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11.02.2019 19:10

Zwei Curling-Gegnerinnen spannen zusammen

  • Die Zugerin Raphaela Keiser (links) und die Luzernerin Selina Witschonke vertreten die Schweiz an den Juniorinnen-WM. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 7. Februar 2019))
  • Raphaela Keiser (21) aus Zug. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 7. Februar 2019)
  • Selina Witschonke (20) aus Sempach. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 7. Februar 2019)
REGIO-SPORT ⋅ Die Zugerin Raphaela Keiser und Selina Witschonke aus Sempach bestreiten mit dem Team Flims/St. Gallen die Junioren-Weltmeisterschaften in Kanada. Eine Medaille zu erobern ist das erklärte Ziel.

Martin Mühlebach, Theres Bühlmann

Martin Mühlebach, Theres Bühlmann

Martin Mühlebach, Theres Bühlmann

Raphaela Keiser liebäugelt mit dem Team Flims/St. Gallen an der Juniorinnen-WM in Kanada (16. bis 23. Februar) mit einem Medaillengewinn. «Wir sind uns gewohnt, selbst in kritischen Situationen kühlen Kopf zu bewahren und an unsere Chance zu glauben», erklärt die 21-Jährige. Das hätte ihr Team an den Schweizer Juniorenmeisterschaften 2018 in Arlesheim im Finalspiel gegen Luzern bewiesen. Die eng umkämpfte Partie sei bis zum letzten Stein spannend gewesen. Diesen habe die Luzernerin Selina Witschonke sozusagen verschenkt. Bei einem Nachtessen mit den Familien, Freunden und Bekannten sei der Sieg gebührend gefeiert worden, der auch das Ticket für die bevorstehende WM bedeutete.

«Für mich», sagt Raphaela Keiser, «war es eine besondere Genugtuung und eine gelungene Revanche, den CC Luzern besiegt zu haben. Denn die Luzernerinnen hatten sowohl 2016 als auch 2017 den Final gegen uns zu ihren Gunsten entschieden.» Selina Witschonke ist in den kommenden WM-Tagen in Kanada nun mit ihr im selben Team. Dieses wird von Vanessa Tonoli (Flims), Laura Engler (St. Gallen) und Nehla Meier (Lausanne) komplettiert.

In Kanada trägt Raphaela Keiser auf dem Eis als Skip die Verantwortung. Das erklärte Ziel sei das Erreichen des Halbfinals – danach sei alles möglich. Dass die WM in Kanada stattfinde, freue sie ganz besonders. Denn seit sie 2013/2014 ein Austauschjahr «in diesem wunderbaren Land» verbracht habe, reise sie jedes Jahr mindestens einmal nach Kanada, der Hochburg des Curlings. «Die offene, freundliche und hilfsbereite Art der Kanadier hat mich tief beeindruckt und geprägt.»

Als Skip steht Keiser stets im Fokus. Wichtig sei es, dem Druck standhalten zu können. Die Zugerin nimmt diese Verantwortung gerne an. Sie sagt: «Ich bin ein extrovertierter Mensch, der mit seiner offenen Art das Team mitreissen kann. Und ich lege grossen Wert darauf, dass sich alle wohlfühlen und ihre persönliche Bestleistung abzurufen vermögen.» Das Mitglied des CC Zug verfügt über die nötige Erfahrung. Ihr Grossvater Sepp Keiser und ihr Vater Stephan Keiser vermittelten Raphaela die Freude für den Curlingsport. Im zarten Alter von fünf Jahren spielte sie den ersten Stein, und kurz darauf trat sie den Cherry Rockers Zug bei. Erst 12-jährig wurde sie bereits zum Skip des CC Zug erkoren.

Neustart nach der WM in Kanada

Im vergangenen Jahr hat Raphaela Keiser ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin an der Fachhochschule in Winterthur angetreten. Das Studium, das viermal wöchentliche Training und die Teilnahme an Turnieren erfordern einen enormen Zeitaufwand. Um diesen bewältigen zu können, ist sie auf das Verständnis und den Rückhalt angewiesen, den ihr die Familie und der Freundeskreis bieten. «Dafür bin ich dankbar», betont die ambitionierte Curlerin.

Nach den Weltmeisterschaften in Kanada erfolgt für Raphaela Keiser der altersbedingte Wechsel von den Juniorinnen zur Elite. «Dieser Wechsel ist ein grosser Schritt, sozusagen ein Neustart. Ich muss mich wieder von ganz unten nach oben kämpfen. Es kann mehrere Jahre dauern, bis man zur Crème de la Crème gehört.» Auch dafür müsse sie die Nerven behalten, die Ruhe bewahren und mental zulegen. An grossen Zielen, auf die sie Schritt für Schritt hinarbeitet, mangelt es jedenfalls nicht: Keiser will die Schweiz dereinst an den Olympischen Spielen vertreten.

