Obwalden
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28.02.2020 14:10

Kommunikationspanne: Verwirrung um Corona-Fall

  • Mitarbeiter des Bundesamtes für Gesundheit verteilen am Bahnhof Chiasso Broschüren, wie man sich schützt.  (Bild: Francesca Agosta / Keystone (28. Februar 2020))
OBWALDEN ⋅ Aufgrund einer Kommunikationspanne wurde vom Bund ein positiver Fall vermeldet. Der Kanton und der Bund korrigierten die Meldung.

Martin Uebelhart

Die Meldung kam um die Mittagszeit. In der neusten Liste zu den bestätigten Fällen des Coronavirus tauchte auch der Kanton Obwalden auf. Eine betroffene Person sollte es geben im Kanton. Das sagte Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit, an der Pressekonferenz:

Auf dem Obwaldner Gesundheitsamt löste diese Meldung Verwirrung aus. Man hatte weder vom Spital in Sarnen noch vom Kantonsarzt irgendwelche Meldungen zu einem positiven Corona-Fall erhalten. In einer Medienmitteilung hielt das Amt fest, dass es keinen bestätigten Fall in Obwalden gebe.

«Wir wissen im Moment nicht im Detail, wie es zu dieser Fehlmeldung kommen konnte», sagt Patrick Csomor, Leiter des Gesundheitsamts, auf Anfrage. Es handle sich um einen so genannten «negativ-positiven Fall» erläutert er: «Eine Probe wird immer zweimal getestet. Zunächst untersucht ein regionales Labor, dann geht die Probe zur Bestätigung ins Referenzlabor nach Genf.» Erst wenn dieses ebenfalls zu einem positiven Resultat komme, werde die Person auf die Liste der bestätigten Fälle gesetzt. Der Obwaldner Fall hätte dort nicht auftauchen sollen.

Kanton hat kaum Angaben zur untersuchten Person

Das Bundesamt für Gesundheit bestätigt, das es keinen positiven Fall in Obwalden gibt und hat seine erste Meldung korrigiert. Laut Sprecherin Katrin Holenstein gab es ein Missverständnis in der Kommunikation zwischen dem Bundesamt und dem Labor in Genf. Im vorliegenden Fall sei die Person zwar in Obwalden wohnhaft, doch habe sie ein ausserkantonales Spital aufgesucht.

«Da der Prozess nicht über das Kantonsspital Obwalden oder den Kantonsarzt gelaufen sind, wissen wir zurzeit so gut wie nichts über die Person», sagt Csomor. So sei weder das Geschlecht, noch das Alter oder die Wohngemeinde bekannt. Die Abläufe für die Tests seien an sich genau geregelt. «Doch derzeit herrscht auch eine gewisse Hektik und dabei ist es wohl zu einer Fehlleistung gekommen», meint der Amtsleiter.

Bis jetzt hat der Kanton Obwalden insgesamt 11 Verdachtsfälle abklären lassen. Die Lage sei anspruchsvoll, sagt Csomor. Das hätten sie auch auf dem Obwaldner Gesundheitsamt gespürt: «Zuerst kam die Meldung des Bundes zum Verbot von Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern.» Dann sei die Nachricht über den Obwaldner Fall eingetroffen.

Insbesondere die Gemeinden hätten sich nach genaueren Informationen erkundigt. Angerufen hätten auch zahlreiche Veranstalter. Hier prüfe man zusammen die Risiken. Bei einem Anlass sei der Fall klar: «Eine Sportveranstaltung überschritt die Grenze von 1000 Besucherinnen und Besuchern. Hier haben wir den Auftrag des Bundes ausgeführt und die Absage der Veranstaltung verfügt. Einige Entscheide für zukünftige Veranstaltungen sind noch offen», sagt Csomor.

Im Kanton Nidwalden habe man bis jetzt «keine zwei Handvoll» Verdachtsfälle überprüfen lassen, sagt Karen Dörr, Vorsteherin des Gesundheitsamts auf Anfrage. «Bisher ist keiner der Tests auf das Coronavirus positiv ausgefallen.» Nach Bekanntwerden des Verbots von Grossveranstaltungen hätten sich einzelne Veranstalter von Anlässen beim Kanton gemeldet und sich nach dem Vorgehen erkundigt, so Dörr.

«Wir haben das am Freitagvormittag in einem Ausschuss unserer Taskforce besprochen und entschieden, dass die Veranstaltungen, die allesamt deutlich weniger als 1000 Leute erwarten, stattfinden können. Nicht zuletzt auch, weil es in Nidwalden noch keinen bestätigten Fall gibt.»

Man habe die Veranstalter gebeten, die Info-Plakate aufzuhängen, die auf das richtige Hygiene-Verhalten hinweisen. Anfang Woche werde sich die Taskforce unter anderem mit dem kantonalen Schüler-Handballturnier befassen, das für das Wochenende vom 7. und 8. März geplant ist.

Das Bundesamt für Gesundheit hat eine Informationskampagne gestartet:

- Gründlich Hände waschen: Waschen Sie sich regelmässig die Hände mit Wasser und Seife, insbesondere bevor Sie essen oder Trinken und nach dem Schnäuzen. Nutzen Sie wenn vorhanden regelmässig ein Hand-Desinfektionsmittel.

- In Taschentuch oder Armbeuge husten und niesen: Niesen oder husten Sie in ein Taschentuch; oder wenn sie keines haben, in Ihre Armbeuge.

- Bei Fieber und Husten zu Hause bleiben: Vermeiden Sie den Kontakt mit Personen, die Atembeschwerden oder Husten haben. Wenn Sie grippeartige Symptome verspüren, bleiben Sie zu Hause. So verhindern Sie, dass die Krankheit weiter übertragen wird.

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