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19.09.2019 05:10

Wirtschaftsforum in Sarnen: Wer führt, muss auch viel ertragen können

  • Der frühere Implenia-Chef Anton Affentranger am Wirtschaftsform Unterwalden. (Bild: Jakob Ineichen, Sarnen, 18. September 2019)
WIRTSCHAFT ⋅ Worauf kommt es bei der Führung an? In Sarnen tauschten sich erfahrene Leader aus.

Rainer Rickenbach

Medienpionier Roger Schawinski war der Unterhaltsamste. Als er am Mittwoch in der bis zum letzten Platz gefüllten Aula Cher von Sarnen zum Thema Führungsqualität sprach, geizte er nicht mit amüsanten Erinnerungen. Etwa wie er als Chef von Sat1 in Berlin von ehrgeizigen Filmschauspielerinnen umgarnt wurde. Oder wie er in den 1970er-Jahren bei der von der Migros finanzierten Tageszeitung «Die Tat» darauf bestand, als Chefredaktor keinen stillen Abgang hinzulegen, sondern fristlos gefeuert zu werden.

Enger an der Thematik Führung als Schawinski blieben am diesjährigen Wirtschaftsforum Unterwalden der frühere Implenia-Chef Anton Affentranger und die frühere Managerin und heutige Führungsberaterin Nicole Brandes. In ihren Vorträgen und den Gesprächen mit dem SRF-Journalisten und Moderator Franz Fischlin kamen indes oft die gleichen Eigenschaften zur Sprache, die Menschen befähigen, anderen voranzugehen. Im Kern sind es die gleichen, doch anders formuliert und je nach beruflichem Werdegang mit den unterschiedlichsten Beispielen belegt.

Bei Misserfolgen wird der Chef einsam

«In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst», zitierte etwa Affentranger eine Veranschaulichung von Kirchenvater Augustinus Aurelius aus dem 5. Jahrhundert. Schawinski ging einen Schritt weiter mit der Frage, ob in einem lebhaften, tüchtigen Team der Funke vom Teamleiter ausgeht oder ob es die Mitglieder sind, die den Chef zu Höchstleistungen anspornen. «Ich denke, es ist eine Mischung. Der Funke muss von beiden Seiten her zünden», schlussfolgerte er.

Die Fähigkeit, sich in andere Leute hineinzudenken, klare Vorgaben, fairer Umgang, Kompetenz, Mut und auch der Mumm, loszulassen, waren weitere Eigenschaften, die sich wie ein roter Faden durch die Podiumsveranstaltung zogen. Wer führt, muss zudem eine dicke Haut haben. Schawinski: «In grossen Unternehmen wie Sat1 sind bei Erfolgen alle mitbeteiligt. Bei Misserfolgen aber trägt der Chef die Verantwortung alleine.»

Die grössten Unterschiede gab es in der Einschätzung, wie stark Technologien und Zeitgeist die Ansprüche an die Führung bestimmen. Affentranger war der Meinung, die Digitalisierung stelle ganz andere Anforderungen als das Industrie- und Dienstleistungszeitalter. «Das klassische Management ist nicht mehr gefragt. In der Zeit des digitalen Umbruchs ist viel mehr Leadership gefragt, Leadership von authentischen, glaubwürdigen Führungspersonen. Auch der ‹Büezer› im weiteren Sinne wird hoch im Kurs stehen. Dazu zähle ich auch einen TV-Moderator oder Tennisprofi Roger Federer.»

Für Brandes, die acht Jahre lang bei chinesischen Grossmeistern die Kunst der inneren Stärke gelernt hat, sind äussere Einflüsse hingegen für Führungsqualitäten nicht so wichtig. Ganz im Gegenteil: «Es ist die Innenwelt, die entscheidend ist», sagte sie. Wer ein erfülltes Leben führen wolle, müsse in der Lage sein, sich seiner Kräfte bewusst zu sein und sie auch zu mobilisieren.

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