Fussball International
Lade Login-Box.
30.12.2018 13:17

Rassismus und Rekorde in der Serie A

  • Fans von Napoli solidarisieren sich mit ihrem Spieler Kalid Koulibaly - der italienische Fussball bekommt das Rassismus-Problem aber nicht in den Griff
    Fans von Napoli solidarisieren sich mit ihrem Spieler Kalid Koulibaly - der italienische Fussball bekommt das Rassismus-Problem aber nicht in den Griff | KEYSTONE/AP ANSA/CESARE ABBATE
ITALIEN ⋅ Der letzte Spieltag des Jahres wird in Italien von der Diskussion um Rassismus in Stadien überschattet. Andererseits glänzt ein Team mit neuen Rekorden. Das ist auch Ronaldos Verdienst.

Immerhin die eigenen Fans zeigten Haltung: Nach rassistischen Beschimpfungen gegen den Senegalesen Kalidou Koulibaly verteidigten die Napoli-Fans ihren Abwehrchef. Bei der Partie gegen Bologna am Samstag hielten die Anhänger Fotos von Koulibaly und Transparente mit der Aufschrift "Stopp Rassismus" hoch. Doch das täuscht nicht darüber hinweg, dass der italienische Fussball das Problem Rassismus und Gewalt nicht in den Griff bekommt.

Koulibaly war am Stephanstag bei der Partie gegen Inter Mailand im San-Siro-Stadion mit Affenlauten beleidigt worden, was kein Einzelfall war. Der ehemalige Bundesligaprofi Kevin-Prince Boateng beklagte, dass in den letzten Jahren kaum Fortschritte beim Kampf gegen Rassismus in Stadien gemacht worden seien. "Für bestimmte Personen ist ein farbiger Mensch ein Affe", sagte Boateng der Zeitung "Corriere della Sera". Der Deutsch-Ghanaer, der derzeit beim italienischen Serie-A-Klub Sassuolo spielt, wurde während seiner Zeit bei der AC Milan 2013 ebenfalls rassistisch beschimpft.

Boateng wurde in Berlin geboren, sein Vater stammt aus Afrika. Es sei gut möglich, dass sich die Situation verschlimmert habe, sagte der 31-Jährige. "Wenn man bedenkt, dass sich einst über mich 50 Fans hermachten. Im San Siro waren es letztens 10'000." Auch in Deutschland sei die Lage nicht sehr unterschiedlich.

Ein Abbild des politischen Klimas

In anderen Ländern sei man strenger, in Italien würden Regeln missachtet, sagte der ehemalige Nationalspieler Alessandro Nesta, der auch in den USA gelebt hat, gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa. "In Amerika verhaftet man dich, wenn du zu einer farbigen Person ein unangebrachtes Wort sagst."

Seit dem Regierungswechsel im Sommer kommt ein ausländerfeindliches Klima hinzu. Vor allem Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega hetzt gegen Migranten und ist mit seinem Motto "Italiener zuerst" im Umfragehoch. "Im Stadion spiegelt sich das Klima im Land, es verstärkt sich", sagte Renzo Ulivieri vom Trainerverband Assoallenatori.

Juventus' Siegeszug

Der letzte Spieltag des Jahres war aber nicht nur von der Rassismus-Debatte geprägt. Rekordmeister Juventus Turin setzte seinen beachtlichen Siegeszug in der Serie A fort. Cristiano Ronaldo führte den Rekordmeister am Samstag mit zwei Toren zum nächsten Sieg. Der Portugiese sorgte mit seinen Saisontoren 13 und 14 für ein 2:1 im letzten Heimspiel des Jahres gegen Sampdoria Genua. Damit führt der 33-Jährige nun die Torschützenliste in der Serie A an - vor Krzysztof Piatek vom FC Genoa, der bisher 13 Tore erzielt hat.

Ronaldo wechselte im Sommer von Real Madrid nach Turin, der Klub ist seitdem in der Liga ungeschlagen. Mit 53 von 57 möglichen Punkten liegt die "Alte Dame" damit weiter souverän an der Tabellenspitze. Hinter dem Serienmeister folgen Napoli (44) und Inter Mailand (39) auf den Plätzen 2 und 3. Insgesamt verbucht Juventus saisonübergreifend 101 Punkte im Jahr 2018. Auch dies ist ein Rekord. Gerät Juventus nicht komplett aus dem Tritt, winkt der achte Meistertitel in Folge. (sda/dpa)

Kommentare

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!

Meist gelesene Artikel

Die Reparaturarbeiten an der beschädigten Stütze der Säntisbahn sind fast abgeschlossen. In einer Woche ist die Säntisbahn wieder fahrbereit. Archivbild
BERGBAHNEN

Nach Lawinenabgang im Januar

OBWALDEN

Lieferwagen-Chauffeur gestoppt nach Randale-Fahrt

ZUG

Geschichten und Musik am Zugersee

Pierre Maudet muss einen Misserfolg einstecken. Die Strafkammer hat seinen Antrag abgelehnt. Der Genfer FDP-Staatsrat hatte einen Rückzug der Staatsanwälte gefordert, die das Verfahren gegen ihn wegen seiner umstrittenen Reise nach Abu Dhabi leiten. (Archivbild)
AFFÄRE MAUDET

Maudet muss Misserfolg einstecken

Die verstorbene Soul-Legende Aretha Franklin hat handschriftliche Dokumente hinterlassen. Ob sie als Testament durchgehen, wird abgeklärt.
TODESFALL

Aretha Franklin: Testament gefunden?

Der Schweizer Trainer Urs Fischer will seinem Team den Weg in die 1. Bundesliga weisen
DEUTSCHLAND

Schweizer Duell in der Bundesliga-Barrage

Thomas Bickel und Ludovic Magnin gefällt nicht, was sie in Luzern zu sehen bekommen
SUPER LEAGUE

Ernüchterung im FCZ-Lager

Gericht: Die Deutsche Bank muss Kundenunterlagen zum US-Präsidenten Donald Trump und seiner Familie herausrücken. (Archivbild)
USA

Deutsche Bank muss Trump-Dokumente liefern

In der Familie herrscht eitel Freund. Brooks Koepka mit Freundin Jena Sims, Schauspielerin und Model
GOLF

Er beisst die Hand, die ihn füttert

Wer kranke Kinder oder Angehörige betreut, soll weniger Einbussen in Kauf nehmen müssen. Der Bundesrat schlägt dem Parlament verschiedene Massnahmen vor, um Betreuung und Erwerbstätigkeit besser zu vereinbaren. (Symbolbild)
BETREUUNG

Bundesrat erleichtert Betreuung

Zur klassischen Ansicht wechseln