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13.01.2022 17:23

Mehr Offenheit und Gleichberechtigung: Gläubige wünschen sich progressive Kirche

  • Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Befragung des Bistum Basel fühlen sich von der kirchlichen Obrigkeit nicht verstanden oder nicht gehört. (Keystone)
SCHWEIZ [NEWS SERVICE] ⋅ In einer gross angelegten Aktion will Papst Franziskus den Puls der Gläubigen fühlen und so über die Kirche der Zukunft sprechen. Nun liegen die Ergebnisse aus dem Bistum Basel vor.

Michael Graber

Es werde «ein grosser Graben» ersichtlich zwischen der katholischen Kirche als Organisation und der Basis der Gläubigen. Zu diesem Schluss kommt das Forschungsinstitut gfs.Bern nach einer grossen Umfrage im Bistum Basel. Angeregt hat diese Gesprächsrunde der, zumindest dem Titel nach, «oberste Brückenbauer»: Der Pontifex Maximus, Papst Franziskus. Dieser will den Puls der Gläubigen spüren und schliesslich an der Synode 2023 über die Zukunft der Kirche diskutieren. Die Befragungen finden rund um den Globus statt.

Die Ergebnisse aus dem Bistum Basel weisen nun tatsächlich einen erhöhten Brückenbedarf aus. Es ist der altbekannte Konflikt zwischen progressiver Basis und konservativen Strukturen. «An der Basis wird der Glauben häufig viel stärker so gelebt, wie es den heutigen Lebensrealitäten und Wünschen der Gläubigen entspricht», schlussfolgert der Bericht von gfs.Bern. Dies stehe aber «immer wieder auch im Widerspruch zur geltenden Doktrin.»

Viele fühlen sich vom eigenen Bistum nicht wahrgenommen

In nackten Zahlen ausgedrückt, stellen die knapp 5400 Personen, die in Dialoggruppen zusammenkamen, der Kirche kein gutes Zeugnis aus. 77 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Frauen in der katholischen Kirche nicht die gleichen Rechte erhalten wie Männer. «Über 60 Prozent sehen LGBTQI+-Menschen und Geschiedene als aussen vorgelassen», heisst es im Bericht.

Deutlich sind auch die Zahlen dazu, wie sich die Befragten von den Amtsträgern gehört fühlen. 65 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie sich von Führungspersonen im Bistum nicht wahrgenommen oder nicht verstanden fühlen. Damit steht das Bistum schlechter da als der Papst. Von diesem fühlen sich 46 Prozent unverstanden oder ungehört. Es sei «eine gewisse Frustration ersichtlich, weil sich die Gläubigen durch die fehlende Reflexion und Handlung von Seiten der Kirche nicht ernst genommen fühlen».

Als «die brennenden Themen» benennt der Bericht «die Gleichstellung von Mann und Frau, die Akzeptanz von LGBTQI+-Menschen, die Auflösung der Zölibatspflicht, die Zulassung von Frauen und verheirateten Männern zum Priesteramt sowie die Sexualmoral». Allesamt Dauerbrenner im kirchlichen Diskurs. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Dialoggruppen hätten «die Vorstellung und den Wunsch einer Kirche, die sehr offen und einladend ist». Dieser Kampf wird seit Jahrzehnten ausgefochten.

Es gibt auch bewahrende Kreise

Dementsprechend ist auch eine Mehrheit der Befragten der Meinung, «dass viele in den vergangenen Jahren enttäuschende oder verletzende Erfahrungen mit der Kirche gemacht haben und zu müde geworden sind für einen Dialog.» Den progressiven Kräften stehen aber auch innerhalb der Basis solche gegenüber, die nichts von grosser Öffnung wissen wollen. Es gebe «ganz klar auch Stimmen, die sich wieder eine stärkere Rückbesinnung auf traditionelle Werte und Normen wünschen. Und für viele ist es zunehmend so, dass sie sich als gläubige und bekennende Katholiken selber marginalisiert fühlen», schreibt gfs.Bern.

Die jetzige Befragung ist nun tatsächlich ein Dialogangebot der Kirche. Zumal sie sich nicht vor heiklen Fragen scheute. Allerdings wurden ganz konkrete Fragen zu den umstrittensten Punkten nicht gestellt. Durch eher offene Formulierungen liessen die Kirchen aber zumindest Raum, dass sich die Befragten auch dazu äussern konnten. Der Fragenkatalog wurde aus dem Vatikan vorgegeben, konnte aber von den Bistümern entsprechend adaptiert werden. «Es ist Zeit, dass sich etwas ändert. Ich wünsche mir, dass wir einen Schritt weitergehen – vielleicht auch zwei», sagte Felix Gmür, der Bischof von Basel, beim Start. Das klingt nicht nach grossen Brücken, die da gebaut werden sollen. Aber vielleicht nach einem Steg. Auch so kommt man über Gräben.

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