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21.11.2020 05:11

«Wir rechnen mit einer guten Wintersaison»: Der neue Stöckli-Verwaltungsratspräsident Diego Kaufmann im Interview

  • Eigentümer und nun auch neuer Verwaltungsratspräsident von Stöckli: der 37-jährige Diego Kaufmann. (Bild: PD)
WIRTSCHAFT ⋅ Der Skihersteller Stöckli stellt die Weichen neu. Im Verwaltungsrat des Unternehmens aus Malters kommt es zu gewichtigen Veränderungen. Der Eigentümer Diego Kaufmann übernimmt das Präsidium. Die Externen verlassen das Gremium.

Christopher Gilb

Er verzichtete bisher darauf, sich öffentlich zu äussern. «Wer Kaufmann ist und wie er tickt: Das ist alles nicht bekannt», schrieb einst der «Blick». Auch Bilder gab es von Diego Kaufmann, dem Vertreter der Eigentümerfamilie Kaufmann im Verwaltungsrat von Stöckli bisher keine. Nun übernimmt der 37-Jährige das Präsidium des Aufsichtsgremiums und tritt ins Rampenlicht.

Wieso übernehmen Sie mitten in der Coronapandemie das Verwaltungsratspräsidium? Diego Kaufmann: Die Pandemie spielte beim Zeitplan keine Rolle. Das war schon davor so geplant, denn es stand für mich als Eigentümer immer fest, irgendwann volle Verantwortung übernehmen zu wollen. Der Zeitpunkt dafür ist nun richtig, wir haben in den letzten fünf Jahren viel erreicht; wir haben die Organisationsstruktur angepasst und den Verkaufsbereich transformiert mit klarem Fokus auf die Marke Stöckli und den Skisport. Die strategische Stossrichtung ist jetzt definiert und in den Alpenländern sind wir unter Skienthusiasten schon sehr gut aufgestellt. Jetzt geht’s darum, die Marke stärker zu internationalisieren. Sie hätten das Präsidium doch auch schon 2014 übernehmen können?Damals war ich selbst noch im BWL-Masterstudium. Es war mir wichtig, von Leuten mit mehr Erfahrung und Wissen erst einmal lernen zu können. Dafür und für ihren Einsatz bin ich den ausscheidenden Verwaltungsräten Josef Felder und Stefan Portmann sehr dankbar. Sie haben grossartige Arbeit für Stöckli geleistet. Der Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt war mit ihnen gemeinsam vorbereitet.Man weiss bisher fast nichts über Sie, wer sind Sie?Ich bin 37, wohne in Luzern und bin ein begeisterter Skifahrer und Vollblut-Unternehmer. Die Beteiligung an Stöckli ist mit vielen Emotionen verbunden. Schliesslich gehört die Firma seit 30 Jahren zur Familie. Und was machen Sie konkret beruflich?Ich bin Verwaltungsratspräsident bei Stöckli. Neu ist auch Ihr Bruder Florian im Verwaltungsrat. Was erwarten Sie von ihm? Wie die ganze Familie ist auch er emotional sehr stark mit Stöckli verbunden. Er kann zudem seine Erfahrung aus dem Verwaltungsrat der Rapid Holding AG, einem Unternehmen in der Maschinenindustrie, an welchem meine Familie die Mehrheit des Aktienkapitals hält, einbringen.Wie verstehen Sie sich mit dem CEO Marc Gläser?Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit, er ist die treibende Kraft im Unternehmen und hat die strategische Fokussierung gut umgesetzt.Der neue Verwaltungsrat ist noch nicht vollständig. Sie suchen noch neue externe Mitglieder. Was ist deren Anforderungsprofil?Wir suchen noch zwei bis drei Personen. Sie sollten sich mit Stöckli identifizieren können, denn Stöckli ist eine Herzensangelegenheit, sowie Erfahrung in der Produktion und in den Märkten China oder Nordamerika haben, denn das sind unsere beiden wichtigsten Wachstumsmärkte. In Nordamerika haben Sie vor einigen Jahren schon eine Tochtergesellschaft gegründet, ist das Gleiche für China geplant? Derzeit läuft unser Geschäft dort noch über externe Verkäufer, aber je nachdem wie sich das Geschäft entwickelt, will ich das nicht ausschliessen. Der Skisport ist in der Krise, der Verkauf von Ski geht weltweit zurück. Ist das der Grund, wieso Stöckli den Fokus aufs Ausland legt?Im Ausland haben wir mit 1,8 Prozent noch einen sehr tiefen Marktanteil, das Potenzial ist also riesig. Ziel ist es, den Anteil mit hochklassigen Produkten aus der Schweiz in den nächs-ten fünf Jahren auf 3,6 Prozent zu steigern. Die Coronapandemie könnte Ihnen aber für die bevorstehende Saison einen Strich durch die Rechnung machen. Waren Sie selbst in letzter Zeit schon auf der Piste?Ja, das war ich schon, um mir einen Eindruck zu verschaffen, wie es dort aussieht, und wie die Schutzkonzepte umgesetzt werden. Und ich habe gesehen, dass sie gut funktionieren. Natürlich ist die Pandemie nicht spurlos an uns vorbeigegangen, beispielsweise durch den verfrühten Abbruch der letzten Saison. Wir rechnen trotz allem aber mit einer guten bevorstehenden Wintersaison. Falls nun aber Skigebiete in anderen Ländern gar nicht öffnen, weil diese Länder weiterhin im Lockdown sind?Das stimmt, es kann noch niemand sagen, wie lange die Lockdowns gehen werden, aber ich bin trotzdem zuversichtlich. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz beispielsweise hat ja schon angekündigt, dass diese Saison Ski gefahren werden kann. Wir sehen die Krise zudem auch als Chance. Ein Beispiel: Der digitale Verkaufsansatz durch unseren neuen Onlineshop wurde dadurch sicherlich gepusht. Sie sprechen den neuen Onlineshop an. Als Teil der Fokussierung aufs Skigeschäft wurde dieses Jahr die Schliessung von fünf Filialen bekanntgegeben, den Ausstieg aus dem Bikegeschäft und in diesem Zusammenhang eine stärkere Fokussierung auf digitale Vertriebskanäle. War das der richtige Entscheid?Ja, denn wir wollen uns auf unsere Kernkompetenz im Wintersport fokussieren. Der Onlineshop selbst hat sehr gut gestartet, wir haben uns lange Zeit mit der Vorbereitung von diesem gelassen, können jetzt aber als erster Anbieter fahrbereite Ski, also auch mit passender Bindungseinstellung, übers Internet verkaufen. Wie stehen Sie zur Produktion in Malters und den hohen Produktionskosten in der Schweiz? Wird Stöckli dort auch noch in zehn Jahren Skis im aktuellen Umfang produzieren?Absolut. Wir haben in den letzten Jahren einige Millionen in die Skimanufaktur und somit den Standort Malters investiert. Weitere Investitionen in die Digitalisierung von Produktionsprozessen stehen an. Wir sind für die Zukunft also gut aufgestellt.

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