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14.03.2019 19:09

Die Grippesaison nähert sich dem Ende

  • Anfang Februar hatte uns die Grippewelle noch fest im Griff – seit diesem Monat nehmen die Grippefälle in den hiesigen Spitälern ab. Symbolbild: Keystone/Martin Ruetschi 
LUZERN ⋅ Die Zahl der Grippepatienten ist in den Luzerner Spitälern seit Anfang März deutlich rückläufig. Nur eine Altersklasse hat noch immer mit dem Virus zu kämpfen.

Yasmin Kunz

Yasmin Kunz

Nur noch wenige Personen liegen jetzt mit Grippesymptomen wie Husten, Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen im Bett. Die Grippesaison neigt sich dem Ende zu. Die Zahl der Erkrankten ist seit Anfang März stark rückläufig (siehe Grafik unten).

Ein anders Bild zeichnete sich Anfang Februar, als der epidemische Schwellenwert von 68 Grippeverdachtsfällen pro 100 000 Einwohner um fast das Fünffache überschritten wurde.

Grippefälle: Verzögerter Rückgang im Kinderspital

Den Rückgang an Personen mit Influenza, wie die Grippe im Fachjargon heisst, spürt man auch im Luzerner Kantonsspital (Luks). Nun würden nur noch vereinzelt Personen mit einer Grippe hospitalisiert werden. Dass die Zahl der Grippefälle erneut steigen könnte, hält Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Luks, für eher unwahrscheinlich. «Ein weiterer Peak wäre eine Überraschung.» Verzögert ist der Rückgang der Grippefälle im Kinderspital, wie der Infektiologe weiss. «Dort werden nach wie vor Kinder mit Influenza behandelt.»

Rückblick: In der Grippesaison 2017/18 mussten mehrheitlich Personen zwischen 30 und 65 Jahren im Spital behandelt werden. Damals war die Grippe heftiger und länger als dieses Jahr. Anfang März war die Zahl der Erkrankungen noch sehr hoch. Total registrierte das Luks mit den Aussenstandorten Sursee und Wolhusen damals rund 600 Grippefälle. Heuer sind es bis dato knapp 400.

Gut 30 Personen mussten auf der Intensivstation behandelt werden

Alle Hände voll zu tun hatte im Winter 2017/18 auch Lukas Brander. Er ist Chefarzt des Zentrums für Intensivmedizin am Luks. Gut 60 Patienten benötigten letzte Saison medizinische Hilfe auf der Intensivstation. Die Zahlen beziehen sich auf alle drei Standorte des Luzerner Kantonsspitals. Die betroffenen Patienten litten meist an einer schweren Lungenentzündung, einer möglichen Komplikation eines grippalen Infekts.

Bis dato zählte Lukas Brander etwas mehr als 30 Influenzafälle auf der Intensivstation. Im Gegensatz zum Vorjahr also rund die Hälfte. Heuer mussten ebenfalls einzelne Patienten künstlich beatmet werden, wie der Mediziner sagt. Die Aufenthaltsdauer auf der intensivmedizinischen Abteilung betrug für Influenzapatienten zwischen 7 und 10 Tagen – ähnlich wie im Vorjahr.

Diesjährige Grippe hat später begonnen

Rückläufig sind die Grippefälle auch in der Hirslanden Klinik St. Anna in Luzern. Eine Bilanz ziehen will man erst im April. Trotzdem würden sich verschiedene Tendenzen jetzt schon zeigen, wie Christina Orasch, Leiterin Infektiologie und Spitalhygiene, sagt: «Die diesjährige Grippe hat im Vergleich mit dem letzten Jahr später begonnen und zu weniger Verdachtsfällen geführt.» Gleichzeitig stellt sie vergleichsweise viele Fälle fest, in denen es aufgrund der Grippe zu schweren Komplikationen gekommen ist.

Warum die Intensität und Dauer einer Grippe jedes Jahr anders ist, konnten Mediziner noch nicht restlos klären. Man geht davon aus, dass die Intensität einerseits von den kursierenden Virenstämmen abhängt, anderseits von der Immunisierung der Menschen. Um sich und andere vor der Grippe zu schützen, gibt es laut Infektiologe Marco Rossi verschiedene Massnahmen: das Einhalten der «Hustenregeln» bei Erkältungssymptomen, regelmässiges Händewaschen und die Grippeimpfung, um ein paar zu nennen.

Wirksamkeit der Impfung wohl höher als im Vorjahr

So wie die Intensität der Grippe von Jahr zu Jahr variiert, so unterschiedlich zeigt sich die Wirksamkeit der Grippeimpfung. Während vor einem Jahr eine Wirksamkeit zwischen 30 und 40 Prozent erreicht wurde, dürften es heuer 50 bis 70 Prozent sein, vermutet Rossi. Das liegt unter anderem daran, dass dieses Jahr die beiden A-Virenstämme dominieren, die sowohl durch die Dreifach- als auch durch die Vierfachimpfung abgedeckt sind.

In der Klinik St. Anna lag die Impfrate aller Mitarbeiter bei 35 Prozent. Beim Pflegepersonal liessen sich 40 Prozent impfen. Diese Zahlen entsprechen den Vorjahreswerten. Im Luks haben sich 24 Prozent des gesamten Personals impfen lassen. Beim Pflegepersonal wurde ein Wert von 18 Prozent erreicht. Drei Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Marco Rossi ist erfreut über diese Entwicklung, auch wenn er keine konkrete Impfquote anstrebt. «Hauptsache es geht nach oben und das ganz ohne Druck.» Der Mediziner will vor allem noch eines erreichen: die Reduktion der im Spital erworbenen Grippefälle. Zur Erfassung dieser Fälle nimmt das Spital seit zwei Jahren an einer Studie teil. Deren Messungen zeigen, dass 6,6 Prozent der Grippefälle spitalerworben sind, etwa gleich viele wie im Vorjahr. Damit sei die Rate tiefer als in den anderen Studienspitälern.

Spital hält an «Grippe-Champions» fest

Ohne Druck arbeiten auch die sogenannten «Champions» am Luks. Sie animieren die Arbeitskollegen zur Umsetzung der Schutzmassnahmen. Rahel Heer, klinische Assistenz Urologie am Luks, hat dieses Amt heuer zum zweiten Mal ausgeführt und zieht eine positive Bilanz. Für die Mitarbeiter sei klar, dass sie als Ansprechperson für Grippefragen fungiere und dieses Angebot werde auch genutzt. Weil diese Methode zur Umsetzung der Präventionsmassnahmen auf positive Resonanz stösst, wird sie weitergeführt.

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