Luzern
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22.04.2019 20:18

Personal der Rontaler Spitex kann dank Adligenswil aufatmen

  • Hilfe beim Kochen – auch das sind Dienstleistungen, die die Spitex erbringt. (Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone)
LUZERN ⋅ Adligenswil bleibt der Spitex Rontal plus nun doch treu – das sorgt bei der Organisation für Erleichterung. Denn sie hätte sonst fast 20 Prozent ihrer Aufträge verloren. Allerdings: Noch kehrt nicht ganz Ruhe ein.

Roman Hodel

Die frohe Botschaft kam ganz schlicht per Post. In einem Brief teilte der Adligenswiler Gemeinderat der Spitex Rontal plus Anfang Monat mit, dass die Gemeinde die öffentlichen Spitex-Dienstleistungen weiterhin bei ihnen beziehen und den für Ende 2019 geplanten Austritt sistieren werde (wir berichteten). «Dies kam für uns überraschend», sagt Ruedi Maurer, Präsident der Spitex Rontal plus.

Denn wann immer der Vorstand in den letzten Monaten zusammen gekommen sei, habe der Adligenswiler Gemeindevertreter den Entscheid bekräftigt, wonach man austreten und eine eigene Spitex-Organisation gründen werde. Ausserdem: Das vom Spitex-Vorstand gewünschte Gespräch mit dem Gemeinderat bezüglich eines geordneten Austritts sei nie zustande gekommen.

«Der Sinneswandel freut uns aber selbstverständlich sehr», sagt Maurer. Von den neun angeschlossenen Gemeinden sei Adligenswil die drittgrösste und mache fast 20 Prozent des Auftragsvolumens aus. Er sagt:

«Wir hätten beim Personal abbauen müssen und wohl kaum alles durch natürliche Abgänge auffangen können.»

Maurer hatte sich über die Pläne Adligenswils ohnehin gewundert: «Eine Spitex stampft man nicht so einfach aus dem Boden.» Es brauche Know-how, zudem seien Fachkräfte im Pflegebereich gesucht. «Wir haben 75 Jahre Erfahrung, das darf man nicht vergessen.»

Der Verbleib von Adligenswil bedeutet für die Spitex Rontal plus eine erste Entspannung, denn unter den insgesamt 75 Angestellten herrscht seit Monaten Verunsicherung. Per Ende Jahr wechselte Inwil zur Spitex Hochdorf – allerdings aus geografischen Gründen. Zudem drohte mit Ebikon letzten Sommer die grösste Gemeinde mit dem Austritt. Umstritten sind vor allem die Hauswirtschaftstarife (wir berichteten). Diese wurden per 2018 angehoben – in 5 von 10 angeschlossenen Gemeinden bezahlen Klienten je nach Einkommen bis zu 74.50 Franken pro Stunde für Hilfe beim Reinigen oder Kochen. Mehr jedenfalls als in den meisten anderen öffentlichen Spitex-Organisationen.

Ebikon stimmt über Spitex ab

Genau diese Hauswirtschaftstarife sind auch der Grund, weshalb noch nicht ganz Ruhe einkehrt bei der Spitex Rontal plus: Am 19. Mai befinden die Ebikoner an der Urne über eine entsprechende SP-Initiative. Diese verlangt zahlbare Tarife für alle – gemeint sind jedoch nur jene für die Hauswirtschaft. Wortwörtlich heisst es in der Initiative: «Alle betreuungsbedürftigen Menschen in Ebikon sollen auf angemessene, sozialverträgliche finanzielle Unterstützung vertrauen dürfen.» Der Gemeinderat und die Spitex empfehlen ein Nein – aus dem gleichen Grund. Maurer sagt: «Wer wenig Geld hat, wird schon heute von der Gemeinde finanziell unterstützt.» Dennoch stellt er in Aussicht, dass die Tarife dank Betriebsoptimierungen in Zukunft günstiger werden.

Die Gemeinde Adligenswil hatte die eigene Spitex-Organisation im Rahmen ihres neuen Pflegezentrums Riedbach gründen wollen. Der zuständige Sozialvorsteher Ferdinand Huber (SVP) sprach noch im letzten Herbst von einer «historisch einmaligen Gelegenheit, den gesamten öffentlichen Auftrag im Gesundheitsbereich aus einer Hand anbieten zu können». Doch dem Vorhaben machten die Kostenüberschreitungen bei der Realisierung des Zentrums und eine geringere Auslastung als erwartet einen Strich durch die Rechnung.

Laut Huber stand die Planung einer eigenen Spitex aber noch am Anfang. Die gemeindeeigene Pflegezentrum Riedbach AG habe weder Geld ausgegeben, noch Gespräche geführt mit potenziellen künftigen Mitarbeitern. Auch seien keine zusätzlichen Räume im Pflegezentrum für die Spitex reserviert gewesen. Er sagt:

«Wir konnten also ohne Bedenken eine Entscheidung treffen, die wohl überlegt und kurzfristig umsetzbar ist.»

Denn die nachhaltige Sicherstellung der Finanzierung und die Konsolidierung der Pflegezentrum Riedbach AG habe für den Gemeinderat eine hohe Priorität. Am 19. Mai entscheiden die Adligenswiler an der Urne über eine Erhöhung des Aktienkapitals.

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