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24.04.2019 09:54

Mars-Sonde zeichnet erstmals Marsbeben auf

  • Das Seismometer auf der Marsoberfläche ist durch einen Schutzschild vor Marswinden geschützt. (Archivbild)
    Das Seismometer auf der Marsoberfläche ist durch einen Schutzschild vor Marswinden geschützt. (Archivbild) | KEYSTONE/AP NASA/JPL-Caltech
RAUMFAHRT ⋅ Das Seismometer der Mars-Sonde "Insight" hat wohl erstmals ein Beben des Roten Planeten aufgezeichnet. Das schwache Signal wurde am 6. April und damit am 128. Tag des Roboters auf dem Planeten aufgezeichnet.

Das aufgenommene Zittern scheine eher aus dem Innern des Mars zu kommen als von Kräften auf seiner Oberfläche wie Wind zu stammen, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Dienstag (Ortszeit) mit. Forschende der ETH Zürich, die das Seismometer massgeblich mit entwickelt haben und an der Auswertung der Daten beteiligt sind, deuten die Erschütterungen daher als mögliches Marsbeben, wie die ETH am Mittwoch mitteilte.

Experten sprechen von einem Meilenstein, der die seismische Aktivität des Mars bestätige. "Wir haben bisher Hintergrundgeräusche gesammelt, doch dieses Ereignis markiert offiziell den Beginn eines neuen Forschungsfeldes: Der Erdbebenkunde des Mars!", sagte "Insight"-Experte Bruce Banerdt. "Wir haben seit Monaten auf ein Signal wie dieses gewartet", freute sich Philippe Lognonne, ein Erdbebenspezialist am französischen Physikinstitut Institut de Physique du Globe de Paris (IPGP). "Es ist so aufregend, endlich einen Beweis zu haben, dass der Mars immer noch seismisch aktiv ist."

Die schwachen Signale konnten nur aufgefangen werden, weil das Seismometer viel sensitiver funktioniere als man erwartet habe, so John Clinton von der ETH Zürich auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. "Wir können nun hoffen weitere, hoffentlich grössere Ereignisse im Laufe unserer Mission aufzuzeichnen." Weitere Erschütterungen unterschiedlicher Stärke werden helfen, die Quelle der Signale genauer zu identifizieren und den Mars und sein Innenleben besser zu verstehen.

Ähnlichkeit mit Mondbeben

Überraschend an den aufgezeichneten Signalen ist, dass Marsbeben eher Mond- als Erdbeben zu ähneln scheinen, schrieb die ETH. "Bisher sind wir davon ausgegangen, dass die Kruste des Mars eher ähnlich wie die Erdkruste ist", liess sich Simon Stähler von der ETH zitieren, der am neuen Marsbebendienst der Hochschule beteiligt ist.

Die Erdkruste besteht aus verfestigtem Gestein, die Mondkruste ist hingegen aufgrund fortlaufender Meteoriteneinschläge stark zerklüftet. "Dass die Wellenform der Marsbeben den Mondbeben ähneln, gibt uns erstmals ein Bild darüber, wie die Marskruste im Inneren aufgebaut ist, während wir bisher nur von aussen drauf schauen konnten", so Stähler.

Mit zahlreichen wissenschaftlichen Instrumenten soll "Insight" für mindestens zwei Jahre das Innere des Mars erforschen und dabei vor allem mehr über dessen Aufbau und die Dynamik unter seiner Oberfläche in Erfahrung bringen. "Insight" ("Interior Exploration using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport") ist ein 360 Kilogramm schwerer Roboter, der nicht rollt, sondern an einem Ort bleibt. Im Dezember hatten zwei Sensoren der Sonde laut Nasa Geräusche von Winden auf dem Roten Planeten eingefangen. Die "Insight"-Mission kostet rund 650 Millionen Euro.

youtu.be (sda/dpa)

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