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30.06.2020 05:11

Stahlkocher Swiss Steel in Emmenbrücke muss durch harte Zeiten – jetzt droht eine Restrukturierung

  • Der Sitz von Swiss Steel in Emmenbrücke.
    (Dominik Wunderli (29. Juni 2020))
WIRTSCHAFT ⋅ Eine Nachfragedelle und die Coronakrise belasten den Luzerner Stahlkocher Swiss Steel. Mit Kurzarbeit hat das Unternehmen die Krise bislang überbrückt. Doch das könnte nun nicht mehr reichen.

Maurizio Minetti

Beim Stahlhersteller Swiss Steel in Emmenbrücke kennt man sich mit Krisen aus. Der Stahlsektor ist hochzyklisch und damit in erheblichem Masse den Schwankungen der Weltwirtschaft unterworfen. Einmal mehr befindet sich nun das 1842 von den Gebrüdern von Moos gegründete Unternehmen in einer Krisensituation.

Der Mutterkonzern Schmolz+Bickenbach (S+B) stand letztes Jahr kurz vor dem Untergang, bis Amag-Erbe Martin Haefner frisches Kapital zur Verfügung stellte und damit wichtigster Aktionär wurde. Schon damals war klar, dass 2020 im Zeichen der Restrukturierung stehen würde. Zu den bekannten Problemen – dazu zählt vor allem die schwächelnde Autoindustrie – ist nun die Coronakrise hinzugekommen: Im ersten Quartal sank der Umsatz des Konzerns um 20 Prozent – unter dem Strich resultierte ein Verlust, wie S+B Anfang Mai bekanntgab. Die Aussichten auf das laufende Jahr sind düster.

Swiss Steel und Steeltec sind systemrelevant

In Emmenbrücke blieb es bislang aber verhältnismässig ruhig. Swiss Steel stellte sich bis dato auf den Standpunkt, dass die Krise mit der laufenden Kurzarbeit abgefedert werden soll. Die Belegschaft in Emmenbrücke befindet sich wochenweise in Kurzarbeit, um Kundenaufträge zu bedienen. Wie lange diese «zerstückelte» Produktionsweise noch dauern wird, ist unklar. Derzeit beträgt der Kurzarbeitsanteil etwa 50 Prozent der Zeit. Ausserdem hat S+B Leiharbeitsjobs abgebaut. Freie Stellen werden zudem nur in Ausnahmesituationen neu besetzt.

Doch nun sieht es so aus, als könnten diese Massnahmen nicht mehr genügen. Wie die NZZ dieser Tage berichtete, werden in der Konzernzentrale «Pläne für eine Restrukturierung des Werks in Emmenbrücke gewälzt». Insgesamt arbeiten derzeit in Emmenbrücke beim Stahlwerk Swiss Steel, dem Logistiker Panlog und dem Verarbeiter Steeltec rund 700 Personen. Hinzu kommen 60 Mitarbeitende in der S+B-Zentrale in der Stadt Luzern. Müssen diese Angestellten um ihren Job fürchten?

Auf Anfrage hält sich das Unternehmen bedeckt. «Wir werden weiterhin alles unternehmen, um die Arbeitsplätze in Emmenbrücke zu erhalten», sagt Andrea Geile, Sprecherin von Schmolz+Bickenbach. Für Philipp Gamper, der als Analyst bei der Zürcher Kantonalbank den Konzern eng verfolgt, ist Kurzarbeit kurzfristig sicher eine gute Lösung. «Falls der Automobilsektor jedoch weiterhin verhalten bleibt, könnte ich mir durchaus weitergehende Massnahmen vorstellen», so Gamper.

Swiss Steel und Steeltec gehören zu den systemrelevanten Betrieben der Schweiz, welche die Versorgung der Bevölkerung sowie der Wirtschaft mit verschiedensten Produkten und Dienstleistungen gewährleisten. Das hat die Eidgenossenschaft dem Konzern kürzlich in einem Brief bestätigt.

Auch im Heimkanton ist man sich der Bedeutung des Stahlkochers bewusst. «Wir stehen seit Jahren und insbesondere auch in den letzten Monaten in regem Austausch mit der Konzernleitung und informieren jeweils den Regierungsrat», sagt Ivan Buck, Direktor der Wirtschaftsförderung Luzern. Kenntnis von einem bevorstehenden Jobabbau hat er nicht. Bei der Luzerner Regierung heisst es auf Anfrage, die Coronakrise stelle einen Grossteil der Luzerner Wirtschaft vor eine harte Bewährungsprobe, wovon Schmolz+Bickenbach ebenfalls betroffen sei. Der Kanton Luzern unterstütze die Luzerner Wirtschaft mit verschiedenen Massnahmen.

In Bezug auf S+B scheint die Regierung aber keine speziellen Pläne zu haben: «Die Luzerner Regierung hofft, dass sich die Märkte wieder erholen und das operative Ergebnis von Schmolz+Bickenbach damit wieder in die Gewinnzone kommt. Damit wäre die Zukunft des Unternehmens nachhaltig sichergestellt», sagt Sprecherin Judith Setz.

Hohe Investitionen in Emmenbrücke getätigt

Strukturell gäbe es keinen Anlass, in Emmenbrücke zu sparen; S+B hat in den letzten Jahren den Standort mit viel Geld modernisiert. So hat Swiss Steel vor drei Jahren knapp 50 Millionen Franken in einen neuen Ofen investiert – es war die grösste Investition seit fast 40 Jahren am Standort Emmenbrücke. Letztes Jahr kam ein neuer Transformator für 2,5 Millionen Franken hinzu.

Diese Investitionen wolle man nun auch nutzen, betont Firmensprecherin Andrea Geile. «Wenn die Nachfrage wieder anzieht, wollen wir parat sein und dafür brauchen wir unsere qualifizierten Mitarbeitenden», betont sie. «Leider wissen auch wir nicht, wie lange die Nachfragedelle anhalten wird; Experten schätzen, dass es rund drei Jahre dauern kann, bis zum Beispiel die Automobilindustrie wieder auf Vor-Krisen-Niveau sein wird.»

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