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11.02.2019 17:37

BSV-Stans-Spielerin Grandjean: «Wir können allen gefährlich werden»

  • Die Stanserinnen mit Ronja Schwab (am Ball) bleiben zu oft an der Zürcher Abwehr hängen. Bild: Roger Grütter (Stans, 9. Februar 2019)
REGIO-SPORT ⋅ Die Stanserinnen verlieren zum Auftakt der Auf-/Abstiegsrunde SPL1/SPL2 mit 21:26 gegen GC Amicitia Zürich. Die ungenügende Angriffsleistung nach der Pause verhindert die Überraschung.

Stephan Santschi

Die 29. Minute lief, Stans liess den Ball gefällig zirkulieren, suchte die Lücke im Defensivverbund des Gegners und fand sie schliesslich auf der linken Angriffsseite. Gréta Grandjean setzte zum Sprungwurf an und überlistete den Goalie mit einem smarten Lupfer. Die Nidwaldnerinnen führten mit 15:11, die Überraschung zum Auftakt der Auf-/Abstiegsrunde SPL1/SPL2 gegen das favorisierte GC Amicitia Zürich lag in der Luft.

Kurz vor 21 Uhr herrschte dann allerdings Ernüchterung in der Eichlihalle. 21:26 ging das Kräftemessen verloren, weil nach der Pause im Angriff nicht mehr viel zusammengepasst hatte. Nach Grandjeans Tor gelangen Stans in der zweiten Halbzeit nur noch sechs weitere Treffer – fünf davon gingen auf das Konto von Linkshänderin Samira Schardt. So war gegen den Gruppenfavoriten, der die SPL1-Hauptrunde auf Platz fünf abgeschlossen hatte, nichts zu holen. «Wir spielten zu schnell. Wir hätten mit mehr Ruhe und Geduld angreifen müssen», begründete Grandjean den Einbruch. Bis zur 45. Minute lagen die Stanserinnen noch in Front (18:17), dann mussten sie den Gegner ziehen lassen. Daran konnte auch der lautstarke Support des Fussballclubs aus Horw nichts mehr ändern. «Mit ihnen pflegen wir eine gute Beziehung», erklärt Grandjean.

Die Doppelrolle von Gréta Grandjean

Die Rolle von Gréta Grandjean innerhalb des Kollektivs ist dabei eine besondere. Sie gefällt am linken Flügel nicht nur mit präzisen Abschlüssen, sondern übernimmt auch im Training viel Verantwortung. Die 28-jährige Ungarin ist die Assistentin von Cheftrainer Vicente «Ike» Cotrina Cabal. Wenn der Spanier beispielsweise aufgrund seines Engagements als Co-Trainer von Chiles Männer-Nationalmannschaft abwesend ist, übernimmt sie die Stellvertretung. «Ich komme aus Szeged, einer Handball-Stadt. In Ungarn haben wir viele spanische Trainer und Spieler, deshalb kenne ich die spanische Handballschule», erklärt Grandjean und hält fest: «Mit Ike verstehe ich mich sehr gut, wir sehen den Handball ähnlich. Für mich ist es toll, mit einem Master Coach zusammenzuarbeiten und von ihm zu lernen.» Vor kurzem hat Cotrina Cabal die höchste Trainerlizenz im Handball erworben, Grandjean ist derweil im Besitz der B-Lizenz und hilft im Verein auch bei der Ausbildung der U16-Juniorinnen.

Mittlerweile steht Grandjean in Stans in ihrer dritten Saison. Ihre positive Entwicklung ist dabei offensichtlich: Zählt sie heute zu den Leistungsträgerinnen, die bei Spezialbewachungen von Teamkolleginnen auch in die Rolle der Spielmacherin schlüpfen kann, befand sie sich 2016 nach ihrer Ankunft noch nicht in der nötigen Verfassung, um dem Team zu helfen. Zeitweise holte sich sie mangels Spielzeit im SPL1-Team sogar Praxis in der 3. Liga. «Bevor ich nach Stans kam, war ich zwei Jahre lang nur Juniorinnentrainerin gewesen. Ich brauchte eine Weile, um fit zu werden», erzählt sie. Als Spielerin war sie mit Szeged in die höchste ungarische Liga aufgestiegen, mit Stans stieg sie 2017 in die SPL2 ab.

Ihr Freund ist seit über zwei Jahren verletzt

Bereits damals an ihrer Seite war ihr Freund Balazs Pozsgai, mit dem sie heute in Obernau lebt. Der ehemalige ungarische Handballprofi hatte bei den Männern des BSV Stans einen vielversprechenden Einstand, doch dann zog er sich im Oktober 2016 im erst sechsten Spiel auswärts gegen die SG Pilatus einen Kreuzbandriss zu. Komplikationen bei der Genesung verhinderten bis heute ein Comeback des linken Rückraumspielers, «den Grund haben wir noch immer nicht gefunden», bedauert Grandjean. «Wir hoffen aber, dass er nächste Saison wieder spielen kann.»

Ob sie selber dem BSV Stans erhalten bleibt, ist zwar auch noch nicht geregelt, «ich würde aber sehr gerne bleiben», erklärt die in Emmen bei einem Grosshandels- und Logistikkonzern für die Reparatur von Apple-Produkten zuständige Grandjean. Wenn sie ihr Deutsch verbessert habe, wünsche sie sich eine Anstellung, bei der sie ihr Universitätsstudium der internationalen Beziehungen gebrauchen kann.

Stans braucht für Aufstieg mindestens Platz vier

Sportlich sei der Aufstieg in die SPL1 derweil kein Muss, doch er liege durchaus im Bereich des Möglichen, findet sie. «Gegen GC Amicitia haben wir gezeigt, dass wir allen gefährlich werden können. Wir haben die Qualität, um in der Rangliste zwei Teams hinter uns zu lassen.» Für die Rückkehr in die SPL1 muss Stans in der Sechsergruppe mindestens den vierten Rang belegen.

Auf-/Abstieg SPL1/SPL2. 1. Runde: Stans – GC Amicitia Zürich 21:26 (15:13). Leimental – Herzogenbuchsee 34:36 (18:17).

Abstiegsrunde: Arbon – Brühl 19:24 (12:13). SG Yverdon/Crissier – LK Zug 21:33 (10:14). Spono Eagles – Goldach-Rorschach 23:19 (11:8). – Rangliste: 1. LK Zug II 15/25. 2. Brühl St. Gallen II 15/20. 3. Spono Eagles II 15/14. 4. Goldach-Rorschach 15/13. 5. Arbon 15/6. 6. SG Yverdon/Crissier 15/0.

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