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11.02.2019 03:00

Svindal: "Ich bereue gar nichts"

  • Der Norweger Aksel Svindal nach seinem letzten Rennen
    Der Norweger Aksel Svindal nach seinem letzten Rennen | KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
SKI ALPIN ⋅ Aksel Svindal verabschiedet sich mit dem Gewinn der Silbermedaille in der WM-Abfahrt in Are standesgemäss als Skirennfahrer. Mit ihm verliert die Szene nicht nur einen grossen Sportsmann.

Er hätte weitere Optionen gehabt. Seine Heimrennen Anfang März in Kvitfjell etwa. Oder das Saisonfinale knapp zwei Wochen später in Soldeu in Andorra. Doch Svindal hatte sich Are als den Ort für seinen Rücktritt ausgesucht, jenes Dorf, das er mit vielen schönen Erinnerungen verknüpft. Hier in Schweden war er vor zwölf Jahren in der Abfahrt und im Riesenslalom Weltmeister geworden, hier siegte er auch zweimal in einer Weltcup-Abfahrt und gewann er vor zehn Jahren nach einem am Ende dramatischen Duell mit dem Österreicher Benjamin Raich seine zweite grosse Kristallkugel.

"Nichts ohne Freundschaften"

Svindal hätte seine Rücktrittspläne bis zuletzt geheim halten können. Aber er wählte den anderen Weg und verkündete seinen Abgang aus dem Spitzensport schon zwei Wochen zuvor in Kitzbühel. Die frühzeitige Verkündung ist typisch für den stets freundlichen und hoch anständigen Norweger. Er habe sich die Zeit nehmen wollen, um sich von möglichst vielen Menschen zu verabschieden, die ihn während seiner Karriere begleitet oder mit ihm zusammengearbeitet haben, begründete er seinen Entscheid. "Der Sport wäre nichts ohne die Freundschaften."

Bis zur Abreise aus Are wird er viele weitere Gespräche geführt und noch mehr Hände geschüttelt haben. Sie alle werden ihn vermissen, den Athleten und den Menschen Aksel Svindal. Mit ihm geht nicht nur einer der ganz grossen Protagonisten, sondern auch einer der besten Botschafter des Skisports. "Einer wie er sollte eigentlich nie zurücktreten", sagt Beat Feuz, der sich mit dem Nordländer nicht nur wegen seiner eigenen Krankheitsgeschichte besonders gut versteht. "Seine beste Eigenschaft ist, dass er sein Umfeld besser macht", sagt der Österreicher Christian Mitter, der Cheftrainer des norwegischen Männer-Team.

Svindal ist der nette Kerl, der für alle ein offenes Ohr hat und dessen Blick über die Rennpisten hinausreicht. Mit ihm lässt sich auch über andere Themen wie Politik oder Wirtschaft diskutieren. Er nennt etwa die Ölindustrie das "schlimmste Business und die Textilbranche vielleicht das zweitschlimmste". Für die Umwelt leistet er seinen Beitrag, indem er unter dem im vorletzten Jahr mitgegründeten Modelabel "Greater Than A" nachhaltige, über längere Zeit tragbare Kleidung vertreibt. Daneben ist er an der Börse aktiv und investiert er in Firmengründungen, sogenannte Start-Ups.

Nichts Konkretes

Konkret ist sich Svindal über seine berufliche Zukunft noch nicht schlüssig. Mit dem Entscheid, in welche Richtung es gehen soll, lässt er sich Zeit. Einen Tag nach seinem Abgang ist er noch zu sehr Skifahrer. Da sind nach dem Gewinn der Silbermedaille in der WM-Abfahrt in Are noch zu viele Gedanken über diesen perfekten Abschied an der Seite seines Teamkollegen Kjetil Jansrud. Um läppische zwei Hundertstel hatte er sich im Duell mit seinem Kumpel und langjährigen Weggefährten geschlagen geben müssen.

Die winzige zeitliche Differenz zu seinen Ungunsten trübte Svindals Freude nicht einmal im Ansatz. Es war für ihn der perfekte Schlusspunkt hinter eine Karriere, die ihm unzählige Hochs gebracht hat, während der er wegen Verletzungen aber auch viele Tiefs durchlaufen hat. Das rechte Knie, das er vor drei Jahren beim Sturz in der Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel schwer beschädigt hat, erlaubt ihm nicht mehr, den Skirennsport nach seinen Vorstellungen und mit der gewünschten Intensität zu betreiben. Das stete Abwägen zwischen Regeneration und körperlicher Belastung ist ihm zu viel geworden.

Svindal ist sich sicher, den richtigen Entscheid gefällt zu haben. "Ich bereue gar nichts", sagte er bei seiner letzten Pressekonferenz als Skirennfahrer am Samstag in Are. Emotionen kamen dabei keine hoch. Tränen gab es nicht. Svindal wirkte zufrieden. Da sass einer, der mit sich im Reinen ist. (sda)

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