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11.10.2018 11:15

Besatzung überlebt Sojus-Notlandung

  • Wohlauf: US-Astronaut Nick Hague wird bei seiner Ankunft am Flughafen von Baikonur umarmt. In der Bildmitte sein russischer Kollege Alexej Owtschinin.
    Wohlauf: US-Astronaut Nick Hague wird bei seiner Ankunft am Flughafen von Baikonur umarmt. In der Bildmitte sein russischer Kollege Alexej Owtschinin. | KEYSTONE/EPA ROSCOSMOS/ROSCOSMOS / HANDOUT
RAUMFAHRT ⋅ Zwei Astronauten haben den ersten Fehlstart einer russischen Sojus-Rakete seit Jahrzehnten dank einer Notlandung überlebt: der russische Kosmonaut Alexej Owtschinin und sein US-Kollege Nick Hague.

Retter bargen die beiden am Donnerstag aus ihrer Kapsel, die an Fallschirmen nahe der Stadt Dscheskasgan im Zentrum Kasachstans niedergegangen war. Nasa-Chef Jim Bridenstine schrieb auf Twitter, beide seien in einem guten Zustand. Die Trägerrakete hatte sich 119 Sekunden nach dem Start vom Weltraumbahnhof Baikonur wegen technischer Probleme abgeschaltet und aufgelöst.

Auf der Internationalen Raumstation ISS bleiben Kommandant Alexander Gerst aus Deutschland und seine Kollegen nun zunächst ohne neue Kollegen. Gerst zeigte sich erleichtert, dass der Fehlstart für die Besatzung vergleichsweise glimpflich ausging. "Schön, dass es unseren Freunden gut geht", schrieb er einige Stunden nach dem Vorfall auf Twitter. "Raumfahrt ist schwer", ergänzte er. Die Mühen seien aber wichtig für das Wohl der Menschheit.

Nächster Start im Dezember

Russische Raumfahrtexperten zeigten sich nach dem Vorfall zuversichtlich, dass der nächste Start zur ISS im Dezember stattfinden könne. Eine Rückkehr der jetzigen Crew zur Erde kann nicht ewig hinausgezögert werden, weil Sojus-Kapseln aus Sicherheitsgründen, vor allem wegen des Treibstoffs, nur rund sechs Monate an der ISS angedockt bleiben sollen. Gerst ist seit Anfang Juni im All.

Für die russische Raumfahrt ist der Unfall ein schwerer Rückschlag. Er kommt auch zu einer Zeit, in der das sonst gute Verhältnis zu den US-Kollegen gespannt ist. Der neue Nasa-Chef Jim Bridenstine verfolgte den Start von Baikonur aus und vereinbarte mit den Russen eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Die USA hatten ihr Space-Shuttle-Programm im Jahr 2011 eingestellt. US-Astronauten können seither nur noch mit der Sojus zur ISS gelangen.

Bemannte Sojus-Starts wurden nach dem Fehlschlag ausgesetzt. "In einer solchen Situation gibt es vorerst keine weiteren Starts, bis die Ursache endgültig geklärt worden ist", sagte der für Raumfahrt zuständige Vizeregierungschef Juri Borissow. Zur Ursachenforschung wurde eine Kommission eingerichtet. "Anderseits hat sich gezeigt, dass die Notfall- und Rettungssysteme funktionieren, und das ist sehr wichtig", sagte Borissow der Agentur Interfax zufolge.

Sojus als Arbeitspferd der Raumfahrt

Die Sojus-Trägerrakete, eigentlich das bewährte Arbeitspferd der russischen Weltraumfahrt, hatte um 14.40 Uhr Ortszeit (10.40 Uhr MESZ) in Baikonur abgehoben. Nach vorläufigen Angaben von Experten traten schon beim Brennen der ersten Raketenstufe Probleme auf. Die Nasa sprach von einer "Anomalie" an der Stufe. Deswegen zündete die zweite Stufe nicht, sondern die Rakete löste sich auf.

Die Kapsel "Sojus-MS10" mit Owtschinin und Hague ging in eine flachere Flugbahn über. Es folgten bange Minuten bis zur Notlandung etwa 400 Kilometer vom Startpunkt entfernt. "Die Besatzung ist gelandet. Alle leben", gab schliesslich Dmitri Rogosin, Leiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, auf Twitter Entwarnung. Owtschinin und Hague wurden nach Baikonur geflogen. Sie sollten bis Freitagmorgen im Krankenhaus bleiben.

Die Suche nach den Raketenteilen dauerte indes an. Laut russischen Behörden richteten sie aber keine Schäden an Gebäuden an. Ein ähnlicher Unfall beim Start hatte sich zuletzt 1975 ereignet. (sda/afp/dpa)

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