Obwalden
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24.04.2019 05:11

Geburtshaus von Bruder Klaus bekommt ein neues Dach

  • Handwerker montieren die neuen Schindeln. (Bild: Marion Wannemacher, Flüeli-Ranft, 17. April 2019)
OBWALDEN ⋅ Derzeit ist das Geburtshaus von Bruder Klaus rundum eingerüstet. Der Grund: Das alte Schindeldach ist marode und muss ersetzt werden. Gar nicht einfach war es, einen Schindelmacher zu finden.

Marion Wannemacher

Ausgerechnet im trockensten Sommer seit langem, nämlich 2018, regnete es ins Geburtshaus von Bruder Klaus. «Das 22 Jahre alte Dach aus Schindelholz war verfault», erzählt Toni von Ah. Er gehört einer Subkommission des Kirchenrats der katholischen Pfarrgemeinde Sachseln und ist zuständig für deren Gebäude in Flüeli-Ranft. Das Dach wurde provisorisch geflickt, klar war aber auch, dass es ersetzt werden muss. Da das Geburtshaus ein Denkmalschutzobjekt von nationaler Bedeutung ist, setzte er sich mit der kantonalen Denkmalpflege in Verbindung.

Seit etwa zwei Wochen ist nun das Haus eingerüstet, Seite für Seite wird das Dach neu eingedeckt. Gemeinsam mit der Denkmalpflege einigte man sich auf Lärchenholz. «Das ist langlebiger als Fichte», erklärt Gebietsdenkmalpfleger Frank Bürgi. «Das Erscheinungsbild ist das gleiche und darauf kommt es an. Wichtig ist, dass es sich um handgespaltene Holzschindeln handelt.» Das Harz im Lärchenholz sorge für einen Schutz, ergänzt Toni von Ah. Behandelt würden die Lärchenschindeln bewusst nicht, damit das Holz weiter atmen könne.

Steine fürs Erscheinungsbild

Das Holz für die neuen Schindeln kommt übrigens aus Interlaken. Schwieriger sei es dagegen gewesen, einen Schindelmacher zu finden. «Schliesslich fragten wir im Ballenberg an. Dort verwies man uns auf einen Schindelmacher aus Fruttigen», so Toni von Ah. Insgesamt werden 20 Kubikmeter Lärche benötigt. Jede Einzelne ist 60 Zentimeter lang. Die einzelnen Breiten variieren zwischen 10 und 20 Zentimetern. Die Schindeln werden einzeln auf die «Lattung» genagelt.

Damit bräuchte es eigentlich die Steine zum Beschweren der Schindeln nicht mehr. Sie werden trotzdem wieder aufs Dach gelegt, um das historische Erscheinungsbild zu wahren. «Künftig wird aber darauf geachtet, dass die Steine nicht direkt auf den Schindeln liegen und das Holz belüftet wird. Etwa jedes Jahr sollen die Steine bewegt werden», sagt von Ah.

Diskutiert habe man auch über eine Unterdachkonstruktion, erzählt Toni von Ah. Diese hätte dann zusätzlich eine Dachschalung und Konterlatten erfordert, wodurch der ganze Aufbau höher ausgefallen wäre. Weil sich das aufs Erscheinungsbild ausgewirkt hätte, entschieden sich die beigezogenen Fachleute dagegen.

Die heftigen Schneefälle in der vergangenen Woche sorgten jedoch für einen Unterbruch der Dachdecker-Arbeiten von Sepp Wagner aus Kerns. Er ist mit seinen Mitarbeitern mit Freude an dem Auftrag. «Bruder Klaus hat für mich eine grosse Bedeutung. Es ist schön, dass ich das machen darf», sagt er. Das Schindeln von Dächern komme in Obwalden nur noch selten vor, vielleicht mal eine Alphütte oder eine alte Brücke, räumt Wagner ein.

Vor allem die Vorarbeiten hätten sich als Herausforderung erwiesen und beinah ein halbes Jahr beansprucht. «Das Holz für die Schindeln muss im Winter geschlagen, aus einheimischen Beständen und natürlich astfrei sein.» Für die Latten habe es gleichmässig gewachsenes Holz gebraucht, ebenso wie für die Holzrinne. Der 18 Meter lange Stamm dafür musste in einem Stück montiert werden.

Baugeschichte ist nicht restlos geklärt

Insgesamt wird die Dachsanierung bis zu vier Wochen dauern. Die Gesamtkosten für das Schindeldach betragen 95000 Franken. Der Ersatz der Dacheindeckung wird vom Kanton Obwalden und dem Bundesamt für Kultur finanziell unterstützt.

Touristen fragen bei der Besichtigung des Hauses immer wieder, ob denn das Geburtshaus wirklich so alt sei, wie der 1417 geborene Bruder Klaus. «Nach dendrochronologischer Altersbestimmung des Holzes stammt dieses wahrscheinlich aus dem Jahr 1522», weiss Gebietsdenkmalpfleger Frank Bürgi. «Der Mauersockel ist mit Sicherheit älter. Die Baugeschichte ist nicht restlos geklärt.»

Was zwischen dem Geburtsjahr von Niklaus von Flüe und dem Jahr des Wiederaufbaus mit dem Haus passiert ist, über diese Frage lässt sich heute nur spekulieren.

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