Kultur
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19.05.2022 14:14

Regisseur: Boykott russischer Kultur falsch

  • «Was zurzeit passiert, ist sehr schmerzhaft, ist unerträglich», sagt der russische Regisseur Kirill Serebrennikow über den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Foto: Petros Giannakouris/AP/dpa
    Keystone/AP/Petros Giannakouris
FRANKREICH ⋅ Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow hat Verständnis für Stimmen, die wegen des Kriegs in der Ukraine einen Boykott russischer Kultur fordern - hält dies aber für falsch.

"Ich verstehe, dass Menschen einen Boykott fordern, aber ich akzeptiere das nicht", sagte er am Donnerstag bei den Filmfestspielen in Cannes. "Was zurzeit passiert ist sehr schmerzhaft, ist unerträglich", fügte er hinzu. Den Krieg in der Ukraine bezeichnete er als "totale Katastrophe". Aber ein Boykott russischer Kultur sei nicht der richtige Weg, denn sie sei "Luft" und "in den Wolken", also unabhängig von der derzeitigen Politik.

"Das Wort "Kultur" und das Wort "Krieg" sind gegensätzlich", sagte Serebrennikow. Krieg zerstöre, Kunst interessiere sich für das Leben. Kunst sei, "wodurch sich die Menschen lebendig fühlen". Er bezog sich etwa auf die Schriftsteller Fjodor Dostojewski und Anton Tschechow. Eine Novelle von Letzterem hat Serebrennikow jüngst für das Thalia Theater in Hamburg inszeniert.

Der russische Star-Regisseur stellt bei den Filmfestspielen in Cannes seinen neuen Film "Tchaikovsky's Wife" vor. "Wir haben den Film vor den tragischen Ereignissen gemacht", sagte Serebrennikow. Hätte ihm jemand ein paar Tage vor Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine erzählt, dass es diesen geben werde, hätte er es nicht geglaubt, sagte er.

"Tchaikovsky's Wife" erzählt von der turbulenten Ehe des Komponisten Peter Tschaikowsky und seiner Frau Antonina Miliukova. Der Komponist heiratete sie demnach, um seine Homosexualität zu verbergen. Der Film läuft im Wettbewerb des 75. Filmfestivals.

Odin Biron spielt Tschaikowsky, Aljona Michailowa seine Frau. "Ich habe mich selbst vor ein paar Jahren in Russland geoutet", sagte Biron am Donnerstag. "Also war es ein logischer Schritt, an diesem Film zu arbeiten." Serebrennikow sagte, dass es um Themen gehe, die wir bis heute fühlten - Verletzlichkeit etwa und Leidenschaft. Er interessiere sich dafür, Filme über starke Charaktere zu machen und "Menschen, die hervorstechen".

Auch seine Filme "Petrov's Flu" (2021) und "Leto" (2018) liefen in der Vergangenheit in Cannes - damals konnte Serebrennikow allerdings nicht an die Côte d'Azur reisen, weil er wegen angeblichen Betrugs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt war und unter Hausarrest stand.

Wie fühlt es sich für ihn nun an, endlich hier zu sein? "Wäre da nicht dieser Krieg, würden wir uns alle viel besser fühlen", lautete seine Antwort. Er könne nicht glücklich sein während in der Ukraine Städte bombardiert werden. "Ich habe Freunde in der Ukraine und wir befinden uns in einer extrem dramatischen Situation." (sda/dpa)

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