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09.10.2019 15:03

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CVP und Grünen

  • Wer sitzt künftig im Nationalratssaal? Umfragen prognostizieren bei den Wahlen vom 20. Oktober einen Linksrutsch. In elf Tagen wissen wir mehr. (Themenbild)
    Wer sitzt künftig im Nationalratssaal? Umfragen prognostizieren bei den Wahlen vom 20. Oktober einen Linksrutsch. In elf Tagen wissen wir mehr. (Themenbild) | KEYSTONE/LUKAS LEHMANN
WAHLEN 2019 ⋅ Elf Tage vor den Wahlen bestätigen zwei Umfragen den Trend der vergangenen Monate: Die Bundesratsparteien SVP, SP, FDP und CVP verlieren unterschiedlich stark an Wähleranteilen. Gewinner sind die Grünen und die GLP. Das Rennen um die viertstärkste Partei bleibt offen.

Das letzte SRG-Wahlbarometer vor der Entscheidung am 20. Oktober zeigt die CVP und die Grünen praktisch gleichauf. Gemäss aktueller Wahlabsicht kommen die Christdemokraten auf einen nationalen Wähleranteil von 10,6 Prozent, die Grünen auf 10,7 Prozent. Die Differenz liegt aber klar innerhalb des Strichprobenfehlers von plus/minus 1,4 Prozentpunkten.

Die Grünen würden demnach gegenüber den Wahlen 2015 um 3,6 Prozentpunkte zulegen und erstmals die 10-Prozent-Marke knacken. Die CVP verlöre im gleichen Zeitraum einen Prozentpunkt, bliebe damit nur noch knapp über der psychologisch wichtigen Hürde.

SP bliebe zweitstärkste Kraft

Die Rangfolge vor und auch hinter diesen zwei Parteien bleibt gemäss Wahlbarometer gleich wie bei den Nationalratswahlen 2015. Die SVP (27,3 Prozent; minus 2,1 Prozentpunkte) bliebe klar stärkste Kraft im Land, die SP (18,2 Prozent, minus 0,6 Prozentpunkte) verteidigte ähnlich deutlich den zweiten Platz vor der FDP (15,2 Prozent; minus 1,2 Prozentpunkte), die den Schwung der letzten Wahlen nicht mitnehmen könnte.

Als sechststärkste Kraft im Land würden sich die Grünliberalen etablieren. Für diese prognostizieren die Umfragen einen Wählerzuwachs von 2,7 Prozentpunkten auf 7,3 Prozent. Dahinter kämen die BDP noch auf 2,8 Prozent (minus 1,3 Prozentpunkte) und die EVP auf 1,8 Prozent Wähleranteil (minus 0,1 Prozentpunkte).

Gegenbewegung zu 2015

Die Politologen der Forschungsstelle Sotomo sprechen von "konzentrierten Gewinnen" und "verteilten Verlusten". Neben der "grünen Welle" gebe es "viele Verliererinnen". Im Vergleich zu früheren SRG-Wahlbarometern auffallend sei zudem, dass die FDP erstmals mehr Wähleranteile verlöre als die CVP.

Damit einhergehend schreiben die Forscher im Bericht, dass sich die Mitte nach links verschiebe. Gemäss Umfrage gewänne das rot-grüne Lager aktuell 3 Prozentpunkte hinzu. SVP und FDP, die beiden Parteien rechts der Mitte, verlören demgegenüber 3,3 Prozentpunkte. "Der Wählerzuwachs des rechten Lagers von 2015 wäre damit wieder weitgehend eingebüsst."

Unterschiedliche Mobilisierung

Wie das SRG-Wahlbarometer weiter zeigt, ist der erwartete Linksrutsch bei den Wahlen vorwiegend eine Folge einer einseitigen Mobilisierung. Sprich: Die SP und die Grünen gewinnen mit Abstand am meisten Bürgerinnen und Bürger auf ihre Seite, die bei den Wahlen 2015 nicht dabei waren. "Gerade bei den Grünen gehören dazu sehr viele junge Menschen, die das erste Mal an der Wahl teilnehmen", schreiben die Politologen.

Genau umgekehrt verhalte es sich bei der SVP: Ihre erwarteten Verluste resultierten nicht aus einer Abwanderung zu anderen Parteien. "Die SVP verliert nur, weil ein Teil ihrer ehemaligen Wählenden dieses Mal voraussichtlich nicht an den Wahlen teilnehmen wird." Dabei trage die zunehmende Überalterung der SVP-Wählerbasis dazu bei, dass mehr Ältere wegfielen als Junge nachkämen.

Analyse der Wechselwähler

Die Analyse der Wählerwanderungen zeigt laut den Sotomo-Forschern zudem, dass die kriselnde BDP die meisten Wählenden an die GLP und an die FDP verlöre. Die FDP ihrerseits würde 9 Prozent ihrer ehemaligen Wählenden an die SVP verlieren.

In der Beurteilung durch ihre Wählenden nähere sich die FDP einer Mittepartei an, heisst es im Umfragebericht. "Dies ist zumindest ein Indiz dafür, dass das Profil der FDP aus Sicht ihrer Wählenden an Schärfe verloren hat."

Klima statt Migration

Die wichtigsten politischen Herausforderungen für die Befragten sind weiterhin die Bekämpfung der hohen Krankenkassenprämien, des Klimawandels sowie die Stabilisierung der Beziehungen zur EU. Geht es um die Themen, die relevant sind für den Wahlentscheid, steht der Klimawandel mit 27 Prozent Nennungen klar an der Spitze.

Genau hier liegt laut den Politologen der Erklärungskern für die politische Dynamik zwischen den Wahlen 2015 und 2019. Vor vier Jahren war die Migration das Topthema. Dieses beschäftigte die Menschen von rechts bis in die politische Mitte hinein. Heute ist mit dem Klima ein eher linkes Thema top, das ebenfalls Wählende bis zur politischen Mitte beschäftigt.

Zweite Umfrage bestätigt Trend

Die Datenerhebung zum SRG-Wahlbarometer fand zwischen dem 26. September und dem 2. Oktober statt. Die Befragung erfolgte online. Nach der Bereinigung und repräsentativen Gewichtung der Daten konnten die Angaben von 12'107 Stimmberechtigten für die Auswertung verwendet werden.

Zu fast deckungsgleichen Ergebnissen wie die SRG-Umfrage gelangt eine ebenfalls am Mittwoch publizierte Untersuchung des Schweizer Instituts Gallup im Auftrag der Top-Medien. Diese Onlineumfrage unter 2065 Stimmberechtigten fand im Zeitraum vom 5. September bis zum 4. Oktober statt. (sda)

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