Wirtschaft
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23.05.2020 05:09

Gübelin entlässt Kader – wegen Coronakrise

  • Das Gübelin-Geschäft am Luzerner Schwanenplatz. (Bild: Manuela Jans-Koch (15. Mai 2020))
  • Raphael Gübelin.
WIRTSCHAFT ⋅ Der Luzerner Schmuck- und Uhrenhändler Gübelin muss wegen der Coronakrise die Kosten runterfahren: Angestellte sollen ihr Pensum im Schnitt um 20 Prozent reduzieren. Wer es nicht tut, habe nichts zu befürchten, versichert Präsident Raphael Gübelin.

Maurizio Minetti

Maurizio Minetti

Die Coronakrise hat die globale Luxusbranche arg in Mitleidenschaft gezogen. Laut einer Studie bricht das weltweite Geschäft mit Luxusgütern dieses Jahr voraussichtlich um bis zu 35 Prozent ein. Von den massiven Umsatzrückgängen dürfte sich der Markt frühestens 2022 erholen. Diese Unsicherheit ist auch in Luzern zu spüren, wo viele Händler angesiedelt sind. Zwar konnten am 11. Mai die Boutiquen in der Stadt wieder öffnen, doch etliche halten an Kurzarbeit fest und stehen vor einer ungewissen Zeit.

Dass die Branche kaum an eine schnelle Erholung glaubt, zeigt sich daran, dass einer der wichtigsten Player in Luzern zu drastischen Massnahmen greift, um die Kosten zu reduzieren: Der Schmuck- und Uhrenhändler Gübelin hat vor wenigen Tagen die gesamte Schweizer Belegschaft angehalten, ihr Arbeitspensum im Schnitt um 20 Prozent zu reduzieren. Präsident Raphael Gübelin bestätigt die Massnahme auf Anfrage unserer Zeitung. «Die Pensenreduktion ist ein Akt der Solidarität, es wird niemand gezwungen», betont der Chef des traditionsreichen Familienbetriebs. Allerdings sind gleichzeitig auch sieben Führungskräfte entlassen worden – ihre Stelle wird nicht ersetzt. «Wir haben gewisse Managementaufgaben gestrichen, um die Hierarchie zu verflachen und künftig schneller agieren zu können.»

Positive Signale aus der Belegschaft

Die Angestellten verstünden die schwierige Situation, in der sich die Branche befinde, glaubt Gübelin. Darum habe «ein grosser Teil» der Belegschaft die Pensenreduktion positiv aufgenommen. «Unsere Mitarbeitenden sind sehr solidarisch. Es gibt Mitarbeitende, welche die Zeit etwa für eine Weiterbildung nutzen, aber es gibt auch solche, die nicht weniger arbeiten können, und das ist auch in Ordnung so.» Wer sein Pensum nicht reduziere, habe nichts zu befürchten, versichert der 43-Jährige.

Gübelin ist mit einem geschätzten Umsatz von rund 250 Millionen Franken und sieben Schweizer Boutiquen an den besten Adressen einer der grössten Schmuck- und Uhrenhändler hierzulande. Inhaber Raphael Gübelin äussert sich nicht zu den Zahlen, aber er bestätigt, dass das Unternehmen grundsätzlich finanziell auf soliden Beinen steht. War es vor diesem Hintergrund wirklich nötig, die Belegschaft um Solidarität zu bitten? Hätte Gübelin nicht dank der eigenen Substanz die Krise meistern können? Der Stadtluzerner sagt dazu:

«Die Krise betrifft die weltweite Wirtschaft und ist äusserst komplex. Niemand weiss, wie lange sie anhält, und deshalb handeln wir aktiv und rechtzeitig, um die über 165-jährige Geschichte des Hauses fortzuschreiben und Arbeitsplätze zu sichern.»

Situation wird spätestens Ende Jahr erneut analysiert

Gübelin hat einen Teil der insgesamt rund 200 Schweizer Angestellten bereits im März auf Kurzarbeit gesetzt. «Dies ist ein gutes Mittel, um kurzfristige Nachfrageeinbrüche zu überbrücken, aber ich denke nicht, dass sich die Branche schon dieses Jahr erholen wird», sagt er. «In der Luxusgüterindustrie ist es wichtig, dass die Kunden die Produkte vor Ort anschauen können. Wenn über längere Zeit die Touristen fehlen, wird das die ganze Branche treffen.»

Ob die Pensenreduktion und die Verschlankung des Managements reichen werden, um die Coronakrise zu überwinden, weiss der Firmenchef nicht. «Wir werden die Situation spätestens Ende Jahr erneut analysieren und entscheiden, wie es weitergeht.» Es könne sein, dass bis dann die Pensen wieder erhöht werden können – oder aber dass sich die Situation wegen einer zweiten Ansteckungswelle gar verschlimmert. «Das weiss heute niemand, darum kann ich auch keinen Ausblick geben», so Gübelin. Weitere Entlassungen wolle man auf jeden Fall vermeiden. «Unsere Angestellten sind unser wichtigstes Gut, und daran wird auch diese Krise nichts ändern.»

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