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05.08.2020 05:11

Bei den Wirten der Weid ob Seelisberg ist «Chüäfladä» eine Spezialität

  • (Bild: Christian Tschümperlin)
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URI ⋅ Es hat den Überblick über die Urschweiz: Das Duo Bernadette Immer-Bacher und Bruno Bucher sorgt am Fusse des Niederbauens für gute Stimmung.

Christian Tschümperlin

Christian Tschümperlin

Christian Tschümperlin

Wo bestellt man schon einen Chüäfladä im Restaurant? Hier, hoch oben am Fusse des Niederbauens, auf 1289 Metern, ist die Nachfrage danach enorm. Dabei handelt es sich um eine exklusive Käseschnitte. «Normalerweise legen wir den vorher gesammelten und getrockneten
Chüäfladä auf die Käseschnitte. Aber heute sind die Kühe zu weit weg. Darum wird er durch Spinat ersetzt», erklärt Bernadette Immer-Bacher mit viel Schalk den Gästen. Und damit ist Bruno Buchers Spezialität schon fast verkauft.

Die Pensionärin kann es gut mit den Gästen. «Sonst darfst du nicht im Gastgewerbe arbeiten. Du musst sie abholen, begleiten und verabschieden. Glückliche Gäste sind Trinkgeld für die Seele», sagt sie. Die gebürtige Littauerin durfte schon viele Gäste von allen Kontinenten willkommen heissen. Sie spricht fliessend Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch und geniesst deshalb diese internationalen Begegnungen. Mit Begeisterung erklärt sie die Bergketten, Täler und Gletscher der Umgebung. «Es sind die Aussicht, die Ruhe und die Stille, die es ausmachen. Ich kann mich an diesem Panorama nie sattsehen. Jeden Tag berührt es mich erneut.»

Die Alp steht allen offen

Hinauf kommt man innert 8 Minuten mit dem Bähndli, das Alpbeizli befindet sich nur 20 Meter von der Bergstation entfernt. «Für ältere Gäste, die die «Alp Weid» besuchen möchten, ist das ideal. So erhalten auch sie Gelegenheit, die einzigartige Aussicht auf sich wirken zu lassen», sagt Immer-Bacher. Unterdessen kommt eine Gruppe junger Leute verschwitzt oben an. Wer nämlich fit ist, kann auch den Bergweg nehmen. Eine, die das vor fast jedem Arbeitsantritt tut, ist Teammitglied Gaby. An diesem Montagmorgen traf ich sie aber im Bähndli an. «Heute bringe ich frisches Gemüse und Obst zur Verarbeitung für die feinen hausgemachten Weid-Spezialitäten. Ich habe nach der Pensionierung hier oben meinen Traumjob gefunden», verriet sie auf der Fahrt.

Um 10 Uhr füllt sich das Restaurant allmählich. «Die Leute beschreiben mir oft, wie romantisch es hier oben ist, und sie meinen, dass sie auch hier wohnen möchten. Doch Wirten ist mehr als ein paar Tassen rein- und raustragen», sagt Bernadette Immer-Bacher. Deshalb habe sie auch das Wirtepatent absolviert, obwohl das nicht obligatorisch sei im Kanton Uri. «Es geht um Kalkulation, Hygiene und Lebensmittelkunde. Kenntnisse, die auch in einem Alpbeizli von Vorteil sind.»

Bernadette Immer-Bacher wirtet im neunten Sommer, seit 2012. «Der Anfang war hart. Ich hatte wenig Startkapital und stand von morgens um 6 Uhr bis Mitternacht auf der Matte», erinnert sie sich. Man habe ihr gesagt, dass sie das nicht lange durchhalten werde. «Tatkräftig wurde ich von Familienmitgliedern und engen Freunden unterstützt. Ohne dieses Miteinander wäre mein Traum zum Albtraum geworden.»

Aus einer spontanen Begegnung entsteht mehr

Dann trat Bruno Bucher aus Emmenbrücke in ihr Leben. Das war vor acht Jahren. Bruno berichtet: «Ich lief mit meinem Hund Nuri den Niederbauen hinunter. Es war ein heisser Tag.» Angekommen beim Alpbeizli, fiel ihm ein voller Krug auf einem Tisch auf. «Ich habe die Wirtin gefragt, ob dieser gegen die Wespen sei.» Bernadette antwortete, dieser sei gratis, er dürfe davon trinken. «Das hat mir imponiert, und wir kamen ins Gespräch.»

Seit zwei Jahren führen sie nun das beliebte Alprestaurant gemeinsam und mit viel Enthusiasmus. Bruno Bucher bringt seine langjährige Erfahrung als ehemaliger Geschäftsinhaber der Bäckerei-Confiserie Bucher in Emmenbrücke voll ein. Pommes frites gibt es im Alpbeizli keine. Dafür hausgemachte Quiches, Ravioli, Holzfällersalat, feine Torten und Kuchen, die besten, wie manche munkeln. Sogar zwei Köche, die Gast waren, fanden lobende Worte und waren begeistert von der Qualität. «Wir stellen alles selber her, auch den Teig, und die Zutaten haben wir aus dem eigenen Garten», sagt Bruno Bucher. Dort pflückt Teammitglied Shadi, Bernadettes Nichte und Patentochter, gerade frischen Salat, ein paar Kräuter und frische Pfefferminze für den Tee.

Dass die beiden Pensionäre die Kraft für einen Neubeginn fanden, ist keine Selbstverständlichkeit. Beide haben ihre ehemaligen Lebenspartner verloren. «Der Tod unserer Ehepartner war für uns beide ein schwerer Schicksalsschlag. Damals wurde mir bewusst, dass ich nicht am Bürotisch pensioniert werden möchte», sagt die ehemalige kaufmännische Angestellte. «Türen müssen sich zuerst schliessen, bevor sich neue öffnen können.»

Frische Bergluft hält jung

Der Entscheid scheint der richtige gewesen zu sein. Bruno Bucher und Bernadette Immer-Bacher haben sich an der frischen Bergluft gut gehalten. «Einmal kam ein New Yorker zu uns hoch. Er fragte: ‹Where is the old lady?› Als sie ihm geantwortet habe, dass sie die alte Dame sei, meinte dieser: «Das kann nicht sein. Sie sind zu jung.» Der junge Mann habe ihr berichtet, dass er schon mal auf der Weid ob Seelisberg gewesen sei, vor zirka fünfzehn Jahren, und meinte die verstorbene damalige Bäuerin und Wirtin Therese Arnold, genannt «Weidmutter».

Der Morgen neigt sich dem Ende zu. Zu meinem Abschied gibt es den eigens kreierten BB-Kaffee, passend zu den Initialen von Bruno und Bernadette. «Wir haben noch viele Ideen für die gemeinsame Zukunft», sagt Bruno Bucher und lächelt geheimnisvoll. Die Gäste verabschieden sich mit den Worten: «Es war sehr gut, wir kommen wieder!»

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