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14.05.2022 08:11

Nach der «Ehe für alle» folgt der kirchliche Segen für alle

  • Unter dem Steinhauser Pfingstpanneau als Symbol der Vielfalt werden die Liebenden den kirchlichen Segen empfangen. (Bild: A. Faessler (12. Mai 2022))
STEINHAUSEN ⋅ Endlich dürfen sich gleichgeschlechtliche Paare auch in der Schweiz offiziell trauen lassen - zivil. Was die Kirche betrifft, insbesondere die Katholische, sieht es freilich noch anders aus. Steinhausen will diesbezüglich Türen aufstossen.

Andreas Faessler

«Herzwärts» – es ist eine bedeutungsvolle Wortkreation, welche die Pfarrei Steinhausen gemeinsam mit der Reformierten Kirche Bezirk Steinhausen für einen besonderen Anlass gewählt hat. Ein Anlass, der in seiner Art in unserer Region Pioniercharakter hat: Am Freitag, 20. Mai, findet in der Kirche des Zentrums Chilematt eine ökumenische Segensfeier für alle Formen der Liebe zwischen Menschen statt.

Ob verliebt, verlobt, verheiratet, Mann und Frau, Mann und Mann, Frau und Frau... Es ist eine kirchliche Feier, bei der einzig die Liebe als solche Gottes Segen erhalten soll – ohne Vorbehalte, ohne Vorurteile, ohne Kategorisierung,

«Die Liebe ist ein Kernthema des Lebens und auch in jedem Gottesdienst präsent», sagt Christian Wermbter, reformierter Pfarrer in Steinhausen und einer der Initianten von «Herzwärts». «Es braucht neue Wege, welche die Kirche aus ihrem Erstarren führen. Dies soll einer dieser Wege sein.»

Der Anlass wird von einem eingespielten Pop-Trio musikalisch gestaltet – modern und frisch. Den Wunsch nach mehr Offenheit hegt auch die katholische Steinhauser Seelsorgerin und Mitinitiantin Ingeborg Prigl. «Da es halt doch ein recht sensibles Thema ist, haben wir es bewusst allgemein formuliert. Die Segnung steht allen Menschen offen, die Ja zueinander sagen.»

Als weiteres Zeichen der Offenheit gegenüber allen Menschen und der Liebe in ihrer ganzen Vielfalt wird auf eine Anmeldung verzichtet. Alle Menschen sind willkommen, der Feier beizuwohnen, auch solche, die keinen Segen empfangen möchten. Es wird ein Anlass ohne Zwang, unverkrampft und völlig frei sollen sich alle fühlen.

Was würde Jesus dazu sagen?

«Es kann durchaus sein, dass sich aus gewissen Kreisen Widerstand bemerkbar macht angesichts der kirchlichen Segnung etwa homosexueller Paare», sagt Ingeborg Prigl, ruft im selben Zuge jedoch ins Bewusstsein, dass dieser Segen ja nicht mit einer Vermählung gleichzusetzen ist.

«Aber es soll zeigen, dass alle Menschen willkommen sind, auch im Sinne des Zitats von Papst Franziskus: ‹Die Kirche ist eine Mutter und ruft alle ihre Kinder zusammen. Nehmen Sie zum Beispiel das Gleichnis von den zum Festmahl Geladenen: die Gerechten und die Sünder, die Reichen und die Armen, usw. Eine ‹selektive› Kirche, eine ‹reinblütige›, ist nicht die Heilige Mutter Kirche, sondern eine Sekte›.» Denjenigen Menschen, welche mit der Gleichsetzung aller Formen der Liebe hadern, gibt Pfarrer Wermbter einen Rat mit auf den Weg:

«Es hilft dann, sich in einer solchen Situation zu fragen, wie Jesus sich dazu äussern würde.»

Er ist überzeugt, dass Jesus eine helle Freude an einer Feier dieser Art hätte. Fazit: Jede Form der Liebe verdient Gottes Segen. Je nachdem, wie gut die Veranstaltung aufgenommen wird, soll es künftig weitere ökumenische Segnungsfeiern im Kanton Zug geben.

Ebenfalls Ziel von «Herzwärts» ist es, die Menschen zu animieren, wieder unverkrampfter über die Liebe zu sprechen. Darum soll die Kirche künftig wieder mehr als das wahrgenommen werden, was sie ist: Ein Raum der Begegnung, des Aufeinandertreffens, der Gemeinsamkeit, der Berührung – einfach ein Ort, wo Zwischenmenschlichkeit, wo Liebe kein Tabuthema ist. «Denn wo Liebe und Güte sind, da ist auch Gott», so Ingeborg Prigl.

«Herzwärts» – Segensfeier für Liebende mit anschliessendem Apéro, am Freitag, 20. Mai, um 19.30 Uhr in der Don Bosco-Kirche im Steinhauser Zentrum Chilematt

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