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21.04.2019 05:09

Die Stadt Zug will ihr Betreuungsangebot für Schüler ausbauen

  • Immer mehr Kinder, die einen Betreuungsplatz brauchen, und deutlich zu wenige Plätze: Eine Lösung können «gebundene Mittage» sein, wie die Stadt Zürich sie zurzeit hat. (Symbolbild: Maria Schmid, 7.  September 2017)
ZUG ⋅ Ein Mittagstisch für alle Kinder: In der Stadt Zug könnte ein neues System in Anlehnung an das Pilotprojekt «Tagesschule 2025» der Stadt Zürich entstehen. Es ist ein Projekt mit Signalwirkung, das auch in Zug der stetig steigenden Nachfrage gerecht werden könnte.

Zoe Gwerder

Wie schafft man es, mit der Nachfrage nach Betreuungsplätzen für das Mittagessen sowie auch für den Nachmittag mithalten zu können? Diese Frage beschäftigt derzeit viele Gemeinden und Städte im ganzen Land. Auch die Stadt Zug ist auf der Suche nach einer Lösung. Gemäss der zuständigen Stadträtin Vroni Straub-Müller könnte ein Ansatz auf der anderen Seite des Üetlibergs liegen. Die Stadt Zürich testet dort seit rund zwei Jahren das Pilotprojekt «Tagesschule 2025». Dieses sieht vor, dass es die Regel ist, dass die Schüler in der Schule betreut werden – zumindest an den Mittagen mit Nachmittagsunterricht. Ein Abmelden ist jedoch möglich und es können auch zusätzliche Module gebucht werden.

Eine der sechs Schulen, die an der ersten Pilotphase teilnehmen, ist die Schule Am Wasser. Inzwischen heisst sie Tagesschule Am Wasser. In etwa 380 Schülerinnen und Schüler werden dort unterrichtet. Je nach Wochentag und Stundenplänen werden rund 150 Mittagessen geschöpft. Trotzdem musste die Schule keine neuen Räume für die Essensausgabe organisieren, wie Schulleiterin Susanne Gauch erklärt: «Dank unserem Modell ‹Open Restaurant› – also offenes Restaurant – können wir mit den bestehenden rund 40 Mittagstischplätzen alle verköstigen.» Neuanschaffungen habe es hingegen im Bereich der Essensaufbereitung und beim Schöpfen benötigt. «Wir haben zusätzliche Regenerierungswagen erhalten, um das kalt gelieferte Essen zu wärmen.»

Das «Open Restaurant» wurde bisher bei allen sechs Schulen verwendet. Gemäss der städtischen Projektleiterin, Mylène Nicklaus, können die Schüler selber wählen, zu welchem Zeitpunkt in ihrer Mittagspause sie essen möchten. «In grösseren Schulen werden teilweise auch die Mittagspausen der Klassen versetzt eingeplant, sodass nicht alle Kinder gemeinsam in die Mittagspause gehen.» Nur bei den Kleinsten, den Kindergärtlern, sei die Betreuung stärker. Dort wird teilweise noch gemeinsam gegessen, so wie im alten System.

Schule und Freizeit kommen näher zusammen

Betreut werden die Kinder nicht nur von Betreuungspersonen des ehemaligen Horts, sondern auch von Lehrern. «Wir haben viele Lehrer, die in einem Teilzeitpensum arbeiten und gerne noch eine halbe Stunde über den Mittag zusätzlich anwesend sind», erklärt Schulleiterin Gauch. Denn neben der Betreuung beim Essen – insbesondere der kleineren Kinder – benötigt es auch Aufsichtspersonen beim zusätzlichen Angebot. So stehen den Schülern in der Tagesschule Am Wasser unter anderem das Musikzimmer, die Turnhalle, die Bibliothek und der Pausenplatz offen, um ihre Zeit zu verbringen. Auch Räume, um sich ausruhen zu können. Beim Modell «Tagesschule 2025» ist zudem vorgesehen, dass die Mittagspause kürzer ist. Das Projekt sieht eine 80-minütige Mittagspause vor. Die Rückmeldungen der Kinder sind gemäss Susanne Gauch positiv:

«Die Kinder sagen, sie hätten mehr vom Mittag, da sie nicht nach Hause gehen müssen und wieder zurück. Zudem schätzen sie, dass sie so vermehrt mit ihren Freunden spielen können.»

