Wirtschaft
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05.08.2020 05:11

Die grosse Entlassungswelle könnte in der Zentralschweiz bald anrollen

  • Die regionalen Arbeitsvermittlungszentren bereiten sich auf steigende Arbeitslosigkeit vor. (Bild: Nadia Schärli (15. März 2016))
WIRTSCHAFT ⋅ In der Region drohen wegen der Coronakrise Massenentlassungen. Vor allem die Kantone Luzern und Zug stehen dabei im Fokus.

Maurizio Minetti

Schindler, Hotelplan, Sulzer, Gate Gourmet, SR Technics: Diverse Grossunternehmen haben in den letzten Tagen und Wochen Entlassungen beschlossen und diese mit der Coronakrise begründet. Der Ebikoner Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler streicht über die nächsten zwei Jahre weltweit 2000 Stellen, davon 200 in der Schweiz. Ein grosser Teil des Abbaus dürfte auf die Luzerner Zentrale abfallen.

Gemeinhin spricht man bei grossen Abbauplänen von einer Massenentlassung. Ob eine solche tatsächlich gegeben ist, hängt aber von diversen Faktoren ab (siehe Box). Tendenziell gilt: Wo es viele Grossunternehmen gibt, ist auch die Chance höher, dass es zu Massenentlassungen kommt. Blickt man auf die Zentralschweiz, gibt es insbesondere in Luzern und Zug viele davon. Deshalb gehen Experten davon aus, dass in diesen Kantonen eine grosse Abbauwelle bevorstehen könnte, sobald die Kurzarbeit nicht mehr greift.

Neuste Zahlen werden am Montag veröffentlicht

Martin Bucherer, Geschäftsfeldleiter der kantonalen Arbeitsbehörde Was Wira Luzern, sagt: «Grundsätzlich stellen wir fest, dass in den letzten Wochen und Monaten vermehrt Anfragen von Unternehmen im Zusammenhang mit Massenentlassungen eingegangen sind.» Die effektiv gemeldeten Massenentlassungen im Kanton Luzern lägen bislang aber im Bereich der Vorjahre, sagt Bucherer.

In diesem Jahr seien seit Mitte März bis dato fünf Firmen mit rund 200 Mitarbeitenden von Entlassungen betroffen. Total seien in diesen fünf Firmen rund 32'000 Mitarbeitende angestellt. Die Entlassungen betreffen 15 bis zirka 70 Mitarbeitende pro Betrieb. Alle diese Unternehmen haben bei Was Wira Luzern ein Konsultationsverfahren eingereicht. Es seien Branchen aus den Bereichen Nahrungsmittel, Industrie, Bau, Gastronomie und Dienstleistung betroffen. Die Gründe für die Entlassungen lägen mehrheitlich bei der Coronakrise und der entsprechend veränderten wirtschaftlichen Situation, erklärt Bucherer.

Auch im Kanton Zug hält sich die Zahl der Massenentlassungen im Rahmen der Vorjahre, sagt Bernhard Neidhart, Leiter des Zuger Amts für Wirtschaft und Arbeit. «Doch glaubt man den Wirtschaftsauguren, dann ist in den kommenden Monaten wahrscheinlich mit einer Zunahme zu rechnen.» Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) führt keine schweizweite Statistik zur Zahl der Massenentlassungen. Das sei auch nicht nötig, sagt Neidhart: «Der bessere Indikator ist die Zahl der Stellensuchenden. Denn Massenentlassungen sind erstens erst ab einem gewissen Schwellenwert als solche definiert und zweitens bedeutet eine Ankündigung einer Massenentlassung erstmal eine Pflicht zu einer Konsultationsphase. So werden längst nicht immer so viele Arbeitnehmende entlassen, wie ursprünglich angekündigt.» Die Arbeitsmarktdaten des Monats Juli wird das Seco am nächsten Montag veröffentlichen.

Luzerner Unternehmen investieren in der Krise

In den anderen vier Zentralschweizer Kantonen gab es bislang überhaupt keine Massenentlassung wegen der Coronakrise, wie es auf Anfrage heisst. Hört man sich in den Arbeitsämtern der Zentralschweiz und in Wirtschaftskreisen um, ist aber oft von einem «unguten Gefühl» die Rede, dass es für einzelne Firmen in den nächsten Monaten womöglich eng werden könnte. Vor allem im Kanton Luzern gibt es viele Grossunternehmen, die schon vor der Coronakrise in einer ungemütlichen Situation waren. Dazu zählen der Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach, der Kabelmaschinenhersteller Komax oder auch die Ruag, die unter der Krise des Grosskunden Airbus leidet.

Mit der Coronakrise verschärft sich die Situation; so soll Schmolz+Bickenbach bereits wieder auf Kapitalsuche sein. Viele Luzerner Grossunternehmen sind zudem vom Tourismus abhängig, der in den letzten Monaten eingebrochen ist.

«Die kommenden Monate bleiben für viele Luzerner Unternehmungen sehr anspruchsvoll», sagt Ivan Buck, Direktor der Wirtschaftsförderung Luzern. Er verweist aber gleichzeitig darauf, dass zahlreiche Unternehmen im Kanton Luzern zurzeit grosse Investitionen planen, wie beispielsweise B.Braun (Sempach), Imbach Logistik (Littau), Schurter (Luzern), Auto AG (Rothenburg), Kistag (Schüpfheim), Lehner Versand (Schenkon) oder Veriset (Root). «Konkret damit verbunden sind viele bestehende und neue Arbeitsplätze», so Buck.

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