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21.01.2022 05:11

«Netter Versuch, aber absolut ekelhaft»: Migros muss beim ersten veganen Ei nachbessern

  • Beim natürlichen Ei sorgt die Calcium-Schale für Haltbarkeit. Bei der veganen Alternative ist es Plastik. (Bild: Sébastian Lavoyer)
WIRTSCHAFT ⋅ Nach Kundenrückmeldungen prüft der Detailhändler Anpassungen bei Rezept und Verpackung. Am besten schmecke das Ei mit Gewürz, heisst es.

Pascal Michel

Als nichts weniger als eine «Weltneuheit» und «Sensation» pries die Migros Ende Oktober ihre pflanzenbasierte Ei-Alternative an. Das «V-Love The Boiled» imitiert ein hartgekochtes Ei und besteht hauptsächlich aus Sojaprotein. Für das Eigelb sorgt Karotin.

Nachdem das vegane Ei bisher nur in den Genossenschaften Zürich, Luzern, Basel und Genf verkauft worden ist, weitet die Migros das Angebot nun aus. «Wir sind daran, die Kapazität auszubauen, damit wir die Ei-Alternative künftig in der ganzen Schweiz anbieten können», sagt Sprecherin Cristina Maurer.

Kundinnen und Kunden sind streng: 2,7 Punkte für das vegane Ei

Zwar betont die Migros, das Produkt komme gut an. Trotzdem überprüft die Migros nun Rezeptur und Verpackung. Kundinnen und Kunden, welche die Alternative zum gekochten Hühner-Ei probiert hatten, gingen mit den Produktentwicklern auf der Plattform Migipedia hart ins Gericht. Ein Kunde schrieb:

«Nice try, aber absolut ekelhaft.»

Ein weitere, offensichtlich unzufriedene Ei-Testerin befand: «Für den Geschmack finde ich keine Worte, pur habe ich nach einem Bissen aufgegeben. Das zweite wanderte in einen Nüsslisalat mit viel Sauce. Das hat den Geschmack etwas neutralisiert.» Insgesamt erhält das Produkt lediglich 2,7 von 5 Sternen.

Neben dem Geschmack stören sich die Kundinnen und Kunden, die offensichtlich viel Wert auf Klimaverträglichkeit legen, an der Verpackung. Die vier Eier für 4,40 Franken sind von Plastik und Folie umhüllt. «Die Verpackung geht gar nicht, zu viel Plastik, und die Plastikhülle lässt sich nur sehr schwer entfernen», kritisiert ein Kunde auf Migipedia.

«Kundenrückmeldungen sind für uns immer sehr hilfreich», sagt Sprecherin Maurer. Man überprüfe die Qualität der Produkte regelmässig und lasse Kundenfeedbacks in Überarbeitungsrunden mit einfliessen.

Schwieriger Ersatz für die Calcium-Schale

Generell empfiehlt die Migros, die Ei-Alternative «mit etwas Gewürz oder in Form eines Sandwichs zu essen». Damit rät die Migros selbst quasi vom «puren» Verzehr des eigenen Produkts ab. Da auch herkömmliche Picknick-Eier «oft in den Genuss von etwas Gewürz kämen», sieht der Händler in seiner Empfehlung aber keinen Widerspruch.

Schwieriger gestalten sich die Anpassungen bei der Verpackung. «Leider können wir nicht auf Plastik verzichten. Das Huhn macht einen sehr guten Job mit der Calcium-Schale, wir müssen hier auf Plastik zurückgreifen, um das Produkt zu schützen und haltbar zu machen.» Man verwende aber ein Minimum an Plastik und Folie. «Die greifbare Lasche an der Seite des einzelnen Eis sollte das Öffnen vereinfachen, wir prüfen derzeit, warum das Öffnen teilweise doch nicht einwandfrei funktioniert und prüfen Alternativen», ergänzt Maurer.

Im Jahr 2020 umfasste das vegetarisch und vegan zertifizierte Sortiment bei der Migros 785 Produkte. Der Markt wächst. Ein Erfolg sind jedoch längst nicht alle dieser Alternativprodukte. Gerade bei den Rezepturen müssen Hersteller regelmässig nachbessern.

Rezeptänderungen sind ein Risiko

Wie etwa Nestlé: Der Nahrungsmittelmulti vom Genfersee investiert stark in veganes Poulet, veganen Speck und Fisch. Das Vorzeigeprodukt ist der Garden-Gourmet-Burger. Doch wie Geschäftsleitungsmitglied Stefan Palzer 2020 an einem Medienanlass erklärte, passe man die Rezeptur in regelmässigen Abständen an. Die Strategie lautet also: Lieber schnell auf dem umkämpften Markt präsent sein – jedoch mit der Gefahr, die Kundschaft mit der noch unfertigen Rezeptur zu vergraulen.

Dass Händler wie Migros und Coop auf Trends wie den Veganuary aufspringen und ihr Angebot an Alternativprodukten stetig ausbauen, liegt am lukrativen Kundensegment: Laut einer Umfrage der Veganen Gesellschaft Schweiz wächst nicht nur der Anteil der Veganerinnen und Veganer stetig - hierzulande ernähren sich 38'000 Personen vegan. Es handelt sich zudem um eine kaufkräftige Kundschaft, die für Alternativprodukte gerne tiefer in die Tasche greift. Mehr als die Hälfte der befragten Veganer gab an, Bioprodukte zu kaufen.

Konventionelle Eier sind so gefragt wie nie

Angebote wie das vegane Ei sprechen nicht nur Kundinnen und Kunden an, die ganz auf tierische Produkte verzichten. So betont die Vegane Gesellschaft, dass der Trend generell weg von tierischen Produkten gehe und oftmals die Kundinnen und Kunden diese nicht mit anderen Lebensmitteln wie herkömmlichen Eiern oder Milch ersetzten. Ob die vegane Ei-Alternative sich im Alltag etablieren kann, ist unklar: Im Pandemiejahr 2020 verkauften Schweizer Detailhändler 927 Millionen Konsumeier - ein neuer Allzeitrekord.

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