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13.08.2019 05:09

FCL-Fussballerin Chantal Ruf kämpfte sich zurück – und fällt heute selbstbewusst auf

  • Chantal Ruf mit ihrem typischen Schmuck an den Fingern, am Arm und um den Hals. (Bild: Manuela Jans-Koch, Luzern, 8. August 2019)
  • Bild: (Manuela Jans-Koch)
REGIO-SPORT ⋅ Die FCL-Fussballerin Chantal Ruf dirigiert nach schwierigen Zeiten auch in der kommenden Saison die Abwehr. Neben dem Platz fällt sie mit ihrem Schmuck auf – und das passt ihr ganz gut so.

Theres Bühlmann

Theres Bühlmann

Beim Gespräch mit Chantal Ruf sticht eines schnell ins Auge – ihr Schmuck. Halsketten, Armreifen und viele Fingerringe, die ihre Persönlichkeit unterstreichen. «Ich falle gerne auf und habe auch kein Problem damit, wenn es anderen nicht gefällt», sagt die 20-jährige Fussballerin des NLA-Vereins des FC Luzern. «Wenn jemandem etwas an mir nicht passt, kann ich das so hinnehmen, denn ich bin immer mich selbst und denke dabei nicht an andere.»

Auffallen will die Verteidigerin aber auch auf dem Fussballfeld in der kommenden Saison, die für Luzern am Donnerstag (19 Uhr, Kleinfeld Kriens) mit dem Heimspiel gegen Basel beginnt. «Ich will Sicherheit in die Abwehr bringen und das Team auf dem Platz führen.» In der vergangenen Saison belegte der FCL in der Tabelle Platz 5. «Unser Ziel ist nun ein Rang in den Top 3», blickt sie voraus. Luzern wird sich auf einigen Positionen gegenüber der letzten Saison verändert zeigen. «Mit den neuen Spielerinnen müssen wir uns auf dem Feld jeweils finden, Beziehungen schaffen, bis die Automatismen klappen. Neben dem Platz verstehen wir uns von Beginn weg sehr gut, gehen offen miteinander um, unser Verein steht in der Liga ja für viel Teamgeist.»

Mehr als ein Jahr Ersatz ohne Einsätze

Chantal Ruf frönte als Kind dem Rhönradsport, dem Einradfahren und dem Tischtennis. Dann wollte sie eine Ballsportart ausprobieren, kam zum Fussball – und blieb diesem Metier treu. Erst beim FC Baar, dann beim Team Zugerland und ab 2014 beim FC Luzern, mit dem sie 2015 den U-18-Schweizer-Meistertitel feierte. Sie kennt sich auf den verschiedenen Positionen aus, spielte schon im zentralen Mittelfeld, als Flügel und seit ihrem NLA-Debüt 2017 als Verteidigerin «und da fühle ich mich sehr wohl». Doch ihr Leben als Fussballerin verlief nicht immer gradlinig, sie musste auch eine schwierige Zeit durchleben. Bei ihrem Aufstieg in die NLA sass sie ab Januar 2017 mehr als ein Jahr auf der Bank, ohne je zum Einsatz zu kommen. Ihre Leistungen reichten nicht aus.

Jede andere hätte wohl alles hingeschmissen, aber nicht sie. Im Juli 2017 kam Glenn Meier als neuer Trainer. Dieser gab ihr den Rat, sich mit Personen in ihrem Umfeld zu unterhalten, die ihr in dieser schwierigen Situation helfen könnten. Also besuchte sie ein Mentaltraining und arbeitete viel mit der FCL-Konditionstrainerin Marijana Izzo-Brezovski. Auch mit ihren Eltern Alain und Karin führte sie Gespräche. «Sie haben stets ein offenes Ohr für mich, geben mir Tipps und stehen mir in schwierigen Zeiten immer bei.»

Chantal Ruf kämpfte sich aus dem Tief, wurde dann in der letzten Saison bei jedem Spiel eingesetzt, als Leistungsträgerin in der Abwehr mit der Nummer 10. «Ich habe in dieser schwierigen Zeit sehr viel über mich gelernt, und sie hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin.» Ihre Erfahrungen gibt sie nun oft weiter, vor allem an Spielerinnen, die gerade eine ähnliche Phase durchlaufen. «Meine Geschichte zeigt, dass man mit einem starken Willen viel erreichen kann. Wenn man einmal nicht spielen kann, muss es nichts Negatives bedeuten. Einfach nie aufgeben. Wenn ich dies gemacht hätte, würde ich nicht dastehen, wo ich heute bin.» Chantal Ruf ist diesbezüglich ein gutes Beispiel und schiebt nach: «Alles, was passiert, hat einen gewissen Grund.»

Australien und Amerika stehen auf dem Plan

Chantal Ruf war einst in der U16- und U17-Nationalmannschaft. Eine internationale Karriere und ein Engagement im Ausland sind zurzeit kein Thema. «Es ist gut, so wie es ist, ich bin glücklich und habe Spass am Fussball.» Auch ein Satz, der zu ihrer Persönlichkeit passt. Überdies charakteristisch für sie: Sie schreibt Gedanken und Vorkommnisse auf. Ein Tagebuch ist es nicht, vielmehr ein Notizbuch. Dieses ist voll mit Texten, Zeichnungen und Malereien. Dies kommt nicht von ungefähr, denn Kreativität gehört zu ihren Hobbys. Mehr noch, sie verziert T-Shirts mit den von ihr entworfenen Sujets (siehe Foto). Dies könnte vielleicht auch auf eine zukünftige Studienrichtung hindeuten.

Chantal Ruf schloss im Juni die Matura ab, macht jetzt ein Zwischenjahr, in dem auch eine Reise nach Amerika und nach Australien auf dem Plan steht. Dann möchte sie ein Studium absolvieren. «Vielleicht etwas in Richtung Mode-Design.» Zeichnen und Malen sind nicht die einzigen Hobbys, welche Chantal Ruf ausübt. Sie singt sehr gerne und hört Musik in alle Richtungen. Wenn es passt, auch Ländler. «Musik gibt mir etwas, was mir sonst niemand geben kann.» Ihre Lieblingssängerin ist übrigens die Amerikanerin Billie Eilish.

Chantal Ruf wohnt bei ihren Eltern, die an den Heimspielen unter den Zuschauern sind. «Ihnen verdanke ich sehr viel. Ohne ihre Unterstützung könnte ich meinen Sport nicht in diesem Umfang betreiben», sagt sie, die wöchentlich vier bis sechs Mal trainiert, was zirka 10 bis 12 Stunden ergibt, dazu kommen die Spiele an den Wochenenden.

Übrigens: Der Name Chantal soll sich von einem altfranzösischen Nachnamen ableiten, und wird mit Felsblock übersetzt. Wie pflegt man jeweils von Abwehrspielern zu sagen: «Sie stehen wie ein Fels in Brandung.» Man stösst im Netz im Zusammenhang mit ihrem Namen aber auch auf das französische Verb chanter, also singen, das würde auch zu ihr passen.

NLA, Frauen

1. Spiele. Donnerstag. 19.00: Luzern – Basel (Kleinfeld Kriens). – Samstag. 16.00: Young Boys – Servette Chênois. – 17.00: St.Gallen-Staad – Lugano.

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