Wirtschaft
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14.10.2021 20:23

Revolution in der Transportbranche: Bald rollt der erste schwere Elektro-LKW durch die Schweiz – so sieht er aus

  • Am Donnerstag im Verkehrshaus vorgestellt: Zu den Abnehmern der neuen E-Lastwagen gehört auch der Altishofer Transportdienstleister Galliker.

    (Dominik Wunderli (Luzern, 14. Oktober 2021))
  • Ohne Ladung sollen die beiden E-Laster von Futuricum gar über 1000 Kilometer schaffen.
    (Dominik Wunderli (Luzern, 14. Oktober 2021))
WIRTSCHAFT ⋅ Gleich zwei Langstrecken-LKWs mit Elektroantrieb wurden am Donnerstag im Verkehrshaus in Luzern vorgestellt. Für die Transportbranche kommen diese einer Revolution gleich. Zu den Abnehmern gehört auch Galliker.

Gregory Remez

Gregory Remez

Ist das Ding schon an? Diese Frage geht einem durch den Kopf, sobald man in der Kabine des E-Lastwagens der Schweizer Marke Futuricum Platz genommen hat. Da fährt die Maschine auch schon los. Scheinbar mühelos setzen sich die 40 Tonnen in Bewegung. Kein Aufheulen des Motors, kein Krächzen des Getriebes. Fast geräuschlos schwebt man über die Strasse. Jeder, der schon mal in einem Elektrofahrzeug sass, kennt das Gefühl.

Und doch übertrifft es vieles Bisherige. Denn bei dem Futuricum-LKW, der am Donnerstag im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern vorgestellt wurde, handelt es sich um eine Weltpremiere. Es ist der erste vollelektrische Lastwagen mit einer Batteriekapazität von 900 Kilowattstunden (kWh) und einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Kurzum: Es ist der erste Langstrecken-Lastwagen der Welt, engineered in Switzerland.

E-LKWs müssen Alltagstest noch bestehen

Lange Zeit wurde den E-Lastwagen beschieden, keine Zukunft im Bereich der Schwertransporte zu haben. Mit ihrer übergrossen Batterie seien sie im Gegensatz zu den Wasserstoff-Lastern nicht für lange Strecken geeignet, monierten Kritiker. Diese will nun Futuricum, eine Tochter der in Winterthur ansässigen Designwerk Group, mit ihren vollelektrischen Schwertransportern Lügen strafen.

Gleich zwei Versionen ihrer Langstrecken-LKWs hat die Firma am Donnerstag im Verkehrshaus vorgestellt. Abnehmer sind der Altishofer Logistiker Galliker sowie das Waadtländer Spezialtransportunternehmen Friderici. «Mit der Fertigstellung und Präsentation der Fahrzeuge erreichen wir einen Meilenstein. Dank des Einbaus von 900 Kilowattstunden Batteriekapazität vergrössern wir im Logistikbereich den Aktionsradius und ermöglichen besonders energieintensive Anwendungen wie bei Schwer- und Sondertransporten», sagte Adrian Melliger, Geschäftsführer der Designwerk Group, die seit April zu 60 Prozent Volvo gehört.

Noch müssen sich die Langstrecken-LKWs im täglichen Einsatz bewähren. Zu den grössten Herausforderungen dürfte dabei das hierzulande noch immer spärlich ausgebaute Stromladenetz gehören. Kommt hinzu, dass manche der bereits existierenden Ladestationen für grössere Fahrzeuge schlicht unzugänglich sind. Auf der Jungfernfahrt über den Julierpass machten die E-Sattelschlepper von Futuricum schon mal eine gute Figur. Ohne Ladung sollen sie gar über 1000 Kilometer schaffen; damit würden sie in der Liga von Tesla spielen.

Batterie kann zu 96 Prozent rezykliert werden

In der Schweiz gibt es neben der Designwerk Group aktuell nur ein weiteres Unternehmen, das auf die Produktion von E-Lastwagen spezialisiert ist: die E-Force One AG mit Sitz in Beckenried. Diese baut klassische Diesel-Laster von Iveco so um, dass sie rein elektrisch fahren. Die Batterien kauft E-Force ein oder stellt sie teilweise selber her. Seit 2013 auf dem Markt, zählt die Firma unter anderem Lidl, Coop und den Rothenburger Bäckereienzulieferer Pistor zu ihren Kunden.

International gibt es neben den etablierten Lastwagenherstellern wie Volvo, Iveco und Hyundai auch neue, aufstrebende Akteure wie den 2014 gegründeten US-Hybrid-Truck-Entwickler Nikola. Um letzteren ist es nach einem Börsenhype im vergangenen Jahr aber wieder ruhig geworden.

Die 2008 gegründete Designwerk Group glaubt, mit dem Durchbruch der Langstreckenmauer den E-Lastwagen-Boom befeuert zu haben, auch in der Schweiz. Die Nachfrage sei riesig, sagt Gründer Tobias Wülser:

«Unser Ziel ist es, in Winterthur künftig 200 Spezialfahrzeuge im Jahr zu produzieren.»

Auf den Einwurf, dass E-Laster in der Anschaffung noch immer rund 2,5 Mal so teuer sind wie ihre Diesel-Pendants, entgegnet er: «Dafür sind der Treibstoff und der Unterhalt um einiges günstiger. Da ein Elektromotor aus 2000 und nicht 20'000 Teilen besteht, benötigt er auch weniger Servicearbeiten.» Zudem überlebe die Batterie mit einer Laufzeit von über zehn Jahren inzwischen die Lebensdauer der Lastwagen. Danach könne sie, sofern nicht anderweitig eingesetzt, zu 96 Prozent rezykliert werden.

Strassentauglich dank Ausnahmeverfügung

In den Futuricum-LKWs ist die rund 5,5 Tonnen schwere Batterie hinter der Führerkabine verbaut. Möglich gemacht habe das ein politischer Entscheid, für den der Grundstein bereits vor über zwei Jahren in Gesprächen mit der Regierung gelegt worden sei, verrät Peter Galliker, CEO der Galliker Transporte AG. Dank einer Ausnahmeverfügung hatte das Bundesamt für Strassen (Astra) damals den Bau und Einsatz von Lastwagen mit einer Zusatzlänge von einem Meter sowie einer Zusatzlast von zwei Tonnen genehmigt. Galliker:

«Für uns war es natürlich entscheidend, nicht zu Gunsten der Batterie auf Laderaum verzichten zu müssen. Da hat Futuricum ganze Arbeit geleistet.»

Der Altishofer Transportdienstleister hatte bereits im vergangenen Jahr einen wasserstoffbetriebenen Lastwagen in Betrieb genommen. Mittlerweile gehören deren sechs zur Galliker-Flotte. Der soeben in Empfang genommene E-Sattelschlepper werde bald für den Transport von Lebensmitteln und Medikamenten eingesetzt, sagt Peter Galliker. Drei weitere seien bei Futuricum bereits bestellt. Einer davon soll ab 2022 als Autotransporter für den Transport von Neu- und Gebrauchtwagen in der Schweiz unterwegs sein – eine weitere Premiere.

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