelte sich die Naturgewalt in einen mächtigen Murgang, der riesige Felsbrocken mit sich riss.

Die Folge: Eine Spur der Verwüstung mit zwei schwer beschädigten Wasserkraftwerken. Mehr als 200 Menschen verloren ihr Leben oder werden vermisst, die meisten von ihnen waren Arbeiter der Kraftwerke.

Unmittelbarer Start der Analysen

Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Uni und ETH Zürich sowie der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zeichnete den Hergang dieser Katastrophe akribisch nach. Die Rekonstruktion erschien im Fachmagazin "Science".

Für die Untersuchung griffen die Forschenden auf Satellitenbilder, digitale Geländemodelle, seismische Daten, Videoaufnahmen von Augenzeugen und Computermodellierungen zurück. Noch am Tag der Katastrophe begannen sie mit den Auswertungen.

Basierend auf ihren Erkenntnissen identifizierten die Forschenden drei Hauptgründe für die verheerenden Auswirkungen: Die ausserordentliche Höhe, von der sich die Lawine löste, das Verhältnis von Eis und Gestein darin und die unglückliche Lage der Wasserkraft-Infrastruktur.

Selten, aber wohl nicht einzigartig

"Chamoli war ein seltenes Extremereignis", liess sich der Geograph und Mitautor Holger Frey von der Uni Zürich in deren Mitteilung zitieren. "Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die nächste Flutwelle dieser Grössenordnung irgendwo im Himalaya ereignet."

Zwar lässt sich das verheerende Naturereignis laut den Autoren nicht direkt auf den Klimawandel zurückführen. Die potenziell häufiger werdenden Hanginstabilitäten im Hochgebirge könnten aber mit der Erwärmung und den damit verbundenen Veränderungen der Gletscher und des Permafrosts zusammenhängen.

Um Menschenleben und Vermögenswerte künftig besser zu schützen, brauche es bei der Planung von Wasserkraftprojekten eine enge Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Behörden, privaten Unternehmen, der lokalen Bevölkerung und der Wissenschaft.

science.sciencemag.org (sda)

Meist gelesene Artikel

URI

Altdorferin wird «Miss Seelewärmerli»

URI

Die Dampfbahn über die Furka fährt ab Ende Juni wieder

Im Belchentunnel hat am späten Mittwochabend ein Lastwagen gebrannt. (Archivbild)
UNFALL

Keine Verletzten bei Lastwagenbrand

LUZERN

Lehrmeister wegen sexueller Nötigung verurteilt

Vladimir Petkovic musste gegen Italien an der Seitenlinie leiden
ITALIEN - SCHWEIZ

"Das ist normalerweise nicht unsere Art"

Der Solothurner Künstler Schang Hutter wollte mit seinen Werken der Verletzlichkeit Raum geben. (Archivbild)
KULTUR

Solothurner Künstler Schang Hutter ist tot

ZUG

Ortsplanungsrevision: Bewährtes stärken – Chancen nutzen

Auch Yann Sommer blieb für einmal nicht ohne Fehler
ITALIEN - SCHWEIZ

Xhaka: "Nun müssen wir eine Reaktion zeigen"

ARCHIV - Der Ex-Berater des britischen Premierministers  Johnson, Dominic Cummings. (Archivbild) Foto: Jonathan Brady/PA Wire/dpa
GROSSBRITANNIEN

Erneut schwere Vorwürfe gegen Boris Johnson

Abgase im Zürcher Abendverkehr. Die Luft in der Limmatstadt ist freilich besser als ihr Ruf: Auf der europäischen Qualitäts-Hitparade erreicht sie Rang 54 von 323. Nur mittelmässig ist die Luft dagegen  in Lugano. Die dortige Feinstaubbelastung dürfte zum Teil aus Norditalien stammen (Symbolbild).
LUFTVERSCHMUTZUNG

Gute Luft in Zürich

Zur klassischen Ansicht wechseln