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21.04.2019 05:09

Exotisches Hobby: Urnerin hofft auf pinken Insekten-Nachwuchs

  • Petra Bilic-Schuler züchtet Gottesanbeterinnen, auch Mantiden genannt. (Bild: Manuela Jans-Koch, Erstfeld, 17. April 2019)
  • Aus diesen Eiern sollen die Mantiden schlüpfen. (Bild: Manuela Jans-Koch, Erstfeld, 17. April 2019)
  • Sie ist der Stolz von Petra Bilic-Schuler: Die Pink Lady. (Bild: Manuela Jans-Koch, Erstfeld, 17. April 2019)
URI ⋅ Petra Bilic-Schuler züchtet im Erdgeschoss ihres Hauses Gottesanbeterinnen. Die Vielfalt der Fangschrecken fasziniert die zweifache Mutter immer wieder aufs Neue. Ganz besonders freut sich die 31-Jährige auf hoffentlich baldigen Nachwuchs ihrer Pink Lady.

Carmen Epp

Sie werden zur Ordnung der Fangschrecken gezählt und in der Wissenschaft Mantiden genannt. Bekannter sind die Insekten jedoch als Gottesanbeterinnen – ein Name, der sich aus ihrem Erscheinungsbild ergibt: Die Fangbeine vor dem Oberkörper zusammengefaltet, scheint es, als würden die Tiere beten.

Diese erhabene Position ist denn auch einer der Gründe, weshalb Petra Bilic-Schuler aus Erstfeld für die Insekten schwärmt. Ein Arbeitskollege ihres Mannes hatte ihr vor einem Jahr Bilder der Tiere gezeigt. Da war es um die zweifache Mutter geschehen. Im Internet stiess sie auf eine Züchterin und Verkäuferin von Gottesanbeterinnen. Wenig später zogen die ersten Tiere – knallgrüne Exemplare der Art Hierodula patellifera, auch «Kleine Schwester» genannt, – bei ihr ein.

Anfängerfehler sorgt für Rückschlag

Dass sie willentlich ihr Haus mit Insekten teilen, war für die vierköpfige Familie nicht neu. Sie züchteten damals Heimchen und Heuschrecken, um sie Reptilienhaltern als Futtertiere zu verkaufen. Während sie mit diesen Insekten nie so recht etwas anfangen konnte, haben sie die Gottesanbeterinnen auf Anhieb in ihren Bann gezogen. Sie sagt:

«Es hat etwas Beruhigendes,
die Tiere zu beobachten.»

So wurde schnell klar, dass sie die Insekten nicht nur halten, sondern auch züchten will. Im Juli 2018 verpaarte sie die ersten Mantiden. Mit Erfolg: Das Weibchen legte eine ansehnliche Oothek, wie das Ei genannt wird. Wegen eines Anfängerfehlers – ihr Mann hatte das Ei zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit mit Wasser bespritzt – sind dann aber keine Larven geschlüpft. Beim zweiten Mal klappte es besser. Nach ein paar Wochen seilten sich Dutzende kleine Larven an dünnen Fäden aus der Oothek ab. «Ein gewöhnungsbedürftiges, aber faszinierendes Spektakel», erzählt die 31-Jährige. Drei davon überlebten – allerdings nur bis zur vierten Häutung. «Die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur in den Terrarien muss genau auf die einzelne Art abgestimmt sein. Wir lernen jeden Tag dazu.» Aktuell steht die Verpaarung der Asiatischen Blütenmantis an. Da das Weibchen nach dem bis zu 12 Stunden dauernden Akt das Männchen verspeisen würde, lässt die Erstfelderin die Tiere nicht im Terrarium, sondern auf einer Orchidee verpaaren. «Auf der kann das Männchen wenn nötig Zuflucht suchen.» Ausserdem achtet sie darauf, dass das Weibchen nicht bereits hungrig aufs Männchen trifft. Auf dem Speiseplan ihrer Gottesanbeterinnen stehen lebende Fliegen, für welche die Tiere aus ihrer Regungslosigkeit zum blitzschnellen Angriff übergehen können.

Von der grünweissen Larve zur pinken Lady

Nachdem die Familie zunächst nur eine Handvoll Exemplare einer Art hielt, leben inzwischen 18 Tiere verschiedener Arten in ihrem Haus. Die speziellste davon ist die Idolomantis diabolica, auch «Königin der Fangschrecken» oder «Grosse Teufelsblume» genannt. «Im ausgewachsenen Stadium ist sie extrem farbig und schön», erklärt die Züchterin. Bis es so weit ist, muss sie sich aber noch sieben Mal häuten.

Dass sich die Geduld lohnen kann, weiss die Urnerin nur zu gut. Eine anfänglich grünweisse Afrikanische Blütenmantis hat sich bei ihr in eine knallig-pinke Gottesanbeterin verwandelt. Die Pink Lady ist denn auch der grösste Stolz der Züchterin. «Noch zwei Häutungen, und sie ist geschlechtsreif», freut sie sich. Der allenfalls pinke Nachwuchs wird auch im Umfeld der Familie schon sehnlichst erwartet, nicht nur bei anderen Züchtern, sondern auch bei Freunden. Einige von ihnen halten bereits selber Gottesanbeterinnen zu Hause. Anders als in Deutschland sei das in der Schweiz noch eher selten. Um das zu ändern, verschafft die Erstfelderin Interessierten die Tiere und bei Bedarf auch voll ausgerüstete Terrarien – damit die speziellen Insekten zu weiteren Fans kommen.

Mehr Infos unter www.mantiden.ch

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