Raphaela Keiser
Geboren: 13. Juli 1997
Wohnort:Zug
Ausbildung: Physiotherapeutin an der Fachhochschule Winterthur Verein Curling-Club Zug
Trainerin:Manuela Netzer-Kormann
Erfolge:2018: Schweizer Meisterin Junioren. – 2015: Bronzemedaille Junioren-Weltmeisterschaften.
Vorbild:keines
Hobbys:Wandern, Joggen, Radfahren







Selina Witschonke

Wer sich plauscheshalber im Curling versucht, bekommt schnell zu spüren, so einfach, wie manch einer glaubt, ist das nicht. Diese Sportart ist eine komplexe Angelegenheit, bei der Technik, Kommunikation und Kondition zum Tragen kommen – gepaart mit strategischem Denken. Kein Wunder, wird Curling auch als Schach auf dem Eis bezeichnet.

Eine, die dies beherrscht, ist die 20-jährige Selina Witschonke aus Sempach. Curling wurde ihr quasi in die Wiege gelegt, denn ihre Eltern Sandra und Peter, die einst in La Punt Chamues-ch im Engadin wohnten, frönten diesem Sport. Nach dem Umzug nach Sempach betätigte sich ihre Mutter als Trainerin in Luzern. Was also lag näher, als die damals achtjährige Tochter aufs Eis mitzunehmen. Dies gilt auch für ihren 22-jährigen Bruder Patrick, der für die Schweiz auch international im Einsatz stand.

Von der Ersatz- zur Stammspielerin

Trotz ihrer erst 20 Lenze verfügt Selina Witschonke bereits über viel Routine und nimmt zum vierten Mal an Junioren-WM teil. «Unser Ziel ist es, eine Medaille zu holen», sagte die Studentin der forensischen Wissenschaften an der Uni in Lausanne. Obwohl als Ersatz gemeldet, wird sie als Stammspielerin fix im Team stehen. Als bestes Ergebnis ihrer bisherigen WM-Teilnahmen steht ein fünfter Platz 2017 zu Buche. Die Bronzemedaille an den Olympischen Jugendspielen 2016 in Lillehammer bedeutet bis anhin der Höhepunkt ihrer Karriere. 10 Stunden beträgt ihr wöchentliches Trainingspensum, dazu stehen vom Oktober bis März fast jedes Wochenende Turniere an. Ihre Trainingsorte sind Lausanne, Biel, Luzern und mit dem WM-Team sporadisch in Zug.

Die Sempacherin erlebte in den letzten Wochen eine etwas stressige Zeit, denn sie ist auch noch beim Luzerner Juniorinnen-Team engagiert, und das mit grossem Erfolg. Die Mannschaft hat sich für die Junioren-A-SM-Finalrunde in Arlesheim von Mitte März qualifiziert «mit dem Ziel, zum dritten Mal den Titel zu holen», so Selina Witschonke. Bei Luzern amtet sie als Skip, gibt also die Spieltaktik vor und muss Verantwortung übernehmen. «Man eignet sich in dieser Position Routine an», sagte sie. «Den grössten Druck verspüre ich, wenn ich den letzten Stein abgeben muss. Gelingt dieser, ist man ein Held, wenn nicht, eben ein Verlierer.» Aber hier helfen ihr jeweils das Mentaltraining und die Gespräche mit ihren Mannschaftskolleginnen.

Ehemalige Weltklassespielerin Mirjam Ott ist ihr Coach

Beim Curling ist viel Teamwork gefragt. «Um Erfolg zu haben, ist jede Einzelleistung wichtig.» Wenn in der Equipe irgendwelche Spannungen auftreten, dann gibt es nur eines, miteinander reden und diese ausräumen. «Denn wir sind nur zu viert und können nicht einfach Auswechslungen vornehmen wie in anderen Mannschaftsportarten.» Gecoacht werden die Luzernerinnen von der einstigen Weltklassespielerin Mirjam Ott. «Wir profitieren sehr viel von ihren Erfahrungen», sagte Selina Witschonke. «Sie kann mir auch in meiner Eigenschaft als Skip immer wieder Inputs geben.» Die Trainings zwischen dem WM-Team und der Luzerner Equipe musste sie in den letzten Wochen gut einteilen, «alles eine Frage der Planung», gab sie zu Protokoll. Ab und zu stellte sie die Übungseinheiten mit ihrer Luzerner Mannschaft zu Gunsten der WM-Equipe zurück. Geplant wird auch ihre berufliche Zukunft. Ihr Ziel: Bei der Polizei einst in der Spurensicherung tätig sein. Und sportlich legt sie sich auch fest: «Ich möchte einmal eine Olympiamedaille gewinnen.»

Der Abflug nach Kanada erfolgt heute Dienstag. Im Gepäck nicht fehlen darf ein Geschenk ihrer Mutter, eine kleine Plüscheule. Sie möge ihr Glück bringen.

Selina Witschonke
Geboren: 17. Dezember 1998
Wohnort: Sempach
Ausbildung: Maturaabschluss 2018 in Luzern; seither Studium in forensischer Wissenschaft in Lausanne
Verein: VLCC Luzern Juniorinnen
Kader: Nationalkader Junioren
Erfolge 2019: 1. Qualifikation Junioren-SM. – 2018: 2. Junioren-SM; 7. Junioren-WM in Aberdeen. – 2017: 5. Junioren-WM in Pyeongchang. 2. European-Tour Junioren; 1. Junioren-SM. – 2016: 3. Youth Olympic Games in Lillehammer; 1. Junioren-SM.
Vorbild: Niklas Edin







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