Schweiz
Lade Login-Box.
23.04.2019 12:00

Krankenversicherung muss Spitalkosten zahlen

  • Das Bundesgericht hat eine Beschwerde gegen die Übernahme von Spitalkosten der Krankenversicherung Vivao Sympany abgewiesen. (Symbolfoto)
    Das Bundesgericht hat eine Beschwerde gegen die Übernahme von Spitalkosten der Krankenversicherung Vivao Sympany abgewiesen. (Symbolfoto) | KEYSTONE/GAETAN BALLY
BUNDESGERICHT ⋅ Es gibt keine Obergrenze für die von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu tragenden Kosten einer Spitalbehandlung, solange diese den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Dies hat das Bundesgericht im Fall der Krankenversicherung Vivao Sympany entschieden.

Die Krankenversicherung wollte von den 1,08 Millionen Franken, die ihr ein Spital aus dem Kanton Basel-Stadt in Rechnung stellte, nur rund 300'000 Franken übernehmen.

Vivao Sympany stellte sich auf den Standpunkt, im konkreten Fall könne sie sich auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts berufen. Diese besage, es gebe eine Obergrenze für den Einsatz finanzieller Mittel.

So habe man beim behandelten 71-jährigen Patienten von einer restlichen Lebenserwartung von 14,8 Jahren ausgehen können. Allerdings sei dieser im alltäglichen Leben stark eingeschränkt gewesen.

Aufgrund der sogenannten QALY-Methode ergebe dies einen Wert von 2,96. Werde dieser mit 100'000 Franken multipliziert, ergebe dies eine Betrag von 296'000 Franken.

Keine Methode bestimmt

Das Bundesgericht hält in einem am Dienstag publizierten Urteil klar fest, dass es nie eine solche absolute Obergrenze zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung festgelegt habe. Auch habe es die QALY-Methode nie als massgeblich bestimmt.

Im vorliegenden Fall war der Patient 2014 wegen einer Knieoperation ins Spital eingetreten. Nach der Operation erlitt er einen Herzinfarkt, ein Nierenversagen und zahlreiche weitere lebensbedrohliche Komplikationen. Insgesamt verbrachte er 421 Tage im Spital. Die Behandlungen kosteten rund 2,4 Millionen, wovon die Versicherung 45 Prozent übernehmen sollte.

Das Bundesgericht schreibt, dass die Krankenversicherung die Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Behandlungen nicht beanstandet habe. Vielmehr habe sie sich darauf beschränkt, den von ihr zu übernehmenden Betrag pauschal in Frage zu stellen. Aus den Akten gehe nicht hervor, dass die Behandlungen nicht wirtschaftlich gewesen und deshalb nicht von der Versicherung zu bezahlen seien.

Vielmehr bestehe eine unbeschränkte Leistungspflicht gemäss Krankenversicherungsgesetz, solange einzelne Massnahmen der Spitalbehandlung die Voraussetzungen der Wirksamkeit, der Zweckmässigkeit und der Wirtschaftlichkeit erfüllten, heisst es in den Erwägungen des Bundesgerichts weiter.

Ziel des Gesetzes sei es gerade eben, bei einer stationären Behandlung eine zeitlich unbeschränkte Leistungspflicht der Krankenversicherung zu gewährleisten. (Urteil 9C_744/2018 vom 01.04.2019) (sda)

Meist gelesene Artikel

GOTTHARDTUNNEL

Unfall mit Wohnmobil fordert fünf Verletzte

ZELL LU

Lastwagen überschlägt sich mehrmals

KEHRSITEN

Tragischer Seebadi-Unfall hallt nach

Frauen und Mädchen feiern den Freispruch von Evelyn Hernandez. Die junge Frau war nach einer mutmasslichen Totgeburt in El Salvador des Mordes angeklagt worden. (Foto: Salvador Melendez/AP Keystone)
EL SALVADOR

Totgeburt kein Mord

Das US-Militär hat am Sonntag zum ersten Mal seit dem Ende des INF-Abrüstungsvertrags einen konventionellen landgestützten Marschflugkörper getestet.  Der Test wäre laut INF-Vertrag verboten gewesen. (Foto: Scott Howe/U.S. Defense Department via AP Keystone)
USA

US-Militär testet Marschflugkörper

LUZERN

Guerilla-Aktion: Künstlerin hängt Bilder auf die Kapellbrücke

Hat die SNB wieder am Devisenmarkt interveniert? Bild der Fassade am Bundesplatz (Archivbild).
BANKEN

Nationalbank hat wohl erneut interveniert

Der britische Premierminister Boris Johnson wirbt in einem Brief an EU- Ratspräsident Donald Tusk Änderungen am Brexit-Abkommen verlangt. Dabei soll der sogenannte Backstop für Irland gestrichen werden. (Foto: Simon Dawson/EPA)
BREXIT

Johnson will Brexit-Nachverhandlungen

Regisseur Quentin Tarantino und die Schauspieler Leonardo DiCaprio sowie Brad Pitt (von links) stehen für "Once Upon A Time... In Hollywood". Der Film stürmte bereits am ersten Wochenende nach dem Start in der Schweiz die Kinocharts. (Archivbild)
CH-KINOCHARTS WOCHENENDE

Neuer Tarantino stürmt an die Spitze

Stephan Lichtsteiner spielt künftig in der Bundesliga für Augsburg
DEUTSCHLAND

Lichtsteiner für ein Jahr zu Augsburg

Zur klassischen Ansicht wechseln