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17.04.2021 05:11

Mondpreise Ade: Gehören überrissene Preise bald der Vergangenheit an?

  • (Bild: Getty)
  • Preispsychologe Christian Weibel. (Bild: PD)
WIRTSCHAFT ⋅ Immer mehr Gerätehersteller wie zum Beispiel V-Zug verabschieden sich von überhöhten Katalogpreisen. Ein Experte erklärt dies damit, dass Kunden heute besser informiert sind. Doch die vermeintliche Transparenz hat ihre Tücken.

Christopher Gilb

Christopher Gilb

Nach dem Sortiments- und Katalogwechsel am 1. März war bei manch einem Gerät von V-Zug der Preis nur noch etwas mehr als halb so hoch wie zuvor. Denn der Schweizer Küchengerätehersteller hat entschieden, auf sogenannte Mondpreise zu verzichten. Damit gemeint sind Listenpreise, die sehr hoch angesetzt sind, sodass beim Verkauf durch den Händler der Eindruck eines sehr hohen Rabatts entsteht. Im Interview mit unserer Zeitung hatte V-Zug-CEO Peter Spirig die Massnahme mit dem gestiegenen Bedürfnis nach Preistransparenz erklärt: «Ich habe auch schon erlebt, dass Kunden in unserer Ausstellung waren und erst einmal abgeschreckt wurden, weil ein Steamer beispielsweise mit einem Preis von 5500 Franken angeschrieben war. Erst als sie dann im Internet geschaut haben, haben sie gemerkt, dass er im Handel, wo unsere Geräte an die Endkunden verkauft werden, ja viel günstiger ist.» Das hinterlasse einen komischen Beigeschmack.

Bosch und Siemens senkten Preise schon Anfang 2020

Mit diesem Entscheid steht V-Zug nicht alleine da: Bei Bosch und Siemens wurden die Katalogpreise aus den gleichen Gründen bereits auf Anfang 2020 um 40 Prozent abgesenkt. «Wegen des dynamischen Marktumfelds und Zeiten wachsender Preistransparenz», schreibt eine Sprecherin. Christian Weibel, Preispsychologe an der Hochschule Luzern (HSLU), weiss: «Mondpreise sind zwar immer noch Praxis, weil die Konsumentinnen und Konsumenten aber durch die Vergleichsmöglichkeiten im Internet immer sensibler für die Preisgestaltung werden, überdenken viele Firmen diese Strategie.» Zudem spiele auch das gestiegene Qualitätsbewusstsein eine Rolle:

«Gerade bei Qualitätsprodukten wie Schweizer Küchengeräten kann eine hohe Rabattierung eine falsche Botschaft vermitteln.»

Die Entwicklung bestätigt der Onlinehändler Brack, der in Willisau ein Logistikzentrum betreibt und ebenfalls Küchengeräte im Angebot hat: «Sicher gibt es noch Hersteller, die bei Produktlancierungen hohe unverbindliche Preisempfehlungen ansetzen. Aber im Grossen und Ganzen hat sich das im Lauf der letzten 20 Jahre verändert», schreibt ein Sprecher. Im Onlinehandel sei die Preistransparenz gross und Marktpreise würden schnell verfallen, deshalb hätten solche Listenpreise der Hersteller wenig Relevanz. Als positives Beispiel in puncto Preistransparenz nennt Christian Weibel von der HSLU die Strategie, bei einer Aktion nicht nur den ursprünglich eigenen Preis zum Vergleich, sondern auch den tiefsten aktuellen Marktpreis anzuzeigen. «Einzelne Onlinehändler, wie beispielsweise QoQa, haben diesen Weg gewählt.»

Vom Schweizer Küchenhersteller Veriset in Root werden unter anderem V-Zug-Geräte eingebaut. Daniel Jost, Leiter Markt und Marke, zeigt Verständnis für den Entscheid der Hersteller, Katalogpreise zu senken. Auch so sei noch genügend Spielraum für Rabatte vorhanden. «Letztlich zählt der Nettopreis der Produkte», so Jost. Aber wegen der Onlinehändler und der grossen Ketten sei der Preisvergleich aus Sicht seiner Branche sowieso ein schwieriges Thema. «Da ziehen wir bei den Geräten den Kürzeren, denn während bei uns alles inklusive ist von der Anlieferung bis zum Einbau, wird dort von den Kunden oft nur der Preis für die Lieferung an die Bordsteinkante wahrgenommen, und mit diesen Preisvorstellungen kommen sie dann zu uns.»

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