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10.06.2021 17:59

Asbest im Abbruchmaterial: Macello-Abbruch war nicht bewilligt

  • Seit dem Abbruch ihres Zentrums Ex-Macello stehen in Lugano Autonome und Polizei auf Kriegsfuss. (Archivbild)  (Keystone)
SCHWEIZ [NEWS SERVICE] ⋅ Im Schutt des über Nacht abgerissenen autonomen Zentrums wurde Asbest gefunden: Der Abriss des Gebäudes sei nicht bewilligt gewesen, räumt nun der Stadtrat ein.

Gerhard Lob

Die Diskussionen um die Räumung und den Abbruch des autonomen und selbstverwalteten Zentrums CSOA in Lugano (ein Teil des ehemaligen Schlachthofs Ex-Macello) haben auch in der zweiten Woche nach den umstrittenen Ereignissen zu intensiven Debatten geführt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag (29./30.Mai) hatte die rechts-populistische Mehrheit im Stadtrat den nächtlichen Polizeieinsatz gutgeheissen. Bagger hatten das Zentrum – einen Teil des ehemaligen Schlachthofs – in einer Nacht- und Nebelaktion abgerissen, allerdings ohne richterlichen Beschluss, deshalb hat auch die Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung eingeleitet.

Lange haben die Stadtbehörden Lugano geschwiegen. Heute Donnerstag hat sich der Stadtrat erstmals in einer Medienmitteilung an die Öffentlichkeit gewandt. In dieser wird eine in den letzten Tagen kursierende These bestätigt, wonach in der besagten Nacht um 21.30 Uhr aus Sicherheitszwecken einzig der Abbruch des Dachs bewilligt worden war. Von einem Abriss des ganzen Gebäudes sei nie die Rede gewesen, darüber auch nie im Vorfeld gesprochen worden. Dies bedeutet aber umgekehrt, dass die Polizei und die Einsatzkräfte eigenwillig vorgegangen sind. Der Stadtrat hat nun eine interne Untersuchung eröffnet, um die Vorgänge zu klären. Diese soll komplementär zur Strafuntersuchung sein.

Die Staatsanwaltschaft hatte das Abbruchmaterial beschlagnahmt und das Gelände zu Ermittlungszwecken versiegelt, nachdem Anzeigen erstattet worden waren. Heute teilte die Ermittlungsbehörde mit, dass einzig in einigen der Baumaterialien äusserst geringe Spuren von Asbest gefunden worden seien. Die Untersuchung werde aufzeigen, ob möglicherweise Personen gefährdet wurde.

Grosser Druck der Öffentlichkeit

Der Stadtrat teilte seinerseits mit, dass er einem neuen autonomen Zentrum wohl gesonnen sei, insofern sich die Personen an die Gesetze hielten. Ungesetzliches Verhalten werde auch in Zukunft nicht toleriert. Zudem wird ein Teilareal eines ehemaligen Klärwerks in Lugano Cadro als neuer Standort vorgeschlagen. Für allfällige Gespräche mit der autonomen Szene wird die Figur eines Mediators begrüsst.

Der Schritt des Stadtrats erfolgt unter grossem Druck der Öffentlichkeit. Am vergangenen Samstag hatten rund 2000 Personen friedlich für die Anliegen der Selbstverwaltung und gegen das Vorgehen der Stadtverwaltung protestiert. Eine bunte Demo dieser Grösse sieht man in Lugano selten. Viele junge Menschen, aber auch Familien und Senioren marschierten mit.

Als möglicher Mediator hat sich Boas Erez ins Spiel gebracht. Der Rektor der Universität der italienischen Schweiz (USI) hat einen guten Draht zu den Jungen, ist aber gleichzeitig im Establishment verankert. Die Autonomen hatten sich bisher geweigert, direkt mit den Stadtbehörden zu sprechen.

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