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12.02.2019 05:10

Zuger Sbisa braucht einen Klubwechsel

  • Steht für die Islanders selten auf dem Eis: Luca Sbisa. (Bild: Norm Hall/Getty (Glendale, 18. Dezember 2018)
SPORT ⋅ NHL-Verteidiger Luca Sbisa (29) hat bei den New York Islanders einen schweren Stand. Trotzdem wird der Zuger seine Karriere nicht in der Schweiz beenden.

Klaus Zaugg, Newark

Luca Sbisa ist zwar ein NHL-Veteran mit der Erfahrung aus mehr als 500 NHL-Partien. Aber auch für ihn gilt das unerbittliche Motto des nordamerikanischen Profisportes: «Nothing is for granted» («Nichts ist selbstverständlich»). Jeder muss sich jeden Tag immer wieder behaupten. Im letzten Frühjahr spielte er mit Las Vegas im Final um den Stanley Cup. Nur ein paar Monate später bangt er jetzt um die Fortsetzung seiner NHL-Karriere. Selbst sein Agent André Rufener ist machtlos. Zum ersten Mal.

Rufer geniesst in der NHL-Agentenszene einen legendären Ruf, seit er es 2013 wagte, für seinen Klienten Nino Niederreiter öffentlich bei den New York Islanders einen Transfer einzufordern. Der WM-Silberheld wurde tatsächlich in einem Tauschgeschäft nach Minnesota geschickt. Und dann hatte er nochmals Glück: Als diese Saison die Karriere in Minnesota stockte, folgte der Transfer zu Carolina. Seine vorerst letzte grosse Tat: ein Vertrag über 1,5 Millionen Dollar und ein Jahr für seinen Klienten und Freund Luca Sbisa bei den New York Islanders.

Agent Rufener ist ein wenig ratlos

Aber jetzt ist selbst ein so erfahrener Agent wie Rufener am Ende seines Lateins. Luca Sbisa ist fit und darf nach wie vor nicht spielen. Er hat diese Saison bloss neun Partien bestritten. Sein Schicksal: «Healthy Scratch» («gesund, aber nicht eingesetzt»). Das bedeutet: adrett gekleidet oben auf der Medientribüne sitzen. Wenn mal eine Frage von einem Chronisten kommt, brav sagen, das Team stehe im Vordergrund, kein Problem. Man müsse jeden Tag hart arbeiten. Es sei wichtig, bereit zu sein, wenn die Chance komme. Wer etwas anderes erzählt oder gar aufbegehrt – wie das in der Schweiz in so einer Situation gang und gäbe ist –, beendet seine Karriere.

Sbisa braucht einen Klubwechsel zur Neulancierung der Karriere. Dringend. Und so sitzt André Rufener ein wenig ratlos in Newark im Café des Wyndham Hotels, schaut gen Himmel und sagt: «Mögen uns die Hockeygötter noch einmal helfen.» Er könne diesmal nicht beim General Manager um einen Trade fragen. «Lou Lamoriello lässt sich nicht dreinreden.» Lou Lamoriello, der General Manager der Islanders und damit Luca Ceredas alleroberster Boss gilt als einer der ganz grossen NHL-Generäle.

Der einflussreichste Schweizer NHL-Agent ist Anfang Februar nach New York geflogen und bleibt bis am 26. Februar, dem Tag nach dem NHL-Transferschluss. So ist er vor Ort. Schliesslich hat er mit Luca Sbisa, Mirco Müller und Yannick Rathgeb gleich drei Klienten im Raum New York. Eigentlich müsste er der meistgesuchte Mann unserer Sportchefs sein. Denn mit Luca Sbisa, Sven Andrighetto und Mirco Müller vertritt er drei Schweizer, deren NHL-Verträge auslaufen. Und könnten nicht Dean Kukan und Yannick Rathgeb trotz weiterlaufenden Kontrakten zu einer Heimkehr überredet werden? Natürlich muss André Rufener sagen, dass keiner zurückkehren wird. Käme bloss das ­Gerücht auf, dass einer an die Heimat denkt – die NHL-Karriere wäre ruiniert. In «seinen» Fällen sind es keine leeren Worte. Auch nicht bei Luca Sbisa. André Rufener sagt: «Die einzigen Optionen heissen NHL oder Rücktritt.» Und wenn er wider Erwarten doch keinen neuen Vertrag mehr kriege, dann beginne eben ein bisschen früher als vorgesehen seine zweite Karriere. «Luca Sbisa würde nach Newport Beach zurückkehren und ins Immobiliengeschäft einsteigen.»

Er sei zuversichtlich, dass es für Luca Sbisa eine NHL-Zukunft gebe. Weil er nach Vertragsablauf «free agent» sei und jeder Klub ihn dann ohne Gegenleistung (Kompensation) an den alten Arbeitgeber verpflichten könne. «Da finden wir eine Lösung.» Damit ist klar: Der ehemalige EVZ-Junior ist ein «Nordamerikaner» mit Heimat im südkalifornischen Newport Beach geworden. Er wird, komme, was wolle, seine Karriere nicht in der Schweiz beenden.

Ab und an schaut André Rufener auf sein Smartphone. Bis zum Transferschluss am 25. Februar kann nun jederzeit und unverhofft etwas passieren. Nino Niederreiter sei bei Minnesota um 14.30 Uhr über seinen Wechsel nach Carolina informiert worden. Mit der Anweisung, um 17 Uhr in Minneapolis nach Raleigh zu seinem neuen Klub abzufliegen.

Auf einen solchen Wechsel hofft nun auch Luca Sbisa. Zügeln ist für ihn kein Problem. In den neun Jahren als NHL-Profi hat der Zuger vor einem Engagement auf Long Island, New York, schon in Philadelphia, Anaheim (beziehungsweise Newport Beach), Vancouver und Las Vegas gespielt und gelebt.

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