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20.05.2022 05:11

«Ein Bienenstock im Garten rettet nicht die Welt»: Der Lehrbienenstand in Alberswil klärt auf

LUZERN ⋅ Der neugestaltete Schaubienenstand in der Agrovision Burgrain soll über die aktuellen Herausforderungen der Bienenwelt informieren. Dabei ist nicht nur die klassische Honigbiene ein Thema.

«Heute wurde ich nur einmal gestochen», sagt Imker Sepp Brunner erfreut. Er kümmert sich um die Bienen auf dem Erlebnishof Agrovision Burgrain in Alberswil. Gerade führt er eine Routinekontrolle bei den sogenannten Schweizerkästen durch – eine Art Schrank im Bienenhaus, in dem die Waben vor der Witterung geschützt werden. Vergangenes Jahr gab es durch das nasse Wetter kaum Erträge, heuer sieht es aber besser aus für die anstehende Honigernte im Juni.

Auf dem Erlebnishof in Alberswil betreibt der Imkerverband Bienen Schweiz einen Schau- und Lehrbienenstand sowie eine Ausstellung. Diese will Schulklassen, Vereine und Bieneninteressierte über die Bienen in der Schweiz aufklären. In den vergangenen Monaten wurde der Stand samt Umgebung umfassend umgestaltet. Anlässlich des Weltbienentags präsentiert der Imkerverband diese Neuerungen. Besonders im Fokus stand die Bepflanzung der Aussenbereiche, die den Wildbienen ein besseres Umfeld bieten soll.

Der Erhalt und Ausbau von Blühflächen ist generell ein präsentes Thema für den Branchenverband. Mathias Götti Limacher, Präsident von Bienen Schweiz, betont die Wichtigkeit der Biodiversität. Besonders für die Wildbienen, denn sie sind auf in der Natur vorkommende Nistplätze und Futterpflanzen angewiesen. In der Schweiz gibt es mehr als 600 Wildbienenarten, wovon rund 45 Prozent zu den bedrohten Tierarten zählen.

«Jedes Hotel braucht auch ein Restaurant»

Eine Variante, um den Wildbienen unter die Flügel zu greifen, ist das Aufstellen eines sogenannten Bienenhotel. Gemäss Götti biete das zwar Nistplätze und steigere das Bewusstsein den Bienen gegenüber, aber «damit allein rettet man die Wildbienen nicht». Denn die Hotels würden besonders unbedrohte Arten anziehen. Zudem seien nicht alle Modelle artgerecht und auch Parasiten könnten sich darin ansiedeln.

Wichtiger seien offene Bodenstellen als Nistmöglichkeit sowie die Schaffung eines besseren Nahrungsangebots. Schliesslich brauche «jedes Hotel auch ein Restaurant». Privatpersonen könnten dazu ebenfalls einen Beitrag leisten, etwa durch das Anpflanzen von Wildblumen oder Kräutern.

Hobby-Imkerei bedarf Vorwissen

In Alberswil lernt man nicht nur Wildbienen besser kennen, auch die Honigbiene ist Thema: In urbanen Gebieten wird die Hobby-Imkerei immer beliebter, wie eine Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft zeigt. Die Anzahl Honigbienenstöcke in den Schweizer Städten hat sich zwischen 2012 und 2018 beinahe verdoppelt – von 3139 auf 6370. Die Studie vergleicht die Anzahl Bienenstöcke in 14 Schweizer Städten mit dem dortigen Blütenangebot. Das Ergebnis: An den meisten Orten reichen die Blütenressourcen nicht aus, um den Bedarf der Honigbienen zu decken.

Wer die Imkerei aufnehmen will, muss von Gesetzes wegen lediglich das neu angesiedelte Bienenvolk registrieren. Eine Ausbildung wird empfohlen, ist aber nicht Pflicht. Dies will der Branchenverband ändern: Er setzt sich für eine Mindestausbildung ein – insbesondere in der Stadt müsse man sich intensiver mit der Völkerdichte auseinandersetzen. Götti betont, dass die Förderung des Blütenangebots entscheidend ist:

«Man muss keinen Bienenstock im Garten aufstellen, um die Welt zu retten.»

Je nach Ort sei es wichtiger, die bereits bestehenden Bienenvölker zu fördern, als neue aufzuziehen. Trotzdem ist der Imkerverband gegen eine gesetzlich vorgegebene Maximaldichte an Honigbienenvölkern: Zu viele Fragen seien offen und ein Vollzug wäre zu schwerfällig. «Die beschränkten Kapazitäten sollten lieber in die Verbesserung des Nahrungsangebots investiert werden», so Götti.

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