Abmeldungen für den gebundenen Mittagstisch habe es nur sehr wenige gegeben. «Je nach Mittag gibt es zwischen vier und zehn Kinder, die zu Hause essen.» Als eine der grössten Errungenschaften sieht Schulleiterin Gauch das Zusammenwachsen von Freizeit und Schule beziehungsweise die bereichsübergreifende Zusammenarbeit von Lehr- und Betreuungspersonen. So würden nicht nur Lehrer in der Mittagspause eingesetzt, sondern im Gegenzug auch Betreuungspersonen im Unterricht eingebunden. Projektleiterin Mylène Nicklaus bestätigt, dass dies ein wichtiger Punkt des Projektes sei. «Dies kommt insbesondere jenen Schülern entgegen, die im normalen Unterricht vielleicht nicht glänzen oder sonst auffallen. Erleben die Lehrer diese auch draussen in der Freizeit, können sie andere Seiten solcher Kinder kennen lernen – und möglicherweise Stärken in den Kindern erkennen, welche im normalen Unterrichtssetting nicht wirklich zum Vorschein kommen.»

Dass die Stadt Zürich überhaupt das Pilotprojekt «Tagesschule 2025» ins Leben gerufen hatte, gebührt dem Umstand, dass die Anzahl der zu betreuenden Kinder stark angestiegen ist, wie Nicklaus erklärt. «Die Nachfrage war so gross, dass die Kosten ins Unermessliche zu steigen drohten. Mit der Tagesschule soll es am Ende günstiger sein als mit dem jetzigen A-la-carte-System – davon gehen wir zumindest aus.» Gemäss Nicklaus hat das Modell den Vorteil, dass die Organisation einfacher wird und während des Jahres keine zusätzliche administrative Arbeit durch Wechsel der Betreuungstage entsteht. Zudem können so die Räumlichkeiten optimal genutzt werden und auch weitere Synergien werden möglich.

Das Pilotprojekt in Zürich kostet für die Stadt Zürich 75 Millionen Franken für viereinhalb Jahre. Zur Relation: Das Schulamt der Stadt Zürich hat ein Budget von etwa 900 Millionen Franken.

In Zug könnten Teile des Projektes übernommen werden

Wie stark eine solche Struktur, wie sie Zürich mit dem Projekt «Tagesschule 2025» plant, auch in der Stadt Zug anwendbar ist, hat der Stadtrat noch nicht evaluiert. «Ich konnte das Projekt mit einem Projektleiter der Stadt Zürich anschauen», erzählt die zuständige Stadträtin Vroni Straub-Müller. Eine Möglichkeit sei es, diesen zu gewinnen, um die städtischen Betreuungsstrukturen anzupassen.

Klar sei aber, dass man den Piloten von Zürich nicht einfach so übernehmen wird. «Wir sind zwar auf dem Weg zu einer globalisierten Kleinstadt. Trotzdem haben wir noch einen ländlichen Teil und Familien, die den konservativen Weg bevorzugen.» Straub fügt zudem an, man wolle auch niemanden mit solchen Neuerungen überrollen, indem man zu schnell vorwärtsgehe. «Wenn wir zwei Schritte auf einmal nehmen, könnte es zu einem Bumerang werden. Doch die Zeit wird kommen, in der es normal sein wird, dass die Kinder an einzelnen Tagen vom Morgen bis am Abend in der Schule betreut werden.» Straub geht davon aus, dass das spätestens in zehn Jahren der Fall sein wird. «Schon heute beziehen wir dies in die Schulraumplanung mit ein. Den Mittagstisch planen wir für alle Kinder, für die weitere Betreuung soll es ausreichend Platz für die Hälfte aller Schulkinder haben.»

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