Wirtschaft
Lade Login-Box.
16.05.2019 15:45

Müller-Martini-Standort in Stans wird übernommen: Der verschwiegene Retter vom Nachbardorf

  • Das Werk von Müller Martini in Stans. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Stans, 11. April 2019)
WIRTSCHAFT ⋅ Die Benpac-Gruppe übernimmt die Betriebsstätte von Müller Martini samt Mitarbeitern. 60 Stellen sollen so gerettet werden. Der Käufer ist weitgehend unbekannt und lässt sich nicht in die Karten blicken.

Raphael Bühlmann

Die Hiobsbotschaft kam vor einem Monat: Müller Martini will in der Schweiz 115 Stellen abbauen. Das in der Druckereibranche tätige Unternehmen sieht sich gezwungen, auf sinkende Bestelleingänge zu reagieren. «Wir können den markanten Rückgang im Bereich der Neumaschinen nicht ohne schmerzhafte Einschnitte auffangen», wurde Müller-Martini-CEO Bruno Müller in einer Mitteilung vom 10. April zitiert.

Besonders hart treffen sollte es 60 Mitarbeiter in Stans. Geplant war, den Zentralschweizer Standort komplett einzustellen. Nun scheint man – zumindest laut Müller Martini – eine gute Lösung gefunden zu haben. «Neue Zukunftsperspektive für Standort in Stans», titelt das Unternehmen seine am Donnerstagnachmittag versandte Medienmitteilung.

Keine Information zu Mitarbeitern oder Produkten

Der vermeintliche Retter naht dabei aus unmittelbarer Nachbarschaft. Von Stans nur einen Steinwurf entfernt, hat die Benpac Holding AG in Hergiswil ihren Hauptsitz. Das nach eigenen Angaben auf Abfüllmaschinen spezialisierte Unternehmen soll den Stanser Betrieb von Müller Martini übernehmen – und das samt Mitarbeitern.

Das auf Druckmaschinen spezialisierte Personal von Müller Martini soll sich also nun auf Abfüllmaschinen verstehen? «Alles kein Problem», schenkt man den Verantwortlichen bei Benpac Glauben – oder besser gesagt «dem» Verantwortlichen: Inhaber, Verwaltungsratspräsident und CEO bei Benpac ist Marco Corvi. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt dieser, dass die Übernahme ein «echter Glücksfall» sei.

Bezüglich etwas detaillierteren Informationen erklärt Corvi gegenüber unserer Zeitung, dass man «keine Geschäftszahlen bekannt» gebe – auch nicht, wie viele Personen man derzeit beschäftige. Über Produkte des Unternehmens ist auf der Webseite nichts zu erfahren. Auf der Ende November aufgeschalteten Homepage der Firma erfährt man einzig, dass die Benpac Holding AG per 1. Juni 2019 die PackSys Global in Thailand übernimmt.

Etwas ergiebiger ist da bereits eine kurze Recherche im Internet. Vor zwei Jahren hat die Benpac – damals noch mit Sitz in Buochs – im aargauischen Mettauertal die Grenacher Metall AG «vor dem Untergang gerettet», wie es hiess. Heute ist die Firma geschlossen. Laut Corvi laufe der Betrieb jedoch unter dem Namen Benpac Grenacher AG «genau gleich weiter». Eine Website lässt sich nicht finden und unter der angegebenen Telefonnummer meldet sich niemand.

Hauptsitz wird nach Stans verlegt

Ungeachtet dessen, scheint man bei Müller Martini keine Bedenken zu haben. «Wir freuen uns sehr, dass mit dieser Lösung die Arbeitsplätze in Stans erhalten bleiben und wir den Mitarbeitenden eine gute Zukunftsperspektive ermöglichen», ist Bruno Müller, CEO von Müller Martini, in der versandten Mitteilung zitiert. Besonders stolz sei man darauf, einen Käufer aus der Region gefunden zu haben. Müller Martini plant, mit der Benpac Holding AG weiterhin als Lieferant zusammenzuarbeiten. Ferner plant Benpac weitere Geschäftsaktivitäten der Gruppe nach Stans zu verlegen. «Unseren neuen Betrieb in Stans werden wir ausserdem als zukünftigen Hauptsitz nutzen», so Corvi, CEO von Benpac.

Die Firma ist im Übrigen nicht zu verwechseln mit Benpack – einem auf den Vertrieb von Verpackungsmaschinen spezialisierten Unternehmen mit Sitz im bernischen Uetendorf. Dort hat man von der fast gleichnamigen Firma aus der Zentralschweiz noch nie etwas gehört.

Meist gelesene Artikel

GOTTHARDTUNNEL

Unfall mit Wohnmobil fordert fünf Verletzte

ZELL LU

Lastwagen überschlägt sich mehrmals

KEHRSITEN

Tragischer Seebadi-Unfall hallt nach

Frauen und Mädchen feiern den Freispruch von Evelyn Hernandez. Die junge Frau war nach einer mutmasslichen Totgeburt in El Salvador des Mordes angeklagt worden. (Foto: Salvador Melendez/AP Keystone)
EL SALVADOR

Totgeburt kein Mord

Der britische Premierminister Boris Johnson wirbt in einem Brief an EU- Ratspräsident Donald Tusk Änderungen am Brexit-Abkommen verlangt. Dabei soll der sogenannte Backstop für Irland gestrichen werden. (Foto: Simon Dawson/EPA)
BREXIT

Johnson will Brexit-Nachverhandlungen

Das US-Militär hat am Sonntag zum ersten Mal seit dem Ende des INF-Abrüstungsvertrags einen konventionellen landgestützten Marschflugkörper getestet.  Der Test wäre laut INF-Vertrag verboten gewesen. (Foto: Scott Howe/U.S. Defense Department via AP Keystone)
USA

US-Militär testet Marschflugkörper

LUZERN

Guerilla-Aktion: Künstlerin hängt Bilder auf die Kapellbrücke

Hat die SNB wieder am Devisenmarkt interveniert? Bild der Fassade am Bundesplatz (Archivbild).
BANKEN

Nationalbank hat wohl erneut interveniert

Regisseur Quentin Tarantino und die Schauspieler Leonardo DiCaprio sowie Brad Pitt (von links) stehen für "Once Upon A Time... In Hollywood". Der Film stürmte bereits am ersten Wochenende nach dem Start in der Schweiz die Kinocharts. (Archivbild)
CH-KINOCHARTS WOCHENENDE

Neuer Tarantino stürmt an die Spitze

Stephan Lichtsteiner spielt künftig in der Bundesliga für Augsburg
DEUTSCHLAND

Lichtsteiner für ein Jahr zu Augsburg

Zur klassischen Ansicht wechseln