Golf
Lade Login-Box.
22.05.2019 23:03

Er beisst die Hand, die ihn füttert

  • In der Familie herrscht eitel Freund. Brooks Koepka mit Freundin Jena Sims, Schauspielerin und Model
    In der Familie herrscht eitel Freund. Brooks Koepka mit Freundin Jena Sims, Schauspielerin und Model | KEYSTONE/AP/JULIO CORTEZ
GOLF ⋅ Über die Begabung des nunmehr vierfachen Majorturnier-Gewinners Brooks Koepka muss man sich nicht unterhalten. Er hat Talent im Überfluss, vielleicht hat nur Tiger Woods noch etwas mehr davon.

Als Rookie unter den Profis versuchte Koepka sein Glück im Jahr 2012, indem er von Palm Beach Gardens in Florida nach Europa zog, auf die untergeordnete Tour in Europa, die Challenge Tour. Sein erstes Turnier war die Swiss Challenge auf Golf Sempachersee in Hildisrieden. Turnierdirektor Daniel Weber hatte von Koepkas Talent gehört, er lud ihn ein. Koepka wurde 27. unter 156 Golfern, schlaggleich mit dem Engadiner Martin Rominger und einen Schlag hinter dem Zuger Damian Ulrich.

Im Juli 2013 startete Koepka im Luzernischen nicht mehr. Denn er hatte kurz vorher in rascher Folge drei Turniere der Challenge Tour gewonnen. Wer in einer Saison dreimal siegt, steigt augenblicklich auf den grossen Circuit, die PGA European Tour, auf. In den letzten zwölf Jahren ist ein solcher Durchmarsch nur dem Schweden Kristoffer Broberg ebenfalls gelungen. Aber Broberg schaffte den richtigen Durchbruch nie. Vor zwei Jahren verlor er das Spielrecht auf der Europa-Tour, während Koepka in Windeseile über die europäische auf die amerikanische Tour kam. Mit dem Triumph am US Open im Juni 2017 begann Koepka die Turniere auf Grand-Slam-Stufe, die sogenannten Majorturniere, auf eine noch nie dagewesene Weise zu dominieren. Beim vierten Majortitel, den er am Wochenende an der US PGA Championship in Bethpage bei New York errang, langte Koepka in weniger als zwei Jahren an. Tiger Woods beispielsweise liess seinerzeit vom ersten bis zum vierten grossen Triumph über drei Jahre verstreichen.

Alles wäre zum Besten bestellt, wäre da nicht Koepkas zur Schau gestellte, despektierliche Haltung gegenüber dem Golf. Er wird nicht müde zu sagen, dass er eigentlich bei einem anderen Sport gelandet wäre. Aber nach einem Autounfall, in den er als Kind geraten war, habe ihm der Arzt quasi vorgeschrieben, jeden Sport mit Körperkontakt zu meiden. Koepka ist ein Muskelpaket. Man könnte ihn sich tatsächlich im American Football oder im Baseball, seiner liebsten Sportart, vorstellen. Im Golf kann er den Ball weiter schlagen als die meisten seiner Kollegen.

Eigenartige Ansichten

Koepka kommt bisweilen mit abstrusen Ideen und Meinungen daher. Eine Runde dauere viel zu lange, man müsste sie um ein paar Löcher verkürzen. Auch sei das Ganze furchtbar langweilig. Es sei für den Profi eine Zumutung, bis zu fünf Stunden ohne richtige Action auf dem Platz stehen zu müssen.

Er beisst die Hand, die ihn füttert. Er zeigt eine Geringschätzung gegenüber dem Sport, der ihn längst schon zum Multimillionär gemacht hat. Ob Koepka alles wirklich ernst meint, weiss man nicht. Vielleicht nicht. Vielleicht ist alles nur eine mentale List. Vielleicht soll ihn die demonstrative Unlust davor bewahren, auf der Runde nervös zu werden. Man weiss es nicht, und er wird es nie sagen.

In der Öffentlichkeit zählen in jedem Fall die skurrilen Äusserungen, die Koepka zum Besten gibt. Mit dem Golfpublikum von New York ist er am letzten Wochenende an den Falschen geraten. Das Publikum rund um den Big Apple ist nicht kulturbewusst, wohlerzogen, fair und geniessend wie das britische. Es ist ungezogen, grobschlächtig und zeigt Sympathien und Antipathien unverhohlen. Es mischt sich ein. Ungeliebte Spieler bekommen bisweilen in heiklen Sekunden beim Schwung sehr störende Zwischenrufe zu hören.

Koepka widersteht dem Druck

Einer unter den Zehntausenden von Zuschauern rief Koepka in der Schlussrunde zu: "Hey, ich habe mein Geld auf D.J. gesetzt, mach mir das Vergnügen." D.J. stand für Dustin Johnson, Koepkas einzigen verbliebenen Rivalen. Und Koepka sollte dem Zuschauer das Vergnügen machen, indem er aus einer schwierigen Lage einen schlechten Schlag zeigen würde. Koepka hielt den Anfeindungen und dem ganzen Druck bis zuletzt Stand. Vielleicht auch dank seinem mentalen Trick der scheinbaren Gleichgültigkeit. (sda)

Kommentare

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!

Meist gelesene Artikel

GÖSCHENEN

Sportwagen-Lenker baut Selbstunfall

NIEDERBAUEN CHULM

Gleitschirmpilot aus Felswand gerettet

Telefonbetrüger gaben sich als Polizisten aus und ergaunerten 3,6 Millionen Franken. (Symbolbild)
TELEFONBETRUG

Telefonbetrüger ergaunern Millionenbetrag

In Amriswil TG ist ein Grosseinsatz der Polizei im Gang, nachdem sich ein bewaffneter Mann in einer Wohnung verschanzt hat. Nach einem Beziehungsdelikt konnte das Opfer unverletzt flüchten.
POLIZEIEINSATZ

Polizei-Grosseinsatz wegen Beziehungsdelikt

Die Pilatus-Werke dürfen in Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten keine Dienstleistungen mehr erbringen. (Archivbild)
FLUGZEUGINDUSTRIE

Pilatus muss Saudi-Arabien und VAE verlassen

Die Schauspielerin Inger Nilsson als Pippi Langstrumpf: Auf deutsch heisst ihr Lied "Zwei mal drei macht vier". Dieser deutsche Text verstösst wohl gegen das Urheberrecht. (Archivbild)
FILM

Streit um Pippi-Langstrumpf-Lied

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (in einer Aufnahme vom Juni 2012).
DEUTSCHLAND

Täter gesteht Mord an Politiker Lübcke

Erfolgreich an der WM, aber kein Bock auf Präsident Trump: US-Captain Megan Rapinoe
FRAUEN-WM

Keine Lust auf Besuch bei Trump

In Weinfelden eine Klasse für sich: der neue und alte Schweizer Zeitfahrmeister Stefan Küng
SCHWEIZER MEISTERSCHAFTEN

Küng wieder Schweizer Zeitfahrmeister

Voller Einsatz für freie Moutainbike-Routen am Weltschaufeltag auf der Corviglia.
HITZE

Weltschaufeltag als Hitze-Kontrapunkt

Zur klassischen Ansicht wechseln