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04.09.2019 05:55

Eine Partie als Zeitenwende

  • Irlands Nationaltrainer Mick McCarthy (Archivbild)
    Irlands Nationaltrainer Mick McCarthy (Archivbild) | KEYSTONE/AP/Jon Super
EM-QUALIFIKATION ⋅ Irlands Nationaltrainer Mick McCarthy hat keine guten Erinnerungen an die Schweiz. Seine erste Amtszeit endete nach dem 1:2 gegen die SFV-Auswahl in der EM-Qualifikation im Herbst 2002 in Dublin.

"Diese Niederlage ärgert mich nicht mehr, sie ist 17 Jahre her", sagte Mick McCarthy an der Medienkonferenz am Montag, angesprochen auf die Partie vom 16. Oktober 2002. "Seither habe ich wohl rund 300 Spiele gecoacht und viele Siege, Unentschieden und Niederlagen erlebt." Zudem hätte er den Verband nach der Partie gegen die Schweiz nach gut sechs Jahren sowieso verlassen, so der 60-Jährige.

Während die Partie an der Lansdowne Road, als Fabio Celestini kurz vor Schluss zum 2:1 traf, die erfolgreichste Ära in der SFV-Geschichte einläutete - die Schweiz fehlte seither nur 2012 an einem grossen Turnier -, ging für Irland ein Zyklus zu Ende. 1990, 1994 und 2002 hatten sich die Iren für die WM qualifiziert und die grössten Erfolge der bald 100-jährigen Verbandsgeschichte gefeiert.

Spieler wie Rekordtorschütze Robbie Keane, die Torhüter Pat Bonner und Shay Given, Verteidiger Steve Staunton oder der unverwüstliche Roy Keane prägten diese Epoche - und auch Mick McCarthy. Der frühere Verteidiger war mit dabei, als sich die Iren 1988 erstmals für eine EM qualifizierten, bei damals nur acht Endrunden-Teilnehmern. Und auch zwei Jahre später gehörte er zum Kader, als die "Boys in Green" in Italien den WM-Viertelfinal erreichten. 2002 führte der gebürtige Engländer die Iren als Trainer zur bislang letzten WM-Teilnahme.

Der Eklat von Saipan

Ausgerechnet ein Zwist im Vorfeld der WM in Japan und Südkorea läutete das Ende von McCarthys erster Amtszeit als Nationaltrainer ein. Im irischen Vorbereitungscamp auf der Insel Saipan waren Captain Keane und Trainer McCarthy aneinandergeraten, was als "Saipan incident" in die irische Sportgeschichte einging. Nachdem Keane gegenüber einheimischen Medien Kritik am Verband geäussert hatte, stellte McCarthy diesen in einer Teamsitzung zur Rede, worauf es zum Eklat zwischen den beiden kam.

McCarthy soll Keane vorgeworfen haben, in der WM-Barrage für das Auswärtsspiel gegen den Iran eine Verletzung vorgetäuscht zu haben, Keane wiederum beschimpfte seinen ehemaligen Teamkollegen als "Lügner und Wichser". Keane wurde suspendiert und flog nach Hause, Irland überstand die Vorrunde ohne Niederlage und scheiterte in den Achtelfinals erst im Penaltyschiessen an Spanien.

Das Turnier in Fernost war das Ende der Blütezeit der Football Association of Ireland, die später durch die Verpflichtung von Giovanni Trapattoni für Schlagzeilen sorgte. Der sportliche Erfolg blieb in den letzten knapp zwei Jahrzehnten aber mehrheitlich aus. An der EM 2012 in Polen überzeugten nur die stimmgewaltigen Fans auf den Tribünen, während die Spieler auf dem Rasen sang- und klanglos untergingen. Bei der Premiere der Nations League im vergangenen Jahr stieg Irland ohne Sieg aus den vier Duellen gegen Wales und Dänemark aus der Liga B ab.

Einer der wenigen Lichtblicke war die Kampagne zur EM 2016 mit dem Heimsieg in der Qualifikation gegen Weltmeister Deutschland (1:0). An der EM gelang Irland in der Vorrunde ein Sieg gegen Italien, das allerdings mit dem B-Team angetreten war, ehe in den Achtelfinals gegen Gastgeber Frankreich das Aus folgte.

Schwache Offensive, keine Stars

An diesen und frühere Erfolge soll McCarthy in seiner zweiten Amtszeit anknüpfen - auch wenn in seiner heutigen Mannschaft die grossen Namen fehlen. Captain Seamus Coleman spielt bei Everton, der Rest in schwächeren Teams der Premier League oder in der zweiten englischen Liga. Mit Jack Byrne spielt ein einziger Akteur des Aufgebots gegen die Schweiz in der Heimat, Mittelfeldspieler Glenn Whelan ist in Schottland engagiert.

Der Start in die EM-Kampagne ist den Iren geglückt - zumindest resultatmässig. Zehn Punkte resultierten aus den ersten vier Qualifikationsspielen, wobei sie zweimal auf den krassen Aussenseiter Gibraltar trafen - und dabei in 180 Minuten nur drei Tore schossen. In Dänemark resultierte immerhin ein 1:1. Die Schwächen in der Offensive konnte McCarthy bislang noch nicht beheben. Seit 2017 schoss Irland in 16 Wettbewerbsspielen nur gerade 12 Tore. (sda)

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