Kultur
Lade Login-Box.
15.05.2019 15:46

Eröffnungsfilm zielt auf USA der Gegenwart

  • US-Regisseur Jim Jarmusch (links) und Schauspielerin Tilda Swinton an den 72. Filmfestspielen in Cannes: Mit seiner Zombie-Komödie "The Dead Don't Die" zielt Jarmusch auf die USA der Gegenwart.
    US-Regisseur Jim Jarmusch (links) und Schauspielerin Tilda Swinton an den 72. Filmfestspielen in Cannes: Mit seiner Zombie-Komödie "The Dead Don't Die" zielt Jarmusch auf die USA der Gegenwart. | KEYSTONE/EPA POOL/SEBASTIEN NOGIER / POOL
FILMFESTIVAL ⋅ Was passiert, wenn die Erde aus dem Gleichgewicht gerät? Eine mögliche Antwort gibt es bei Jim Jarmusch: Bei ihm stehen die Toten wieder auf und greifen als Zombies die Menschen an. Das unterlegt der Filmemacher mit Gesellschaftskritik.

Regisseur Jim Jarmusch, der mit seiner Zombie-Komödie "The Dead Don’t Die" das Filmfestival Cannes eröffnete, macht sich Sorgen um den Zustand der Welt. "Zu beobachten, dass sich die Natur so schnell wie noch nie verschlechtert, das beunruhigt mich", sagte der 66-Jährige am Mittwoch in Cannes. Das Thema werde ausserdem nicht oft genug angesprochen. Er glaube, dass sich "unser Planet in grosser Gefahr" befinde.

Dazu passte dann auch sein Werk "The Dead Don’t Die", das am Abend zuvor seine Weltpremiere an der Croisette gefeiert hatte: Darin führt Fracking an den Polen dazu, dass sich die Erdachse verschiebt und damit alles aus dem Gleichgewicht gerät. Auch die Toten wachen plötzlich wieder auf und greifen die Lebenden an.

Gesellschaftskritik zielt auf USA

Mit "The Dead Don’t Die" legt Jarmusch ein gewohnt langsam, fast meditativ erzähltes Werk vor. Anders als in anderen Zombiefilmen stehen hier weder blutige Gemetzel noch actiongeladene Endzeit-Szenarien im Vordergrund. Stattdessen mischt Jarmusch humorvolle Elemente mit Gesellschaftskritik, die vor allem auf die USA der Gegenwart zielen: Ein weisser Rassist etwa trägt einen Hut mit der Aufschrift "Make America White Again" und hat seinen Hund "Rumsfeld" getauft.

Ausserdem werden die Zombies von dem angezogen, was zu Lebzeiten ihre grösste Leidenschaft war. So stürmen die untoten Kinder den Süssigkeitenladen und viele Erwachsene sehnen sich nach ihren Handys. Iggy Pop hingegen wankt auf der Suche nach "Kaffee!" durch die Gegend, während Carol Kanes Zombieversion nur ein Ziel kennt - Chardonnay.

Er sei sich nicht bewusst gewesen, wie düster der Film teilweise sei, sagte Jarmusch, der hier ein beeindruckendes Ensemble mit Adam Driver, Bill Murray, Tilda Swinton, Tom Waits und Selena Gomez auf der Leinwand versammelte.

Doch so gern man ihnen allen in dieser Apokalypse auch zuschaut, so kann "The Dead Don’t Die" dann doch nicht über rund 100 Minuten überzeugen. Dafür sind manche Spitzen zu simpel und die Geschichte schlingert etwas zu unentschlossen dahin. Als unaufgeregte Zombie-Variante aber, die auf die Ansammlung vieler skurriler Beobachtungen und schräger Gags setzt, funktioniert der Film durchaus. Am 13. Juni kommt er in die Deutschschweizer Kinos. (sda/dpa)

Meist gelesene Artikel

GOTTHARDTUNNEL

Unfall mit Wohnmobil fordert fünf Verletzte

KEHRSITEN

Tragischer Seebadi-Unfall hallt nach

ZELL LU

Lastwagen überschlägt sich mehrmals

Hat die SNB wieder am Devisenmarkt interveniert? Bild der Fassade am Bundesplatz (Archivbild).
BANKEN

Nationalbank hat wohl erneut interveniert

LUZERN

Guerilla-Aktion: Künstlerin hängt Bilder auf die Kapellbrücke

Der britische Premierminister Boris Johnson wirbt in einem Brief an EU- Ratspräsident Donald Tusk Änderungen am Brexit-Abkommen verlangt. Dabei soll der sogenannte Backstop für Irland gestrichen werden. (Foto: Simon Dawson/EPA)
BREXIT

Johnson will Brexit-Nachverhandlungen

Frauen und Mädchen feiern den Freispruch von Evelyn Hernandez. Die junge Frau war nach einer mutmasslichen Totgeburt in El Salvador des Mordes angeklagt worden. (Foto: Salvador Melendez/AP Keystone)
EL SALVADOR

Totgeburt kein Mord

Hochlandrinder haben andere Fressgewohnheiten als produktionsorientierte Rinderrassen. Über ihr Fell verbreiten sie zudem Samen. Das prägt die Vegetation auf Weiden. (Archivbild)
UMWELT

Hochlandrinder machen Weiden artenreicher

Ein Boot der italienischen Finanzpolizei bewacht das Rettungsschiff "Open Arms" vor der Insel Lampedusa.  (Foto: Salvatore Cavalli/AP)
FLÜCHTLINGE

Italien will Migranten nach Spanien bringen

Das US-Militär hat am Sonntag zum ersten Mal seit dem Ende des INF-Abrüstungsvertrags einen konventionellen landgestützten Marschflugkörper getestet.  Der Test wäre laut INF-Vertrag verboten gewesen. (Foto: Scott Howe/U.S. Defense Department via AP Keystone)
USA

US-Militär testet Marschflugkörper

Zur klassischen Ansicht wechseln